Kerretta - Pirohia

Kerretta- Pirohia

Golden Antenna / Broken Silence
VÖ: 05.09.2014

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Die Neubekannten

"Ist das die Neue?" Wenn man von einer Person, mit der man so ziemlich alles teilt, aber manch- bis oftmals nicht unbedingt den Musikgeschmack, mit eben dieser Frage begrüßt wird, dann hat eine Band wohl ziemlich viel sehr richtig gemacht. Wiedererkennungswert – check. Ohrenaufreißen statt Begrüßungskuss – check. Zugleich kleinster und größter gemeinsamer Nenner – check. Seit nunmehr drei Langrillen erfüllen Neuseelands Kerretta genau diesen Anspruch – und zwar in einem Genre, das ansonsten vor Austauschbarem strotzt wie sonst nur der selbstbezügliche Hinweis in einem Plattentests.de-Einleitungsabsatz. Denn wir sagten es bereits zu "Vilayer" und "Saansilo", betonen es hier aber gerne noch einmal: Kerrettas instrumentales Atmo-Spiel zwischen Noise- und Post-Rock legt sich zu den Ursprungsgenres nie wirklich quer, dafür aber derart mächtig ins Zeug, dass das Ergebnis zu etwas sehr Eigenem wird.

Bei "Pirohia", Album Nummer drei, hat sich daran nichts geändert. Verschiebungen und kleinere Experimente finden statt, werden aber von dem reinen Volumen des Kerretta-Sounds schnell wieder eingefangen. Da kann dann für den Beginn von "Iron hail" ein lupenreines Sludge-Riff vor sich hin bollern, um in den nächsten Takten von Postrock-Melancholie zur Kuschelreife getaktet zu werden, bevor sich Kerretta in eine Komposition versteigen, die den jüngst aufgelösten Omega Massif ebenso gut zu Gesicht gestanden hätte wie den ewigen Genre-Großvätern Mogwai. Da kann auch zu "Kawea tātou ki ngā hiwi" erstmals (Māori-)Gesang all die musikalischen Höllenpforten zu Klagemauern abdichten – Kerrettas Bassfrequenzen klingen trotzdem, als hätte Ridley Scotts Alien/Prometheus-"Broooooomf" nicht nur höchstselbst ein Lied geschrieben, sondern dieses auch noch zu Zeitlupen-Dekaptitation in Szene gesetzt.

Selbst- oder gar geschichtsvergessen musizieren Kerretta bei all dem jedoch nie. Tickernde Krautrock-Gitarren dominieren gleich das eröffnende "Ossein trail", ein hervorragender Song, zu dem die Sechs- und Viersaiter zunächst sinfonische Betonungen setzen, bevor die Rhythmik dem Kraut-Ansatz folgt und ins puckernde Uptempo davonzieht. Das folgende "The roar" malt die Gitarren-Läufe noch am deutlichsten als trauerbesetzte Fixsterne an den Nachthimmel. Und "Sister come home" schiebt den überall auf "Pirohia" aufkeimenden Kopfnicker-Beatwillen mit Marimba-Kontern voran – bevor, wonach und wobei sich Kerretta beständig knietief ins Noise-Riffing bücken, versteht sich.

Sprich: Böse, doch immer wieder zuckersüß, bleiben Kerretta auch auf "Pirohia". Aber schmutzig werden sie zu keiner Sekunde. Die Frequenzen sind tief, kratzen aber nie. Und auch sonst ist diese Musik von Garage so weit entfernt wie Ridley Scott von einem Budget unterhalb der zehn Millionen. Stattdessen brummen, pochen, dängeln und dispergieren die Instrumente zum abschließenden "The last rivers" in kompaktester Godspeed-You!-Black-Emperor-Manier. Doch weil auch das eben derart kompakt geschieht, ist das hier einfach nur ... "die Neue" – ein gemeinsamer Nenner, dessen Zähler schon längst Atempause hat.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • Ossein trail
  • Iron hail
  • Kawea tātou ki ngā hiwi

Tracklist

  1. Ossein trail
  2. The roar
  3. Warnlands
  4. His streets of honey, her mouth of gold
  5. Iron hail
  6. Kawea tātou ki ngā hiwi
  7. Sister come home
  8. The last rivers

Gesamtspielzeit: 43:19 min.

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Armin

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2014-08-27 00:30:31 Uhr
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