Various Artists - Alternative moments III

Various Artists- Alternative moments III

Sony
VÖ: 02.09.2002

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Kuschelrock

Irgendwann, wenn die letzten Dreads geschüttelt, der letzte Ellbogen blaugefuchtelt und der letzte Kajalstrich verwischt ist, wird auch das alternative Völkchen schwach, und vermeintliche Herzen aus Stein zerfließen wie Butter. Gefühle und Hormone gewinnen die Überhand. Plötzlich bekommt Bello sein Hundehalsband zurück, und das kostbare Trainingsjäckchen landet wie der liebgewonnene Kapuzenpulli achtlos in der Ecke. Wenn sich Körper an Körper reibt und Haut an Haut, unterscheidet auch die angeblich so anderen Menschen nichts von den gewöhnlichen.

Außer in einem Punkt. Denn, das ist klar, ohne die passenden musikalischen Hintergrundgeräusche zur akustischen Ablenkung von Nachbarn, Mitbewohnern oder Eltern ist Kuscheln nicht drin. Und mehr schon gar nicht. Doch zu welchem Album könnte man greifen, wenn Mutti die neue Blumfeld ausgeliehen hat und bei Incubus immer noch zu viele Rocksongs die Balladen überbrücken? Da ist guter Rat teuer. Oder besser: war teuer - bis einige Plattenfirmenmenschen auf die gute Idee gekommen sind, die schönsten Alternative-Schnulzen zu einer Doppel-CD zusammenzustellen und mit einem derart geschmacklosen Cover zu versehen, daß auch das letzte Pärchen freiwillig das Licht ausknipst.

Die "Alternative moments"-Reihe geht in ihre dritte Runde. Auch diesmal wird keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit erhoben und so wichtige Acts wie Pearl Jam oder die Smashing Pumpkins großzügig übersehen. Dafür finden sich mit VAST, The Soundtrack Of Our Lives, Hooverphonic oder Jeff Buckley auch etliche Acts, die die meisten aus der geschmacksfreien, leider immer noch nicht strafverfolgten Compilation-Zusammenzimmer-Gilde vermutlich nicht mal unfallfrei buchstabieren können. Selbst bei Langeweilern wie Matchbox Twenty, Vertical Horizon oder den H-Blockx wurde zielsicher die einzige unpeinliche Ballade herausgepickt.

Zwar ist der Frauenanteil mit fünfeinhalb Beiträgen (Garbage, Zero 7, Fleps, Hooverphonic, Krezip plus Suede-Heulsuse Brett Anderson) recht niedrig ausgefallen, hätte so manche Extrem-Schnulze wie Reamonns "Waiting there for you" oder Watersheds "Indigo girl" nun wirklich nicht sein müssen und fällt "Alternative moments III" verglichen mit den beiden Vorgängern insgesamt merklich schwächer aus. Doch in Zeiten, in denen die einst noch akzeptable "Kuschelrock" Frechheiten wie Celine Dion, Britney Spears und No Angels beherbergt, ist diese Zusammenstellung weit mehr als nur eine Alternative. Und auch hier gilt: Nur wenn's richtig laut ist, freut sich der Nachbar.

(Armin Linder)

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Highlights

  • Stop crying your heart out (Oasis)
  • Yesterday went too soon (Feeder)
  • Halo (Oleander)
  • Cemetery (Silverchair)
  • Lovesong (The Cure)
  • Letting the cables sleep (Bush)
  • In your veins (The Soundtrack Of Our Lives)
  • Love is here (Starsailor)

Tracklist

  • CD 1
    1. Hero (Chad Kroeger)
    2. Indigo girl (Watershed)
    3. Stop crying your heart out (Oasis)
    4. The everlasting (Manic Street Preachers)
    5. Take me home (H-Blockx)
    6. Waiting there for you (Reamonn)
    7. If you're gone (Matchbox Twenty)
    8. Could be day, could be night (Heyday)
    9. Everything you want (Vertical Horizon)
    10. Yesterday went too soon (Feeder)
    11. Handbags and gladrags (Stereophonics)
    12. Clinging to the wreckage (Headswim)
    13. Halo (Oleander)
    14. Only for a while (Toploader)
    15. Be like that (3 Doors Down)
    16. Somewhere out there (Our Lady Peace)
    17. Cemetery (Silverchair)
    18. Lovesong (The Cure)
  • CD 2
    1. Letting the cables sleep (Bush)
    2. Goodnight lovers (Depeche Mode)
    3. You look so fine (Garbage)
    4. Mexico (Incubus)
    5. What you see (The Shining)
    6. Just another (Pete Yorn)
    7. The next life (Suede)
    8. Step into the light (The Afghan Whigs)
    9. Invisible moment (John Frusciante)
    10. Distractions (Zero 7)
    11. Sorry for the tears (Fleps)
    12. The magnificent tree (Hooverphonic)
    13. I would stay (Krezip)
    14. Flames (VAST)
    15. In your veins (The Soundtrack Of Our Lives)
    16. 30 days (Jimmie's Chicken Shack)
    17. Love is here (Starsailor)
    18. Hallelujah (Jeff Buckley)

Gesamtspielzeit: 141:38 min.

Referenzen

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