The Raveonettes - Pe'ahi

The Raveonettes- Pe'ahi

Beat Dies / Al!ve
VÖ: 25.07.2014

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Aufgetaucht

Man kann es gewiss als eine große Überraschung bezeichnen, dieses siebte Studioalbum des dänischen Duos The Raveonettes. Bisher war weder wirklich bekannt, dass Sune Rose Wagner und Sharin Foo an einem Nachfolger zum 2012er Werk "Observator" arbeiten, noch hatte man als Fan besonders viel Zeit, sich auf die Veröffentlichung vorzubereiten. Tatsächlich ging die offizielle Pressemitteilung erst einen Tag vor dem Erscheinen raus, womit klar sein dürfte, dass sich Wagner und Foo dem sonst üblichen Promotionsablauf verweigern – es soll nicht die einzige Neuerung rund um "Pe'ahi" bleiben.

Das Album, das seinen Namen einem kleinen Surfparadies nördlich der hawaiianischen Stadt Maui verdankt, und dessen Hintergrundgeschichte ist in der Tat eine eher traurige: Als im Jahr 2013 Wagners Vater plötzlich stirbt, flüchtet das Duo vor der Traurigkeit nach Kalifornien, um dort direkt am Strand die Planung für die nächsten Aufnahmen zu beginnen. Als Produzenten verpflichten sie Justin Meldal-Johnsen, der unter anderem auch schon bei M83s "Hurry up, we're dreaming" an den Reglern saß. Der Sound ist deutlich breiter und raffinierter als noch auf den Vorgängern, textlich hingegen geht es bei The Raveonettes wie gewohnt in die Tiefe. So wird natürlich der Tod von Wagner Senior thematisiert: Dass Vater und Sohn zu Lebzeiten nicht unbedingt das beste Verhältnis hatten, macht "Kill!" überdeutlich. Stakkatoartig und elektronischer, als man es von der Band bisher gewohnt war, singt Foo beinahe unschuldig die Zeilen "One time I saw my dad fuck a redhead whore / I never ever thought I would", während im Hintergrund verzerrte Störgeräusche zum immer stärker werdenden Unbehagen beitragen.

Der Opener "Endless sleeper" erwähnt hingegen Wagners eigene Nahtod-Erfahrung. Mopst der Song zumindest das Intro noch vom Doors'schen Überhit "Break on through (to the other side)", steigert er sich immer weiter zu einer noisigen Hymne, in der risikofreudige Abenteuerlust und das Horrorszenario vom Ertrinken Hand in Hand zu gehen scheinen. Sechs Jahre nach Wagners Surfunfall scheint er in seinem Beinahe-Untergang auch etwas Positives zu sehen – eine Form von Freiheit und Lebenslust, die man ihm angesichts seiner bekannten Probleme mit Depressionen nur wünschen kann. Vielleicht ist das auch einer der Gründe, warum sich The Raveonettes auf "Pe'ahi" an bisher für sie neue Gebiete herantrauen. Die Harfe und den Chor von "Sisters" zumindest hat man so von ihnen bisher noch nicht gehört, und während einem bewusst wird, wie gut das durchgedrückte Distortionpedal der Gitarre dazu passt, fragt man sich: Warum eigentlich nicht?

Mindestens gewagt ist auch der melancholische West-Coast-Pop von "The rains of May", das laut Wagner ein Song für alle Hörer mit gebrochenem Herzen ist und dementsprechend immer wieder an Geschwindigkeit zu- und wieder abnimmt, als durchliefe es verschiedene Phasen. Das euphorische "Z-boys" jedoch rennt einfach ungestüm durch seine meterdicken Gitarrenwände, um ans Ziel zu kommen, während das düstere "Wake me up" sich Schritt für Schritt durch eine zähe Masse vorarbeiten muss, die durch die von Komponist Joseph Trapanese (Daft Punk, M83) arrangierten Streicher kaum leichter wirkt. Explosiv und stromgeladen gibt sich derweil "When night is almost done", das einer gewissen Emily Dickinson gewidmet ist und zwar für ein Donnerwetter sorgt, dabei jedoch vollkommen ohne Schlagzeug auskommt. Einen emotionalen Abschied, nicht nur vom Album, sondern vor allem vom verstorbenen Vater, gibt es mit "Summer ends", das in seiner zweiten Hälfte so chaotisch wie versöhnlich klingt, als wolle der 40-jährige Wagner die Vergangenheit wegspülen wollen, um endgültig befreit von alten Fesseln zu sein. Ein über 130 Jahre altes Gedicht der eben erwähnten Dickinson scheint hier durchaus passend:

"Love is anterior to life / Posterior to death / Initial of creation / And the exponent of breath."

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Endless sleeper
  • Z-boys
  • When night is almost done
  • Summer ends

Tracklist

  1. Endless sleeper
  2. Sisters
  3. Killer in the streets
  4. Wake me up
  5. Z-boys
  6. A hell below
  7. The rains of May
  8. Kill!
  9. When night is almost done
  10. Summer ends

Gesamtspielzeit: 36:21 min.

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