Cloud Boat - Model of you

Cloud Boat- Model of you

Apollo / R&S / Al!ve
VÖ: 18.07.2014

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Diesige Dämpfe

Ein wenig fühlt man sich beim Hören von "Model of you" in den schulzeitlichen Chemieunterrricht versetzt. Nein, hier soll es nicht um ein knochentrockenes Album mit hier und da ein paar Knalleffekten gehen, die trotzdem niemanden vom Schlafen in der letzten Reihe abhalten. Viel mehr erinnert der zweite Cloud-Boat-Streich an die Gase aus der Sicherheitsbelehrung, die als schwerer als Luft beschrieben wurden, daher zu Boden sinken und sich fortan kriechend in alle Räumlichkeiten ausbreiten, um giftig und ätzend mit ihrer Umwelt zu reagieren. Schädlich ist "Model of you" nun keineswegs, aber die bedenklich schweren Dämpfe, die diesig den Laborboden bedecken, bieten eine passende gedankliche Kulisse zum Album.

So wie sich die Gitarrenschichten vorerst schwungvoll aufstapeln, hat man dabei in den ersten zwei Minuten "Prelude" noch das Gefühl, hier könnte fortan auch eine sanfte Math-Rock-Platte eingeleitet werden. Mit dem Rest des Albums ist indes aber einzig gemein, dass Tom Clarks Stimme nur langsam verständliche Konturen annimmt und das Schlagzeugpattern vor sich her zu treiben weiß. Letzteres greift im Anschluss auch uhrwerkgleich und mit pointiert viermaligen Schlagen im durchaus poppig angesetzten "Hideaway" gewinnend ein.

Insgesamt ist die Produktion von "Model of you", als direktem Nachfolger des gerade einjährigen "Book of hours", weniger intim, dafür aber ausladender und vielseitiger. Clark und sein Mitstreiter Sam Ricketts balancieren dabei die gewohnte, bisweilen bedrückende Kühle immer öfter mit Theatralik aus, die ebenfalls in Clarks Gesang zu stecken scheint. Dabei benötigt dieser Dualismus immer auch etwas mehr Zeit, um sich in Gänze zu entfalten. So bildet "Hallow" mit seinen mehr als sieben Minuten Spielzeit das gelungenste Gleichgewicht der beiden Pole, nicht ohne dieses in einem aufgewühlten, bedrohlich stampfenden Mittelteil zu erstreiten. Und auch die beiden anderen Highlights überschreiten die Längen der restlichen Tracks signifikant. "Thoughts in mine" schafft dies mit Unterstützung einer E-Harfe, die den Track vorsichtig streichelt, während "The glow" den Hörer im Kerzenschein in Richtung eines diffusen Ausgangs treibt.

Ein bisschen mehr Zeit zur Reifung des eigenen Sounds hätte Cloud Boat auf ihrem Zweitlingsalbum eventuell noch besser getan. Aber auch so können wir das gemeinsame Grübeln von Clark und seinem lyrischen Ich in "Aurelia" beenden: "I'm wondering if I should dive in". Die nähere Auseinandersetzung mit "Model of you" können wir sowieso getrost empfehlen. Von einem intensiven Reinschnuppern bei Brom, Chlor und den anderen krauchenden Gasen raten wir, auch nach Konsultation des Plattentests.de-Feuerschutz- und Sicherheitsbeauftragten, allerdings mit Nachdruck ab!

(Andreas Menzel)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • The glow
  • Thoughts in mine
  • Hallow

Tracklist

  1. Prelude
  2. Hideaway
  3. Carmine
  4. Portraits of eyes
  5. Bricks are for
  6. The glow
  7. Golden lights
  8. Aurelia
  9. Thoughts in mine
  10. Told you
  11. All of my years
  12. Hallow

Gesamtspielzeit: 46:04 min.

Album/Rezension im Forum kommentieren (auch ohne Anmeldung möglich)

Einmal am Tag per Mail benachrichtigt werden über neue Beiträge in diesem Thread
Dein Name:
Deine Nachricht:
Forums-Thread ausklappen
(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Steff
2014-08-04 15:17:57 Uhr
Ich bin ja oft begeisterungsfähig, auch bzw gerade bei den ruhigeren Platten ... cloudboat ist mal definitiv kool ... wer ist jetzt aber Ernie? Club Chantal ist ja ne top location ... immer wieder.
Ernie
2014-08-04 12:07:14 Uhr
Hey Steff, du bist ja doch noch begeisterungsfähig, da bin ich ja beruhigt. Wir sehen uns dann im Club Chantal?
mfg
Ernie aka Sxxxx
Steff
2014-08-04 11:19:09 Uhr
Großartige Band, tolles neues Album. Nach dem grandiosen ersten Album und dem Termin für das 2. Album quasi im Hochsommer war ich im ersten Moment nicht sooo gespannt, trotzdem gekauft und der positive Effekt umso höher, hat was, kann was ...Highlight!
Von Ski
2014-08-04 09:15:22 Uhr
Heiliger Hippes, geht das ab!
musik
2014-08-04 00:35:05 Uhr
Klasse Album
Zum kompletten Thread

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum du diesen Post melden möchtest.

Weitere Rezensionen im Plattentests.de-Archiv

Threads im Plattentests.de-Forum