Robert Plant - Lullaby and ... the ceaseless roar

Robert Plant- Lullaby and ... the ceaseless roar

Nonesuch / Warner
VÖ: 05.09.2014

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Der Jukebox-Allergiker

Welch gigantischer Schatten: Als Led Zeppelin Ende Mai ihre ersten drei Alben digital gemastert wiederveröffentlichten, erinnerte sich die Musikwelt abermals an die enorme Wucht dieser Band. Obwohl das Material inzwischen 45 Jahre auf dem Tacho hat, hat es kaum an Wirkung verloren. Die Verkaufszahlen waren entsprechend gut: In Deutschland landeten alle drei Alben auf Anhieb in den Top 20. Das ist Robert Plant lange nicht mehr gelungen. Und es wird ihm auch mit "'Lullaby and … the ceaseless roar" gewiss nicht gelingen. Nicht weil das Album schlecht ist – das Gegenteil ist der Fall – einfach nur, weil Led Zeppelin nun einmal größer sind, als ihre Mitglieder einzeln es je sein könnten.

Plant scheint sich damit längst abgefunden zu haben. Statt sich mit seiner Vergangenheit zu messen oder ihr nachzutrauern, geht er lieber neue Wege. Er lebe schließlich nicht in einer Jukebox, sagte er jüngst dem "Rolling Stone". Auf der aktuellen Tour mit seiner großartigen Begleitband The Sensational Space Shifters spielte er folgerichtig zwar auch eine Handvoll Klassiker, verlieh ihnen aber einen akustischen Neuanstrich. Das gefiel auch den Alt-Fans. Zu den Highlights der Konzerte aber gerieten überraschenderweise die Songs vom neuen Album.

Es ist das vielleicht stärkste Soloalbum des Sängers. Das ist gleich in den ersten Takten zu ahnen. "Little Maggie" beginnt mit einem Beat aus dem Drumcomputer und einem Banjo. Dann kommt Plants Stimme und beschwört eine Magie herauf, die die gesamte Platte über geradezu greifbar ist. Alles hier hat einen doppelten Boden, ist hintergründig und vielschichtig. Aufgenommen wurden die elf Stücke, die der Frontmann auch eigenhändig produziert hat, in Peter Gabriels Real World Studio. Die Platte ist klar im Rock verwurzelt, öffnet sich hier und da aber auch der westafrikanischen Kultur. Die Musiker setzen Bendir, Djembé oder Kologi ein. "Country & Eastern" nennt Plant den Sound seiner Band. Das passt.

Dass der inzwischen 66-Jährige längst nicht mehr wie zu Led-Zeppelin-Zeiten singt, ist ein alter Hut. Seine Stimme ist samtener geworden, er setzt sie zudem kraftschonender ein, benutzt sie vielseitiger und ist gewiefter bei den leisen Tönen. Die neuen Stücke passen hervorragend dazu. Auf "Rainbow" zum Beispiel, der ersten Single-Auskopplung, singt Plant in träumersichem Falsett über den perkussiven Sound seiner Band, der hier stark an Bo Diddley erinnert. Im Refrain heult er gefühlvoll wie ein weiser Löwe. Es ist eines der Highlights dieser Platte.

Überraschend, wie vielseitig, spielfreudig, versiert und mutig sich die Band durch die verschiedensten Stile bewegt. "Embrace another fall" ist psychedelischer Afro-Pop, "Turn it up" schwitzt Blues-Club-Atmosphäre. "A stolen kiss" ist eine düstere Piano-Ballade mit Kontrabass und Plants stärkste Gesangleistung der gesamten Platte. Auf dem abschließenden "Arbadan" singt der 66-Jährige mit dem gambischen Musiker Juldeh Camara zusammen über einen nervösen Beatteppich. Es ist das große Finale eines großartigen Albums. Der Schatten seiner ersten Band ist nicht kleiner geworden. Plant ist aber immer noch geschmeidig genug, sich ihm hin und wieder zu entziehen. Gut so.

(Sebastian Meißner)

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Highlights

  • nbow
  • Embrace another fall
  • A stolen kiss

Tracklist

  1. Little Maggie
  2. Rainbow
  3. Pocketful of golden
  4. Embrace another fall
  5. Turn it up
  6. A stolen kiss
  7. Somebody there
  8. Poor Howard
  9. House of love
  10. Up on the hollow hill (understanding Arthur)
  11. Arbaden (Maggie's baby)

Gesamtspielzeit: 47:04 min.

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