Angus & Julia Stone - Angus & Julia Stone

Angus & Julia Stone- Angus & Julia Stone

Vertigo / Universal
VÖ: 01.08.2014

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Du & ich

Hach, diese schönen, schönen Menschen! Und erst recht dieses unsäglich attraktiv geratene Geschwisterpärchen von Down Under. In der Tat, beim Anblick von Angus & Julia Stone schweift der Blick schnell hinab auf die eigene, teuer ausstaffierte Plauze oder den aus Haarresten hervorblitzenden Schädel. Andere drehen ihr gut gepolstertes Hinterteil gen Spiegel, um über die Schulter blickend ein lamoryantes Klagelied anzustimmen – und das auch noch schief! Es ist eine Schande, dass das australische Geschwisterduo auch noch derart musikalisch ist. Hach, diese perfekten, perfekten Menschen. Das ist hier übrigens keine übertriebene Lobhudelei, das ist pures Selbstmitleid. In dieses kann man nämlich zweifelsohne verfallen, wenn man einfach ein ganz normaler Mensch ist. Dabei sind auch die beiden alles andere als abgehoben, präsentieren sie sich doch seit jeher mit einer unverschämt-geschwisterlichen Natürlichkeit. Zunächst auf zwei gemeinsamen Alben, dann auf Solopfaden, um nunmehr – nach vier Jahren Duo-Pause – wieder zusammen eine Platte zu veröffentlichen.

Nach dem 2008er "A book like this" und dem zwei Jahre jüngeren "Down the way" erscheint nun, das dritte, selbst betitelte Werk des Bruder-Schwester-Gespanns. Verträumt sitzen die beiden auf dem Cover der Platte, Angus in den blinkenden Horizont blickend, Julia sieht zurück und funkelt erschrocken-geheimnisvoll dem Käufer entgegen. Man könnte meinen, da säße ein Liebespärchen, aber im Gegensatz zu den Verhältnissen im Hause White ist hier alles geklärt. Wie gehabt teilen die beiden die Arbeit brüderlich: Mal leitet Julia durch einen Song, mal Angus, mal wird im Duett gesungen. Schon auf den beiden Vorgängeralben war es die Verbindung der beiden durchaus unterschiedlichen Stile der Geschwister, welche den besonderen Sound ausmachten. Die wohl bekannteste Hymne des Duos, "Big jet plane" wird so zum Beispiel weitestgehend von Angus besungen, ohne dass Julias Strahlkraft dabei im musikalischen Sinne verfliegt. So ist es auch auf "Angus & Julia Stone".

Der letzte Titel des Albums, "Crash and burn" beispielsweise unterliegt auch einzig Angus' Gesang, hätte auf seinem 2013er "Broken brights" sicher auch einen Platz gefunden. Das Geniedel in den Bridges und Julias gehauchtes "Uh-uh" heben sich ekstatisch empor und verleihen dem Song eine unheimliche Würde, während das Hymnenhafte, schon allein aufgrund der sechsminütigen Länge, aber flöten geht. Jenes Element haben Angus und Julia auch schon in den 54 Minuten davor ausgesperrt, zugunsten eines ausdifferenzierteren, reiferen Sounds. "Death defying acts" – ein Julia-Song – überzeugt mit einer verheißungsvollen Düsterkeit, getragen von Angus' infernalem Gitarrenspiel, mit dem metallischen Anklang, erinnert dabei ein wenig an Amanda Palmers Power-Pop, verliert aber die Ruhe nicht in seiner Gänze. "Little whiskey" legt ein ähnliches Tempo vor, klingt aber wesentlich fröhlicher – als hätte der singende Angus schon zwei bis drei Lütte hinter der Binde. "Heart beats slow" hingegen verfügt zwar über einen wunderbaren Breakbeat und eine ganz angenehme The-Smiths-Gitarre, ist dabei aber der einzige Track des Langspielers, welcher Singalong-Qualitäten aufweist, ohne dabei überkandidelt daherzukommen.

Nein, mit dem Hochskalierten, Überdimensionalen hatten es die Geschwister Stone noch nie. Dass sie aber mit "Angus & Julia Stone" ein derart ausgefeiltes Werk präsentieren, ist gegenüber ihrem vorherigen Schaffen eine tolle Weiterentwicklung, die schlicht der Natur ihres jahrelangen musikalischen Schaffens entspricht. Es ist schon erschreckend, die beiden entwickeln sich weiter. Das Schöne aber ist doch, dass Angus & Julia Stone, bei aller Schönheit, bei aller Begabtheit, nicht den Fokus verlieren, sich nicht der Arroganz hingeben, sondern noch immer aus dem Herzen singen und spielen. Auch der scheinbar Perfekte oder die offenbar Makellose finden immer noch ein eigenes Verbesserungspotenzial, das macht sie irdisch, menschlich, sympathisch. Das macht sie zu zweien wie Du und ich.

(Pascal Bremmer)

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Highlights

  • Heart beats slow
  • Death defying acts
  • Little whiskey
  • Crash and burn

Tracklist

  1. A heartbreak
  2. My word for it
  3. Grizzly bear
  4. Heart beats slow
  5. Wherever you are
  6. Get home
  7. Death defying acts
  8. Little whiskey
  9. From the stalls
  10. Other things
  11. Please you
  12. Main street
  13. Crash and burn

Gesamtspielzeit: 60:27 min.

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Achim

Postings: 5412

Registriert seit 13.06.2013

2014-08-20 16:21:51 Uhr
(...kein Wunder bei Rick-Rubin-Platten,oder?)

inzwischen muss man dieser aussage leider ohne abstriche zustimmen. unfassbar, was aus dem geworden ist.

Achim.

musie

Postings: 2020

Registriert seit 14.06.2013

2014-08-20 16:10:10 Uhr
für mich ist an dem Album überhaupt nix misslungen. die 3 schwächeren Songs mit den 3 Bonus Songs auswechseln und man hat das Album des jahres bisher.
front door
2014-08-19 04:25:54 Uhr
Die Abmischung des Albums ist völlig misslungen, der Tontechniker sollte sich einen neuen Job suchen. Keine Dynamik mehr zu hören. Alles überproduziert auf einer Lautstärke aufgedröhnt.

(...kein Wunder bei Rick-Rubin-Platten,oder?)

Obrac

Postings: 814

Registriert seit 13.06.2013

2014-08-09 12:03:49 Uhr
Den finde ich viel besser.

musie

Postings: 2020

Registriert seit 14.06.2013

2014-08-09 11:48:06 Uhr
ja wir meinen den selben song. aber vielleicht wäre heart beats slow typischer
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