Merchandise - After the end

Merchandise- After the end

4AD / Beggars / Indigo
VÖ: 22.08.2014

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Nach dem Rausch

Schon nach den ersten Sekunden des melancholisch-instrumentalen Openers "Corridor" ist klar: Merchandise machen auf "After the end", ihrem ersten Album auf 4AD, alles ein bisschen anders. Den Punk hinter sich zu lassen war nur allzu logisch, sagte doch selbst Sänger Carson Cox einst, dass wohl genau jene Punks ihre Musik hassen würden. Merchandise wurden auch nie die neuen Fugazi, wenngleich sie sich nach einem der bekanntesten Songs von deren Debüt "Repeater" benannt haben. Im Grunde, und das wird hier nur allzu deutlich, war die Band aus Florida offenbar immer auf der Suche, stets gewillt, ihren Sound noch zu finden. Nach einer Reihe eher unbemerkter Veröffentlichungen, zu denen 2012 auch das zumindest von etlichen Kritikern gefeierte Album "Children of desire" gehörte, scheinen Cox & Co. endlich angekommen zu sein. Und, 4AD sei Dank, kriegt das womöglich auch endlich der eine oder andere mit.

"After the end" ist tatsächlich ungleich poppiger als ihr bisheriger Output und weckt hier und da zahlreiche Erinnerungen an die 80er Jahre, ohne altbacken zu wirken – oder gar wie eine billige Kopie. So vermag "Enemy", der eigentliche Beginn des Albums, oberflächlich zumindest an den Rhythmus eines gewissen "(I can't get no) Satisfaction" der Rolling Stones erinnern, gräbt aber dann noch etwas tiefer und ähnelt in seiner vermeintlich romantischen Ausführung eher Morrissey und den Smiths. Dass es sich hier, der fröhlichen Melodie zum Trotz, eigentlich um eine Abrechnung mit Gegnern und Neidern handelt, bekommt der Hörer erst beim zweiten Hördurchgang mit: "If I'm your enemy / Then I'm keen to be your enemy." Selten wurde der Mittelfinger im Pop mit einem breiteren Grinsen entgegengestreckt. Das basslastige "Telephone" – natürlich mit echten Klingelgeräuschen am Anfang – eifert hingegen eher den Talking Heads nach und trumpft neben dem starken Refrain vor allem mit dem dynamischen Gitarrenspiel von David Vassalotti auf.

Das Album zeugt aber auch von Reife, vom Erwachsenwerden. Der Rausch der Vergangenheit ist vorbei, man steht gefestigt mit beiden Beinen auf dem Boden. Einen erneuten Wink zu den Smiths gibt es mit dem pompösen "Looking glass waltz", während das geradezu elektrisierend-schwärmerische "Green lady" sicherlich auch einigen The-Cure-Fans gefallen dürfte. Irgendwie steht es stellvertretend für alle zehn Stücke auf "After the end": Der Sound ist breiter, die Melodien bauen sich langsam auf, bis sie beinahe übermächtig wirken. Auch der tiefe Gesang von Cox kommt besser zur Geltung, als es bisher der Fall gewesen ist. Selbst wenn er sich an einer 2014er-Version von Bruce Springsteen versucht, wie im sphärischen "True monument" oder auch im etwas schnelleren "True killer", bleibt es immer noch Cox, bleiben es Merchandise, die hier trotz aller Reminiszenzen endlich ihren eigenen Sound gefunden haben. Dass sie auf dem märchenhaften Abschlusstrack "Exile and ego" auf den großen Ausbruch verzichten, spricht nur für sie und deutet das neue Selbstbewusstsein dieser Band an – mit der man nun endlich mal rechnen sollte.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • True monument
  • Green lady
  • Little killer
  • Exile and ego

Tracklist

  1. Corridor
  2. Enemy
  3. True monument
  4. Green lady
  5. Life outside the mirror
  6. Telephone
  7. Little killer
  8. Looking glass waltz
  9. After the end
  10. Exile and ego

Gesamtspielzeit: 44:48 min.

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Kevin

Postings: 673

Registriert seit 14.05.2013

2014-12-03 02:08:39 Uhr
Jetzt habe ich ein schlechtes Gewissen. Hatte noch überlegt aufs Konzert hier in München zu gehen, aber mich dann dagegen entschieden, weil ich eh schon den ganzen Tag unterwegs war und am Tag darauf an selber Stelle Owen Pallett zu Gesicht bekommen sollte.

Mir gefällt die neue Platte ja irgendwie schon, aber ein wirklicher Top-10-Anwärter war sie nie. Mal sehen, Top 20 sollte drin sein in der Endabrechnung.

saihttam

Postings: 1282

Registriert seit 15.06.2013

2014-12-03 01:51:29 Uhr
Leider haben sie die Songs nicht gespielt. :(
Es war aber trotzdem auch genug Altes dabei. Insgesamt hätte das Konzert aber auch noch länger sein dürfen. Sie haben nur eine knappe Stunde gespielt. Lag wahrscheinlich aber auch daran, dass viel zu wenig los war. Vielleicht gerade mal 25 Menschen! Was ist denn nur los mit euch, Leute??? Gibt es keinen, der sich für diese Band begeistern lässt?

saihttam

Postings: 1282

Registriert seit 15.06.2013

2014-11-28 02:37:12 Uhr
Das Album ist schon in Ordnung. Einige der langsameren Songs zünden weiterhin nicht und es fehlt einfach so etwas überweltigendes wie "Become What You Are" oder "Totale Nite". Ich hoffe sie spielen diese Songs beim Konzert am Samstag und nicht nur die neuen Sachen.

saihttam

Postings: 1282

Registriert seit 15.06.2013

2014-10-28 03:41:36 Uhr
Also ich bin auch etwas enttäuscht vom Album nach den tollen Vorgängern. Allerdings sehe ich es bei weitem nicht so dramatisch wie Pepe. Ich kann die Kritik am Album schon ansatzweise nachvollziehen. Auch mir fehlen bei den meisten Songs die Ecken und Kanten früherer Tage. Das plätschert teilweise ohne in dem gewohnten Maße mitzureißen. Ihnen deswegen jetzt aber Ausverkauf vorzuwerfen, finde ich überzogen. Ich denke sie wollten einfach ihre Songs in kompaktere und eben auch poppigere Strukturen packen, um sich auch mal von diesen langen, epischeren Songs fortzuentwickeln. Das ist ihnen vielleicht nicht vollends gelungen. Wie Coldplay klingen sie deshalb aber noch lange nicht.

Leatherface

Postings: 1628

Registriert seit 13.06.2013

2014-08-27 17:10:19 Uhr
Ziemlich toll. Die lebhaftere Komplementärplatte zur deutlich melancholischeren "Lost In The Dream".
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