Zoot Woman - Star climbing

Zoot Woman- Star climbing

Embassy One / Warner
VÖ: 29.08.2014

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Sieg der Sterne?

Schnauze voll vom eigenen Einheitsbrei, so mag man Johnny Blakes Haltung zum neuen Zoot-Woman-Album verstehen. Offensichtlich war der schwermütige Synthi-Pop der 1980er Jahre nicht mehr gut genug für den Selbstbedienungsladen der knauserigen Briten. Und höre da, "Star climbing" überrascht durchaus mit neuer Leichtigkeit, mit einer ungebremsten Lebensfreude – ausgerechnet in diesen Tagen, wo es leider wieder einmal tüchtig in manchen Ecken der Welt rumort und brennt. Doch genau so, wie der börsendotierte Unternehmer Konflikte und Zerstörung braucht, um seine Geschäfte anzukurbeln, schien die friedliche Revolution im Hause Price und Co. vermutlich nötig, um sich nicht weiter an den altbekannten Götzen zu berauschen und damit schlimmstenfalls zu langweilen. Obwohl der übersichtliche Output des Trios eigentlich noch nie wirklich von diesem Übel bedroht war und es sich vielmehr um eine einvernehmliche Weiterentwicklung handelt.

Zoot Woman sind nämlich keineswegs von ihrem bisherigen Weg abgekommen. "Real real love" klingt wie die kleine elektronische Schwester von "Taken it all", und die als bizarre Hochzeit zwischen LCD Soundsysten und Underworld getarnte Vorab-Single "Don't tear yourself apart" galoppiert ähnlich zuverlässig aus den Startboxen, wie es schon das deutlich technoidere "Things are what they used to be" vor fünf Jahren getan hat. Der bisherige Hang zu Moll-Akkorden mag Geschichte sein, ihre grundsätzliche Vorliebe für künstlich erzeugte Klänge ist es jedoch nicht. Ähnlich wie die dänischen Kollegen von WhoMadeWho zu Beginn diesen Jahres suchen Price und die Gebrüder Blake ihr Heil bei den großen Momenten der Populärmusik bis um die Jahrtausendwende, bleiben dabei allerdings oberflächlicher und weniger einfühlsam. Ihr gewünschtes Happy End scheint noch an sich selbst zu zweifeln.

Trotz alledem ist "Star climbing" ein sehr gutes Album geworden, das wundermilde Ablenkung verschafft und Mut in schweren Zeiten macht. "Coming up for air" jubiliert auf aufputschendste Art und Weise, wie sie sich Orchestral Manoeuvres In The Dark auf manchem Spätwerk sicherlich allzu gerne gewünscht hätten. "Nothing in the world", aus ähnlichem Kunststoff geschnitzt, gibt eine Ahnung davon, wie einstige Teenager-Träumereien der Marke A Flock Of Seagulls oder Real Life heute klingen könnten. Und "Rock & roll symphony" erinnert taktweise sogar an ein frisiertes Elektro-Moped Marke Erdmöbel, Epoche "Altes Gasthaus Love", während "Waterfall into the fire" zum krönenden Abschluss mit eindringlichem Vocoder-Einsatz brilliert.

Der Albumtitel bezweckt einen Blick über den eigenen Tellerrand, der Zoot Woman zweifellos gelungen ist und dennoch überschaubar bleibt. Ob sie mit dieser Platte daher tatsächlich nach den Sternen greifen können, bleibt angesichts eines völlig verkorksten Musikmarktes abzuwarten. Als Pyrrussieg taugt "Star climbing" hingegen nicht, denn die treuen Fans der Band werden nirgends willentlich vergrätzt. Das Forums-Imperium muss folglich auch nicht zurückschlagen. Womit das Happy End zugleich aller Zweifel entledigt wäre. Tolle Sache, das.

(Andreas Knöß)

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Highlights

  • Coming up for air
  • Nothing in the world
  • Waterfall into the fire

Tracklist

  1. Don't tear yourself apart
  2. Silhouette
  3. Coming up for air
  4. Nothing in the world
  5. Rock & roll symphony
  6. Chemistry
  7. The stars are bright
  8. Real real love
  9. Lifeline
  10. Elusive
  11. Waterfall into the fire

Gesamtspielzeit: 44:05 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Bei KCRW...
2014-08-26 09:42:58 Uhr
...kann man probehören:
http://www.kcrw.com/music/shows/album-preview/zoot-woman-star-climbing

So schlecht wie meine Vorposter finde ich's beim ersten hören nicht - man sollte aber definitiv keine Pop-Allergie haben. Mal schauen wie's sich entwickelt.
helpme
2014-08-25 16:26:56 Uhr
Leider wie so oft mit Bands welche sich der elektronisachen Musik verschrieben haben:
Tolles erstes Ablum welches auf einer (Mode)Welle reitet, wenn aber der Hype abfällt bleibt nicht mehr viel übrig.

Nicht falsch verstehen: Würde mir ´sehr wünschen die anderen Alben auch zu lieben, aber 2/10 hat leider recht. Nach den ersten beiden Alben war und ist die Luft raus.
Schade
2/10
2014-08-25 11:38:21 Uhr
Unterer Durchschnitt, langweilig. Die ersten beiden Alben waren gut, danach war die Luft raus.

musie

Postings: 2491

Registriert seit 14.06.2013

2014-08-25 10:03:00 Uhr
sehr gute rezi! freue mich auf die platte.
xenon
2014-08-18 18:56:07 Uhr
Gemessen an dem bisherigen Output von Zoot Woman ist das neue Album eine mittlere Katastrophe. Der neue Sound, der wohl moderner klingen soll, ist sowas von überspielt und schon wieder egal, das ringt einem nicht mal mehr ein Gähnen ab. Wie man diese Platte sehr gut finden kann ist mir ein absolutes Rätsel.
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