Bruce Springsteen - The rising

Bruce Springsteen- The rising

Columbia / Sony
VÖ: 29.07.2002

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Human touch

Lange hat es gedauert, bis sich Bruce Springsteen - Erfinder des Hemdsärmels und Bannerträger des uramerikanischen Rock'n'Rolls - dazu entschloß, wieder mit den gestandenen Kerls der E-Street-Band gemeinsame Sache zu machen. Sechzehn lange Jahre sind seit dem Multiplatin-Album "Born in the USA" vergangen, in denen der Output des Boss' nicht immer für Wohlwollen unter seinen Fans sorgte. Der nicht gerade kleinen Anhängerschaft Springsteens werden deswegen Namen wie Steven Van Zandt, Nils Lofgren und Clarence Clemons heruntergehen wie Butter, und unter den Augen von Mischpultmeister Brendan O'Brien (Pearl Jam, Skunk Anansie, Stone Temple Pilots) kann schon nichts schiefgehen. Nicht wahr?

Wer allerdings damit rechnet, daß die fast prototypischen Helden des Stadionrock nun ein Feuerwerk nach dem anderen abbrennen, sollte sich vor Augen halten, daß Sturm und Drang des Meisters durchaus schon länger durch sind. Mit der langsam ausgehenden Haarpracht wird eben auch das Mattenschütteln gedrosselt. Aber wer will schon im Jahre 2002 nach Abenteuern und Aufregung dürstende Alben wie "Born to run" oder "Darkness on the edge of town" erwarten? Die Uhr wird auf "The rising" trotzdem ganz ordentlich zurückgedreht. Irgendwo zwischen dem hymnischen Rock von 1984 und den introspektiven Popsongs der "Lucky town"-Phase orgeln, blasen und riffen sich Springsteen und seine "Jungs" durch gut abgehangene Drei- bis Fünf-Akkord-Nummern.

Man mag sich allerdings daran stören, daß deren breitwandige Produktion mit allerlei Trallala und Pipapo mitunter nur haarscharf am Kitsch vorbeischrammt. Das alles nämlich poprockt gefällig, tut nicht wirklich weh, und ist längst meilenweit davon entfernt, den jungen Wilden von heute als Soundtrack zu dienen. Aber was soll's? Mögen sich doch Linkin Park, die Strokes und Eminem darum schlagen, die gepiercten und baggybehosten Irokesenträger zu ihren Jüngern bekehren zu können. Der Boss rekrutiert seine Anhängerschaft jedenfalls längst aus Steuerbeamten, Bankangestellten, Mathematiklehrern und anderen ehemaligen Himmelsstürmern. Die waren ja schließlich auch mal jung und hatten ein "Hungry heart". Aber man kann ja nicht sein ganzes Leben den "broken heroes" ausweichen, die den Highway verstopfen.

"There ain't no storybook story / There's no never-ending song / Our happily ever after darlin' / Forever come and gone." Manchmal hält der Lebenslauf eben unromantische Wendungen bereit. Wenn die Tränen getrocknet sind, läßt der gewonnene Abstand Platz für abgeklärte Einsichten. "How my brave young life / Was forever changed / In a misty cloud of pink vapor", wundert sich Springsteen und öffnet allen seine Arme, deren Hoffnungen nur noch vage Erinnerungen sind. Er schenkt ihnen beseelten Gospel, streichzarte Balladen und fröhlich gepfiffene Schunkler.

Doch nicht nur die verflogene Jugend lastet auf der Seele. Den erschütterten Träumen des vergangenen Septembers ("Into the fire", "Empty sky", "My city of ruins") setzt der Mann aus New Jersey ein trotziges "Und wir feiern weiter" entgegen. Mit "Waitin' on a sunny day" und dem folkrockigen "Mary's place" grinst er geradewegs an den hängenden Köpfen vorbei. Trotzdem ignoriert er auch die gebrochenen Herzen nicht. Er hat ja schließlich schon immer selber eins gehabt. "I search the peace in your eyes / But there as empty as paradise." Schon mag man ihm ein "Kopf hoch" zurufen. Und plötzlich fällt einem auf, daß auch das eigentlich Springsteens eigene Worte sind.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Into the fire
  • Nothing man
  • Further on (up the road)
  • You\'re missing

Tracklist

  1. Lonesome day
  2. Into the fate
  3. Waitin' on a sunny day
  4. Nothing man
  5. Countin' on a miracle
  6. Empty sky
  7. Worlds apart
  8. Let's be friends (Skin to skin)
  9. Further on (up the road)
  10. The fuse
  11. Mary's place
  12. You're missing
  13. The rising
  14. Paradise
  15. My city of ruins

Gesamtspielzeit: 72:57 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Karl-Heinz Weller
2016-06-08 21:42:28 Uhr
Einfach ein phantastisches Album, ich interpretiere einfach nicht so viel rein, wie ein Kritiker, ich finde es super und freue mich bereits wieder auf die neuestens Konzerte im Juni 2016 hier in Deutschland.
Marianne
2009-05-24 10:18:48 Uhr
Let´s Be Friends (sorry!) 6/10


The Rising hat nicht die Klasse von Nebraska, aber in einer Welt elender Talentshows, lächerlicher Coverversionen und eines Mangels an Vorstellungskraft, stellt das Album doch Springsteen weiterhin als individuelle Stimme heraus.
Marianne
2009-05-24 10:05:54 Uhr
Lonesome Day 7/10
Into The Fire 9/10
Waitin´On A Sunny Day 7/10
Nothing Man 9/10
Countin´On A Miracle 8/10
Empty Sky 8/10
Worlds Apart 6/10
Let´s Be A Friend 6/10
Further On 6/10
The Fuse 6/10
Mary´s Place 7/10
You´re Missing 8/10
The Rising 8/10
Paradise 10/10
My City Of Ruins 10/10

Insgesamt: 7/10

Der Alte war auch schonmal besser.
Alex
2007-06-12 18:34:12 Uhr
Ja bei The River sind einige Songs etwas... naja... aber Darkness on the edge of town is doch von vorne bis hinten genial. Eins seiner besten Alben Meiner Meinung nach. Ich bin grad dabei mich in Nebraska reinzuhören. Wirklich wunderschön atmosphärisch.

The Rising habe ich bis jetzt noch nie gehört. Kann man es mit irgendeinem anderen Album von ihm gut vergleichen?
Boss
2007-04-29 19:32:10 Uhr
ich gebe dir mit den aufgezählten songs natürlich recht. Das sind nicht seine stärksten Songs.
Aber was ist mit dem unglaublichen Point Blank? Ich finde den song schon gut seit ich 14 bin. Das war auch meine erste Platte von Bruce. deshalb habe ich zu der Platte vielleicht auch noch einen näheren bezug.
Dafür konnte ich nie viel mit der Darkness on the edge of Town anfangen
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