Martha - Courting strong

Martha- Courting strong

Fortuna Pop! / Cargo
VÖ: 04.07.2014

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 10/10

The last one to die

Martha starb im September 1914. Und mit ihr eine ganze Art, denn sie war die letzte. Die letzte Wandertaube. Ausgerottet vom Menschen. Keiner hielt es für nötig, ihr Erbe zu bewahren. Etwa 100 Jahre später benannte sich eine Band aus dem kleinen Örtchen Pity Me ("Bemitleide mich") in England nach dem Vogel. Gewissermaßen als Symbol dessen, was Bezug auf die Vergangenheit bedeutet, als Übersetzung von Retromania. Das Festhalten am schon einmal Dagewesenen scheint immer wieder durch auf "Courting strong". Sehr straighte Gitarrenriffs, sehr eingängige Melodien. Sie lassen einen allein mit Zeilen wie "I'm mostly liquid" oder "I hate those shoes they bought for me".

Was würden wir vermissen, wenn es die Lieder mit A-Dur- und D-Dur-Akkorden nicht mehr gäbe? Immer wieder gibt es eine Generation, die sie neu entdeckt und neu dazukommt. Und sie wird nie vor einem schwarzen Loch stehen, sondern vor einem jahrzehntelang aufgebauten Archiv mit Akkorden, Harmonien und begrenztem Vokabular. Und darauf greifen auch Martha zurück. Es sind Lieder, die vor vier Jahren von den Arctic Monkeys geschrieben worden wären, vor 20 Jahren von den Pretenders und in zehn Jahren immer noch von Best Coast. Und das nicht, weil sie beliebig wären. Um Himmels Willen, nein. Da ist etwas Persönliches in den Texten, das sich einem vielleicht nicht unmittelbar erschließt, das einen aber im eigenen Leben abholt. In dieser Einfachheit liegt der Reiz von "Courting strong". Geradeheraus, aber druckvoll. In rührender Weise zeigt das Album, welche Musik die Geschwister Naomi und Nathan Griffin und der Rest der Band in ihrer Jugend gehört haben. Nicht, dass sie die Rock-Riffs kopieren würden, sie klauen auch die catchy Melodien nicht, sie haben sie in sich aufgenommen. Und jetzt machen sie ihre eigenen Lieder daraus. Deswegen gibt es Songs wie "Move to Durham and never leave". In ihm besingen die Briten nicht nur ihre Heimat, sie beschreien sie. Zweistimmig, wobei der Takt die Melodie überholt. Man könnte dazu den Dancefloor entern, und ich wette, Ihr sähet gut dabei aus. Man könnte aber auch fragen, was Naomi und Nathan mit Durham verbindet, was Heimat bedeutet.

Oder warum man so deprimiert ist. Eine Frage, die Martha im Lied "So sad (so sad)" stellen, die aber auch die Killers vor einigen Jahren hätten stellen können. Die Wiederholung ist nicht nervig, sie ist sogar gut. Denn immer wieder kommen neue Jugendliche nach, die die Energie von Musik von neuen Bands lernen müssen, nicht von Bands, die 20 Jahre älter sind. Oder wollen unsere Kinder wirklich Rockmusik mit den Kaiser Chiefs erfahren?

(Kerstin Petermann)

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Highlights

  • Move to Durham and never leave
  • Dust, juice, bones & hair

Tracklist

  1. osmic misery
  2. 1997, passing in the hallway
  3. Present, tense
  4. Dust, juice, bones & hair
  5. Bubble in my bloodstream
  6. Move to Durham and never leave
  7. Gin and listerine
  8. Sleeping beauty
  9. 1967, I miss you I'm lonely
  10. So sad (so sad)

Gesamtspielzeit: 31:23 min.

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