Underjord - Sheol

Underjord- Sheol

Massacre / Soulfood
VÖ: 22.08.2014

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Das Röhren im Walde

Zugegeben: Seltsame Überschrift für eine Rezension. Die Rede ist allein von der stimmlichen Verortung des Sängers Thomas Finholm: Weder gröhlt, noch grunzt er. Er kreischt nicht und singt auch nicht clean. Er röhrt! Tief, leicht kehlig, knochentrocken. Seine Band Underjord ist dazu passend in langsam-verschleppten Düster-Doom zu Hause. Aus jeder Faser dieser Veröffentlichung dringt die Anstrengung, dem wütenden Pessimismus zumindest mit künstlerischer Attitüde zu begegnen, und zwar musikalisch auf Augenhöhe. Die textliche Ausrichtung steht der Musik zur Seite: Nahezu jedes Stück trägt den Tod im Titel, und wenn nicht, dann geht es um "Erebus", den Gott der Finsternis in der griechischen Mythologie, oder um "Sheol", eine religiöse hebräische Bezeichnung für das Totenreich.

Bezieht man zu guter Letzt mit ein, in welchem geographischen Umfeld sich die Musiker bewegen, dann sind die Eckpunkte beisammen: Düsternis und Finnland, das ist nicht nur aufs Wetter bezogen passend. Obwohl die enorm kreative Szene des Death Metal nur rudimentär in den Bezugsrahmen fällt, legen Underjord die gleiche Kompromisslosigkeit an den Tag. Dennoch: Zu drei Vierteln des Jahres übersteigt die Temperatur in Vaasa, wo die Band teilweise beheimatet ist, die 10-Grad-Marke praktisch nicht, sie kreist sogar zumeist irgendwo um den Gefrierpunkt oder darunter. Und dann ist noch kein Wort über die Lichtverhältnisse gefallen. Soviel zur Idee, den Ausgangspunkt für Underjords musikalische und textliche Perspektive verstehen zu wollen.

Der Aufbau des Großteils der Stücke auf diesem Debüt zeichnet sich jedoch dadurch aus, dass sie auf langatmige Hinführungen zu den donnernd walzenden Höhepunkten verzichten und Underjord stattdessen ähnlich wie Oranssi Pazuzu, die sich ebenfalls dem sludgig-doomigen Untergrund Finnlands zuordnen lassen, nur kurze Ruhephasen innerhalb ihres Kontexts zulassen. Das Eröffnungsstück und "To death II" verpflichten sich ganz dem repetitiv hingerifften Groove, während "Dance of the dead" an die Großtaten von Opeth zu "Blackwater park"-Zeiten erinnert.

Obwohl mit beiden Beinen im Doom, erlauben sich die fünf Musiker einen großen Bruch, der "Sheol" dadurch zu einer heterogenen, fast zwiespältigen Platte macht: Abgetrennt von der schieren Wucht des eben Beschriebenen befinden sich auf "Sheol" zahlreiche ruhige Passagen. Längere Abschnitte, losgelöst von den sich ständig wiederholenden Riffs, wenden sich der Weltmusik und fernöstlichen Elementen zu, denen sich genauso Master Musicians Of Bukkake um Randall Dunn verschrieben haben, der ansonsten die Studio-Arbeit für Earth oder SunnO))) übernimmt, und auch die instrumentale Verschrobenheit von Grails scheint durch. Dann entfällt auch die Gitarre-Schlagzeug-Bass-Normalität zugunsten von dominierenden Blasinstrumenten wie im beruhigten Abschluss des "To death"-Dreigespanns oder des Horns zum Abschluss des Titelstücks. Letztlich ist ihnen mit diesem Album zwar kein radikal-innovatives Genre-Umdenken gelungen. Dennoch: Das Doom-Fundament wird musikalisch spannend erweitert, selbst wenn die Texte thematisch recht einseitig einsortiert werden können: in Doom und Totschlag!

(Henrik Beeke)

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Highlights

  • Book of the dead
  • To death II
  • Sheol

Tracklist

  1. Book of the dead
  2. Erebus
  3. Hunt of the death god
  4. To death I
  5. To death II
  6. To death III
  7. Sheol
  8. Dance of death
  9. Epilogue

Gesamtspielzeit: 45:56 min.

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Armin

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2014-09-03 21:01:42 Uhr
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