Sierra Kidd - Nirgendwer

Sierra Kidd- Nirgendwer

Indipendenza / Groove Attack
VÖ: 04.07.2014

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Mehr glauben

Da betreiben die RTL2-News einmal aufklärenden Journalismus und dann ist es auch wieder nicht richtig. Ein kleiner Aufruhr aus dem Label-Hause Indipendenza ging über das, nunja, Nachrichtenformat nieder, als dieses über Sierra Kidd berichtete, dabei aber unabgesprochen die Identität des 17-Jährigen enthüllte. Dabei sollte Manuel Jungclausen, früher Zwille, jetzt Sierra Kidd, doch bis zu seiner Volljährigkeit vor Erfolgs-Trubel geschützt werden und bis dahin "gesichtslos" bleiben. Ob die RTL2-News nun wirklich der richtige Ort sind, um Persönlichkeitsrechte von Minderjährigen zu wahren, lassen wir genau so unkommentiert, wie die Möglichkeit, dass diese Aufregung vielleicht doch auch für Promo-Zwecke genutzt wurde.

Eine Rolle spielt es nicht. Denn die 16 Tracks auf "Nirgendwer" müssen sich, als Nachfolger der "Kopfvilla"-EP, sowieso allein beweisen. Leider gestaltet sich diese Mission schwierig, auch nach Berücksichtigung des jungen Alters des Rap-Protagonisten. Angeblich sollen viele potentielle Kollaborateure Schlange gestanden haben, um auf dem Debüt mitzuwirken. Trotzdem ist Prinz Pi am Ende nur eines von zwei Features auf "Nirgendwer". Und wenn dieser in "Ich sah ihn noch" zum Thema Amoklauf durchaus geschickt Reime auf "Bifokallinsen" baut, wird das jugendliche Alter Sierra Kidds samt geringerem Wortschatz schnell offenkundig. Mit der Lebenserfahrung fehlt einfach auch das Wort-Repertoire aus einem Jahrzehnt treuem Duden-Newsletter-Abonnement. Gleiches gilt für "Strom", bei dem Sierra Kidd seinen Mentor und Indipendenza-Labelchef RAF Camora brüderlich an seiner Seite weiß.

Abgesehen von Tiefflieger-Tracks wie dem zukünftigen Bundesvision-Songcontest-Beitrag "20.000 Rosen", in dem nun wirklich alle Vegetationssprachbilder inklusive "Ich glaube ohne dich gehe ich ein" abgegrast werden, und "Knicklicht", in dem die Haupt-Metapher erst gar nicht fruchtet, bringt der selbstbetitelte Wüstenjunge ab und an aber schon ein paar gute Phrasen unter. Viel ärgerlicher sind andere Plattitüden. So wird "Welle" selbstverständlich mit adäquaten, naja, wellenförmigen Laut-Leise-Spielereien eingeleitet und das nachdenkliche "Amor's headshot" von einer verschlissenen Spieluhr eingerahmt. Da zerfällt auch die immerhin subtiler eingespielte "Paint it black"-Melodie im Hintergrund endgültig zu Staub.

Möglicherweise wurde das Prädikat "bedeutungsschwanger" einfach viel zu lange nicht mehr gebraucht. Aber die Inszenierung des abgründigen Außenseitertums über - Achtung: Zitat Promo-Text - "Beats aus Nebel und Melancholie" und die Silbendehnung in den kehrreimlichen Gesangsversuchen, nutzt sich auf Albumlänge dann doch alsbald ab. Am gemeinsamen Ansatz der Verschmelzung von HipHop und Popmusik mag ja vielleicht irgendetwas richtig sein, zum postulierten Anti-Cro fehlt Sierra Kidd dann aber doch ein wenig Klasse. Aber vielleicht muss man auch an die RTL2 News als Nachrichtenformat, und das ehrliche Interesse Indipendenzas am Jugendschutz glauben, um "Nirgendwer" mehr abgewinnen zu können.

(Andreas Menzel)

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Highlights

  • Ich sah ihn noch (feat. Prinz Pi)
  • Splittermeer

Tracklist

  1. Sierra
  2. Whatsapp
  3. Nirgendwer
  4. Knicklicht
  5. Amor's headshot
  6. Ich sah ihn noch (feat. Prinz Pi)
  7. Welle
  8. 20.000 Rosen
  9. Splittermeer
  10. Strom (feat. RAF Camora)
  11. XO
  12. Signal
  13. Mobile
  14. Gift
  15. 540 km
  16. Kidd

Gesamtspielzeit: 52:45 min.

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captain kidd

Postings: 1629

Registriert seit 13.06.2013

2014-07-26 20:10:01 Uhr
dann lieber captain kidd!

Michael Knight

Postings: 62

Registriert seit 25.07.2014

2014-07-26 19:16:57 Uhr
Unendlich scheiße. Traurig, dass wir in einer Welt leben, in der ein pummeliges Teenie-Opfer aus Emden HipHop machen darf.

Armin

Postings: 12354

Registriert seit 08.01.2012

2014-07-15 23:29:37 Uhr
Frisch rezensiert. Meinungen?
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