Coves - Soft Friday

Coves- Soft Friday

Nettwerk / Soulfood
VÖ: 05.09.2014

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Soft Friday, I'm in love

"Schein oder nicht Schein?", das ist hier die Frage. Licht aus! Wer an die ewige Wiederkehr von Phänomenen und Ereignissen glaubt und es für großartig erachtet, dass musikalische Stile in der Popmusik alle paar Jahrzehnte wiederkehren, kann mit dem Debütalbum von Coves, "Soft Friday", erstklassigen Geschichtsunterricht in psychedelischer und nebelgetränkter Gitarrenmusik erhalten. Alle anderen seien wachsam und sollten sich die Pille auch geben! Es fühlt sich an, als ob man zwischen den Zeiten erdrückt wird. Vergangenheit und Zukunft, Reales und Irreales, The Jesus And Mary Chain und The White Stripes fallen hier zusammen und strahlen ein verschwommenes Licht aus. Dabei ist der musikalische Hintergrund und die Biographie hinter dem Duo aus Leamington Spa mehr als nur banal: Liebe und mittelenglische Tristesse.

Beck Wood trifft nach einer gescheiterten Beziehung auf John Ridgard. Sie machen in einem leerstehenden Bürogebäude - einst Ort der ersten Billardhalle Großbritanniens - Musik und Partys. Das sind bei Coves die recht einfachen trostlosen Rahmenbedingungen, wie sie so ähnlich schon einige britische Bands so kreativ gemacht haben. Man muss da nicht gleich in Euphorie ausbrechen, kann man aber: Mutig traut sich das Duo an die gesamte britische Musikhistorie und sammelt darüber hinaus alles ein, was nicht niet- und nagelfest ist: Woods Vocals erinnern an Nico und sind meist mit Kinks-artiger Melodieseligkeit untermalt. Die Band peitscht mit minimalem Aufwand – Gitarren, Schlagzeug und Piano – die einzelnen Songs teils in klassischer Shoegazemanier vor sich her, wenn das Vorne das neue Unten ist.

Am nächsten kommt die Band ihren Heroen in "Honeybee", das eindeutig "Just like honey" von The Jesus And Mary Chain zum Vorbild nimmt und nahezu an dieses Wunderwerk heranreicht, die Zeit kehrt wieder, in der diese basale Wucht Wirkung zeigen wird. Das gilt ebenfalls für das herausragende, spacerockige "Cast a shadow". Coves werfen ihre Schatten voraus; Schatten als stil-, sinn- und strukturbildendes Element: eingängig, ästhetisch und repetitiv ohne Rücksicht auf Verluste. Die Energie strömt in alle Richtungen aus. Sie wird über die gesamten knapp 40 Minuten kaum zurückgefahren.

Alles steuert danach letztlich auf das hämmernde Final "Wake up" zu: "I need you to wake up" wird zum apokalyptischen Slogan gesteigert und in Endlosschleife gegen die Bürogebäudemauern gesteuert. Danach wird es still, objektiv ganz still, die große Party ist aus, doch das Dröhnen hält und hallt nach. Die Musikgeschichte ist nun endgültig auserzählt, selbstredend vorerst und nur für Coves. Hier scheint nichts mehr am Ende zu sein, alles bloß schiere Illusion. Und der Letzte knipst das Licht wieder an.

(Carsten Rehbein)

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Highlights

  • Honeybee
  • Cast a shadow
  • Wake up

Tracklist

  1. Fall out of love
  2. Honeybee
  3. Beatings
  4. Last desire
  5. Let the sun go
  6. No ladder
  7. Cast a shadow
  8. Fool for your face
  9. Bad kick to the heart
  10. Wake up

Gesamtspielzeit: 39:11 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Desare
2014-12-04 06:14:35 Uhr
Brüste fasse ich grundsätzlich nicht an.

Desare Nezitic

Postings: 5406

Registriert seit 13.06.2013

2014-12-04 05:36:07 Uhr
Coves könnten schon ein wenig mehr Aufmerksamkeit bekommen...

Finde ich auch. Das Album sehe ich auf einer guten 7.6, Potential ist vorhanden.

kingsuede

Postings: 893

Registriert seit 15.05.2013

2014-12-03 19:16:46 Uhr
Kann ich nur zustimmen, das erste Kasabian-Album war ja noch gut. Coves könnten schon ein wenig mehr Aufmerksamkeit bekommen...
yadias
2014-12-03 18:28:08 Uhr
Der Sound von Cast a Shadow könnte auch von Kasabian stammen - zumindest als sie noch gut waren...
yadias
2014-12-03 18:22:06 Uhr
Starkes Album!
Psychedelischer 60s-Vibe Marke The Velvet Underground trifft dunkle 80s-Dröhnung a la Spacemen 3 und The Jesus and the Mary Chain.
Über allem thront der himmlische Gesang.

Ich bin erschüttert, dass das hier sonst noch keiner gewürdigt hat.

Anspieltipps: Wake Up, Beatings, Fall Out of Love, Cast a Shadow

http://vimeo.com/99162880
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