Lonely The Brave - The day's war

Lonely The Brave- The day's war

Columbia / Sony
VÖ: 29.08.2014

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Dämonisch gut

Für alle, die noch nicht die Ehre hatten, das Innere unseres vollverglasten Büro-Komplexes am Isarufer zu betreten, hier eine kurze Beschreibung des Konferenzraumes: In der Ecke steht ein Automat, der einst der Bahnhofsmission gehörte und nun die Redaktionsmitglieder mit Filterkaffee, Teer (sic!) oder Melonenschnaps versorgt. Auf dem Tisch stapeln sich die Korrespondenzen mit Band-Vertretern: Wütende Mails von Managern liegen da, doch eben auch Blumensträuße und Pilzrahmsuppen-Tüten von denen, die bei uns gut wegkamen. Und an der Wand, da hängt zwischen allerlei Metal-Postern eine stilisierte Darstellung des großen Erzfeindes. Es ist der Hype, auf unserem zeitgenössischen Siebdruck als feuerspeiender Dämon dargestellt, dem ein Plattentests-Redakteur einen Dreizack durch den Körper rammt. Etwas übertrieben, aber so wollte es der Chef. Jedem Mitarbeiter soll in der deutlichsten Form vermittelt werden, dass wir lieber zweimal zu oft hinhören, wenn alle anderen vor Begeisterung die Fassung verlieren.

Also bekam auch das Debütalbum von Lonely The Brave die Sonderbehandlung. Denn im Vereinigten Königreich wird um die Fünfercombo aus Cambridge gerade genügend Wind gemacht, um damit einen ganze Offshore-Park betreiben zu können. Einige mitreißende Gigs im Vorprogramm etablierter Künstler und ein in Eigenregie aufgenommenes Album genügten, um Lonely The Brave zum "Next big thing" in Großbritannien werden zu lassen. Nach einem bemerkenswerten Aufstieg erscheint "The day's war" nun bei einem Majorlabel. Beim zuständigen Plattentests.de-Redakteur schrillen indes sämtliche Hype-Alarmglocken. Jetzt nur nicht mitreißen lassen – Dämon, Dreizack und so, Ihr wisst schon.

Nur: Das ist verdammt schwer. Denn "The day's war" ist in der Tat ein Album, das den von der britischen Presse bemühten Vergleichen zu Pearl Jam und den frühen Radiohead standhält. Was nicht nur daran liegt, dass David Jakes' Gesang wie eine Mischung aus Eddie Vedder und Gavin Rossdale klingt. Nein, es sind vor allem die atmosphärisch dichten Songs, die überzeugen. Sei es das treibende "Trick of the light", die majestätische Hymne "Backroads", das getragene, düstere "Dinosaur" oder das sich an sich selbst aufputschende "Call of horses": Bei Lonely The Brave ist alles genau durchdacht und gekonnt arrangiert. Gitarren und Gesang fügen sich stimmig zusammen, anstatt nebeneinander her zu lärmen, während die Rhythmussektion sich selbst in den lautesten Momenten in den Dienst des Songs stellt.

Was soll man also an diesem starken Alternative-Album ohne Ausrutscher nach unten, was soll man an dynamischen Rock-Brettern wie "Victory line" aussetzen? Wenn nichts schiefgeht, sind Lonely The Brave in der Tat zu Großem bestimmt. Gelingen ihnen auf Albumlänge noch ein paar weitere Hits der Güteklasse von "Backroads", dann steht auch einer höheren Wertung bei Plattentests.de nichts mehr im Wege. Und damit dem Einzug in die Ahnengalerie der Rock-Götter, deren Porträts im Stil mittelalterlicher Könige den zweiten Konferenzraum bei uns im Hause zieren. Aber davon erzähle ich ein anderes mal.

(Mark Read)

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Highlights

  • Trick of the light
  • Backroads
  • Dinosaurs
  • Victory line

Tracklist

  1. Intro
  2. Trick of the light
  3. Backroads
  4. Islands
  5. Dinosaurs
  6. Deserter
  7. Untitled
  8. Kings of the mountain
  9. Victory line
  10. Black saucers
  11. The blue, the green
  12. The day's war
  13. Call of horses
  14. Outro

Gesamtspielzeit: 47:27 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Olaf
2017-01-18 09:39:45 Uhr
Das neue Album von Lonely The Brave, "Things Will Matter", verdient durchaus Beachtung. Anders als "The Day's War" ist es nicht so mit Hits gespickt, dafür in seiner Gänze mit einer Dichtheit ausgestattet, die einem nach mehrmaligem Anhören komplett den Boden unter den Füßen wegzieht.
Schnibrö auf der Suche nach seinem Login
2015-02-06 14:07:47 Uhr
Doch, das kann schon was, wenn man Alternative Rock mag. Ein bisserl zu brav und die PJ-Referenz kann auch ich nicht ganz nachvollziehen, aber nette Platte. Die 7/10 trifft's ganz gut - und ich trau denen in Zukunft durchaus noch ne Steigerung zu.

floesn

Postings: 158

Registriert seit 14.06.2013

2014-09-08 12:21:58 Uhr
7/10 geht klar, behaupte ich mal.

floesn

Postings: 158

Registriert seit 14.06.2013

2014-09-08 12:21:17 Uhr
Schönes Album. Keine großen Sprünge, aber lässt sich toll durchhören. Ich weiß nicht, ob ich als erste Referenz Pearl Jam wählen würde. Obwohl ich kein großer PJ Hörer bin, würde ich behaupten, dass sie songmäßig nicht sooo viel gemein haben. Andererseits käme mir keine andere Referenz in den Sinn.
Hansjürg
2014-09-01 20:16:44 Uhr
Starkes Album - gestern in Bern in einer kleinen Bar mit etwa 50 Leuten live gesehen...da kommt echt was grosses auf uns zu!
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