JJ - V

JJ- V

Secretly Canadian / Cargo
VÖ: 15.08.2014

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Schwere(s)los

Der Hype ist tot, lang lebe der Hype. 2010 ließen sich noch alle Trendbewussten die sanften Beats von JJ und Co. auf die Ohrmuschel tätowieren, nur um sich kurz darauf selbige von Wolves In The Throne Room und Deafheaven endgültig abtrennen zu lassen. Der Trend ist eben kein dauerhafter Friend, sondern eher ein flüchtiger Bekannter. Dass JJ erst jetzt, vier Jahre nach dem letzten Album, wieder auf dem Radar erscheinen, ist kommerziell vielleicht unklug, aber letzten Endes auch egal, denn heute kräht ja ohnehin kein Hahn mehr nach Chillwave und Balearic-Pop. Im Fußball würde man jetzt sagen, die Schweden könnten endlich befreit aufspielen, da die Erwartungshaltungen eh nicht all zu hoch sind. Die Tatsache, dass Joakim Benon und Elin Kastlander, die beiden Künstler hinter dem minimalistischen Bandnamen, dann doch wieder eher schwermütig klingen, ist vielleicht mit ihrer grundmelancholischen Doppelhelix zu erklären, die nur wenig Euphorie erlaubt. Sei's drum.

Die neue Platte der beiden sehnsuchtsvoll Leidenden trägt den Titel "V", wobei sie hiermit ihre eigene Nomenklatur fortsetzen. Auch ihrem Sound bleiben die Schweden treu, vertrauen auf das bewährte Chiaroscuro aus sanften, verträumten Club-Beats und nachdenklichen Texten, mit denen sie meist in die Ferne schweifen und dabei oftmals schwerelos über den Dingen schweben. Im Vergleich zu den Vorgängern agieren JJ auf "V" jedoch manches Mal etwas farblos, der Mut zum Sample-Experiment geht ihnen genauso ab, wie die einst so starke atmosphärische Verdichtung. Dadurch wirkt das vorliegende Werk doch deutlich weniger dringlich, auch wenn JJ ihre emotionalen Grabenkämpfe immer noch mit dem nötigen Maß an Nachdruck in fluffige Dreiminüter verpacken. Die Intensität ist letztlich noch spürbar, aber eine Gänsehautentzündung muss keiner mehr befürchten.

Ist "V" also eine Enttäuschung? Mitnichten. Immer wieder schaffen es JJ, seidenweiche Momente der Verklärung in herrlichen Softpop zu gießen, wobei sie genau dann am besten sind, wenn sie so lange in den zwischenmenschlichen Abgrund schauen, bis der Abgrund zurückschaut. Dies gelingt Benon und Kastlander vor allem im enigmatischen "All white everything", für das sie den Fokus auf das perkussive Element in ihrer Musik legen. Von Ecken und Kanten kann man im Kontext dieser beiden Künstler wohl kaum sprechen, aber etwas mehr Druck und Dynamik hätte auch den anderen Kompositionen gut zu Gesicht gestanden. Als ein weiteres Highlight muss das abschließende "All ways, always" bezeichnet werden, das mit einer klassischen Rock-Gitarre amerikanischer Prägung beginnt und dem Sound-Spektrum des Duos folglich eine weitere Facette hinzufügt. Später kommen noch die archetypischen Steeldrums hinzu und perfektionieren den hier zur Schau gestellten Eklektizismus. Ein Weg, den JJ künftig gerne weiter gehen dürfen. Auch abseits jeglichen Hypes.

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • All white everything
  • All ways, always

Tracklist

  1. V
  2. Dynasti
  3. Dean & me
  4. All white everything
  5. When I need you
  6. Fågelsången
  7. Full
  8. Innerlight
  9. Hold me
  10. I
  11. Be here now
  12. All ways, always

Gesamtspielzeit: 44:23 min.

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Armin

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2014-08-09 17:28:16 Uhr
Frisch rezensiert! Meinungen?
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