Fink (UK) - Hard believer

Fink (UK)- Hard believer

R'COUP'D / Ninja Tune / Rough Trade
VÖ: 11.07.2014

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Frei aus dem Bauch

Die Sonne brennt erbarmungslos vom Himmel runter auf die Erde. Die Luft ist warm und trocken, es weht kein Wind, jeder Atemzug erschöpft den ohnehin schon müden Körper noch mehr. Der staubig-sandige Boden knirscht unter jedem einzelnem Schritt, der Schweiß perlt von der Stirn an den Schläfen entlang runter zum Kiefer, die nassen Haare im Nacken fühlen sich kühl an. Das sechste Album "Hard believer" von Fin Greenall & Co. ist ein heißes Eisen, und seine Inspiration durch dessen Zusammenarbeit mit John Legend für den Film "12 years a slave" hört man hier in jedem Song, jeder Zeile – jeder Note. Dass "Hard believer" sich stellenweise wie ein Gebet anhört, oder sogar wie intime Tagebuchauszüge, kommt dem Album nur zugute.

"Move", jener Song, der es auf den Soundtrack von Steve McQueens grandiosen Film schaffte, war der Auslöser für Greenalls Willen, ein Blues-Album aufzunehmen. Eines, das aus dem tiefsten Inneren kommt, das die Atmosphäre, die Stimmung und den Sinn nach Freiheit der gerade im Sommer regelrecht barbarisch heißen Südstaaten auffängt und vertont. Das hatte das Trio rund um Greenall schon ein wenig auf dem letzten Album "Perfect darkness" versucht, mit "Hard believer" gehen sie den eingeschlagenen Weg konsequent weiter. Schon der Titeltrack und Opener spielt mit einem wie in der Einleitung vorgestellten Szenario: Nur langsam steigert sich Greenall hier, schleppt sich mühlselig und zäh von Wort zu Wort, das Schlagzeug steht für die müde stapfenden Schritte auf dem harten Boden – und plötzlich ist es vorbei. Doch der Erzähler ist mitnichten schon am Ende.

Das darauffolgende "Green and the blue" benötigt dennoch etwas Zeit, um zum Punkt zu kommen. Ruhig und gemächlich geht es voran, Greenalls Stimme steht im Vordergrund, bis der Sound nach zwei Minuten dichter und die Instrumentierung breiter wird, um sich im Refrain endlich zu entfalten. Es wirkt wie ein geplatzter Knoten, nicht nur für den Hörer, sondern vor allem für Fink selbst – ein Moment, der Sekunden früher womöglich nicht so wirkungsvoll gewesen wäre. Einen weiteren Höhepunkt gibt es in "Shakespeare", das sich recht schnell von der jungen, unschuldigen Liebelei zu einer bitteren Tragödie entwickelt, gleichzeitig aber zu den melodischsten Stücken des Albums zählt – so wie auch die zur Mitte stattfindende Klimax einer der stärksten Augenblicke ist, die unter den übrigen neun Songs ihresgleichen sucht.

Das wütende "Pilgrim" spielt eindrucksvoll mit dem Laut/Leise-Effekt, indem es zwar akustisch startet, in seinem siebenminütigen Verlauf aber immer und immer wieder ausbricht, als würde Greenall seine Frustration stets wieder zu unterdrücken versuchen, bis sie sich nach einer letzten, großen Explosion schließlich in Luft aufgelöst zu haben scheint. Ähnlich verhält es sich mit der etwas schnelleren Single "Looking too closely", in der er sich mit den Worten "This is a song about someone else / So don't worry yourself" selbst Mut zuspricht und deutlich mehr Hoffnung zu verspüren mag. So landet auch das abschließende "Keep falling" wieder auf den Füßen und überzeugt dank seiner minimalistischen Melodie und nicht zuletzt Finks bestem, wichtigsten Instrument – dem Gesang – auf ganzer Linie. Da lässt sich auch jeder noch kommende heiße Sommer bestens ertragen, oder vielmehr noch – sie lassen sich genießen.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Green and the blue
  • Pilgrim
  • Shakespeare
  • Looking too closely

Tracklist

  1. Hard believer
  2. Green and the blue
  3. White flag
  4. Pilgrim
  5. Two days later
  6. Shakespeare
  7. Truth begins
  8. Looking too closely
  9. Too late
  10. Keep falling

Gesamtspielzeit: 54:36 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Peter Silie
2015-03-05 09:01:52 Uhr
Gestern war er (waren sie) in Bremen - sehr schönes Konzert. Vor allem Sort Of Revolution und Looking Too Closely sind ja ganz grandios.

Aber die schönste Überraschung für mich war der Support: Douglas Dare. Ich dachte, ich müsste nach Pusemuckel fahren, um den mal zu sehen. Und plötzlich steht der Mann da auf der Bühne. Top! :)

Mr Oh so

Postings: 1173

Registriert seit 13.06.2013

2015-01-18 17:31:38 Uhr
Mich flash gerade "Truth begins". Tolles Ding.

Vennart

Postings: 329

Registriert seit 24.03.2014

2014-12-05 16:41:34 Uhr
Starkes Album, ich mag auch die letzten vier Lieder besonders und “Green And The Blue“.

Wobei ich das Original von “Keep Falling“ von Ryan Keen fast noch besser finde.
Weiß jemand, ob Fink das gecovert hat oder ob die das zusammen geschrieben haben?
Die beiden Alben kamen nur ca. vier Monate nacheinander heraus, kommt ja jetzt nicht so oft vor, dass jemand ein paar Monate altes Lied covert und gleich auf sein Album packt.
3/5
2014-12-05 12:08:36 Uhr
fand die ersten paar tracks ganz nett, mit diesem blues-feeling, danach rutscht es mir zusehr in the national-mässige weinerliche pop gleichgültigkeit ab.

(ich mag the national)

Dielemma

Postings: 446

Registriert seit 15.06.2013

2014-12-04 20:04:25 Uhr
und so wie Röyksopp das Eröffnungstrio des Jahres stellen, sind hier die letzten 3 Songs einfach nur überragend!
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