Death From Above 1979 - The physical world

Death From Above 1979- The physical world

Caroline / Universal
VÖ: 05.09.2014

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Gar kein Sex mehr?

0,368(n-p)+p. So soll sie lauten, die Formel für die Liebe, wenn man denn einem Mathematiker Glauben schenken möchte. Zugegeben, der gute Mann hat in Wahrheit die Formel für das ideale Heiratsalter aufgestellt, aber was wäre eine Heirat ohne Liebe? Für die beiden Kanadier Sebastien Grainger und Jesse F. Keeler von Death From Above 1979 gilt dieser Grundsatz natürlich nicht. Deren Album "You're a woman, I'm a machine" aus dem Jahr 2005 schwitzte und triefte vor Sex und lüsterner Erotik, verpackt in knallharten und dennoch aus mysteriöse Weise melodischen Elektropunk, der es schaffte, das musikalische Jahr aus den Angeln zu heben. Da war nicht viel mit Treue auf Ewigkeit. So viel Krach und Sex in hochtourigen 35 Minuten hatte die Welt noch nicht gehört.

Und nun, neun lange Jahre später, schicken sich die beiden an, dieses kleine Kunststück zu wiederholen. Allerdings scheitert ein erneut ganz großer Wurf an der Erfolgsformel. Einerseits hat sich musikalisch nämlich gar nicht so viel getan seit "You're a woman, I'm a machine". Keeler und Grainger drücken wie gewohnt aufs Gaspedal, verzerren den Bass bis zum Anschlag, sind dabei verführerisch tanzbar und schmeißen mit erinnerungswürdigen Hooks nur so um sich. Andererseits aber geht "The physical world" trotz des Titels diese schwitzende, dreckige Sexyness, dieses seltsam Soulige des Debüts ab. Früher war mehr Sex.

Wir rekapitulieren kurz: Aufgrund von kreativen Differenzen über den weiteren Weg der Band lösten sich Death From Above 1979 Mitte 2006 vorübergehend auf. Und worin auch immer diese kreativen Differenzen genau bestanden haben – nun lässt sich viel besser einordnen, warum "The physical world" so verdammt nach "You're a woman, I'm a machine" duftet. Hier treffen sich zwei findige Köpfe, handeln ihre musikalischen Schnittmengen aus und am Ende steht dieses zweite Album. Es ist also überhaupt kein Wunder oder gar eine Überraschung, dass diese Platte so klingt, wie sie klingt. Das Ergebnis ist lediglich ein Konsens zwischen Keeler und Grainger.

Warum also "The physical world" hören und nicht gleich das Debüt? Ganz einfach: weil es auch im Jahr 2014 keine Band gibt, die Death From Above 1979 adäquat das Wasser reichen könnte. Auch nicht die guten DZ Deathrays, die kürzlich mit "Black rat" aufhorchen ließen. Diese Energie, Wucht und Tanzbarkeit gibt es nur hier. Und weil die beiden Kanadier mittlerweile gelernt haben, dass sie auch einen wunderbaren Song wie "White is red" raushauen können, obwohl sie das Tempo gedrosselt haben. Allerdings könnten Keeler und Grainger ihre Formel mal wieder auf Stichhaltigkeit überprüfen. Denn ein drittes Album dieser Bauart in rund zehn Jahren wird wohl niemand mehr brauchen. Bis dahin bitte weitervögeln auf der Tanzfläche.

(Kai Wehmeier)

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Highlights

  • Cheap talk
  • Government trash

Tracklist

  1. Cheap talk
  2. Right on, Frankenstein!
  3. Virgins
  4. Always on
  5. Crystal ball
  6. White is red
  7. Trainwreck 1979
  8. Nothin' left
  9. Government trash
  10. Gemini
  11. The physical world

Gesamtspielzeit: 35:50 min.

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Schneckenhengst

Postings: 208

Registriert seit 06.05.2014

2014-10-08 17:49:00 Uhr
miserabel abgemischt, zu laut, ein sich selbst abfeierndes publikum (zu einiges davon kann die band nix, ich weiss) aber vor allem sind alle songs einfach nur runtergeprügelt worden.

bei 75 min spielzeit und meiner erwartungshaltung dann "ernüchternd".

boneless

Postings: 1862

Registriert seit 13.05.2014

2014-10-08 17:08:33 Uhr
etwas mehr details wären wünschenswert.

Schneckenhengst

Postings: 208

Registriert seit 06.05.2014

2014-10-08 07:53:18 Uhr
live dann doch etwas ernüchternd...

Walenta

Postings: 271

Registriert seit 14.06.2013

2014-09-11 21:53:42 Uhr
"Ein Halbsteifer von einem Album."

--> perfekter kann mans nicht treffen. :-D

Clown_im_OP

Postings: 233

Registriert seit 13.06.2013

2014-09-11 20:59:28 Uhr
Ist ja schon ganz nett, föhnt aber lange nicht so wie das Debut. Ein Halbsteifer von einem Album.
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