Every Time I Die - From parts unknown

Every Time I Die- From parts unknown

Epitaph / Indigo
VÖ: 27.06.2014

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Alternativloswütend

Alles gut, alles fein! Kriege, Krisen und Menschenrechtsverletzungen? Zum Glück weit weg. Surreale Nachrichten sind das, eher Fantasy-Episoden in der Glotze, die man wieder pünktlich wegschiebt, wenn die Tatort-Melodie erklingt. In hiesigen Breiten lebt man, so scheint es, ganz gerne in einem rosa Plüschknäuel, als gäbe es keine ernsten Probleme: Die einen mobben Fernsehmoderatoren, unterzeichnen Petitionen für mehr Bildungsfernsehen – und stimmen dann für ihren Liebling im Dschungelcamp ab. Millionen andere sind alle zwei Jahre "Bundestrainer inkognito", während die Geheimdienste schon längst wissen, ob sie ein 4-4-2 oder 4-5-1 auf den Rasen bringen würden. Und Kanzlerin Mutti? Macht vor dem Bundestag entspannt die Raute und doziert dabei von Jobwunder und Alternativlosigkeiten.

Okay, eine höchst subjektive Empfindung. Reines Schwarz-Weiß-Denken war nie erstrebenswert. Denn es gibt es sie sehr wohl, hierzulande und auch überm großen Teich – die Wutentbrannten. Die, die immer schon laut waren. Und es bleiben. Menschen, deren Kunst oder Musik in Sachen Harmonie-Werdung einen ähnlichen Holzweg beschreitet, wie die FIFA bei der Beseitigung ihrer korrupten Strukturen. Daher ist es auch kein "The great secret", dass Every Time I Die auch auf ihrem siebten Album mit Brechern wie dem gleichnamigen Stück oder besonders durstigem Geknüppel, wie in "Thirst", ins Haus einfallen. Und sie werden freudig erwartet – "If there’s room to move"? Und wie es diesen Raum gibt, gar geben muss. Denn "From parts unknown" hat vieles, wofür der Moshpit lebt: Stakkato-Drums, tiefe Gitarren, Metal-Riffs, Shoutings und gefühlt auch wieder eine halbe Faust mehr Wut als der Vorgänger "Ex lives", bei dessen Aufnahmen die Buckley-Brüder Keith und Jordan eigenen Angaben zufolge zu gut gelaunt waren.

Doch auch dieses Album birgt kleine Überraschungen. Wie den stoneresken Blues’n’Roll in "Decayin' with the boys". Oder "Moor", dieses leicht verzweifelte, zunächst nur von einem Piano getragene Flehen über menschliche Gefühle. Doch Every Time I Die bringen auch solche Elemente gut unter, weil sie sie kurz darauf selbst wieder zerschlagen. Oha, zwei melodische The-Bronx-Rocker – sogar inklusive Refrain(!) – gibt es dann mit "Old light" und dem großartigen "El Dorado" tatsächlich doch noch. Ansonsten verweigert sich "From parts unknown" wie schon seine Vorgänger wieder Vielem, was als Rock- oder Popmusik durchgeht.Doch so lange Every Time I Die " All stuctures" kritisch hinterfragen, sich der angepassten Mit-Sing-Melodie verweigern und Alternativlosigkeit eher in den Werten des Hardcore sehen, denn in der Politik, liegt in der Wut auch Hoffnung für die Zukunft. Was auch immer da draußen, in diesem komischen Flachbildschirm, auch passiert.

(Eric Meyer)

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Highlights

  • The great secret
  • Decayin' with the boys
  • Thirst
  • El Dorado

Tracklist

  1. The great secret
  2. Pelican of the desert
  3. Decayin' with the boys
  4. Overstayer
  5. If there's room to Move
  6. Moor
  7. Exometrium
  8. Thirst
  9. Old light
  10. All structures
  11. El Dorado
  12. Idiot

Gesamtspielzeit: 31:43 min.

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Affengitarre

Postings: 4231

Registriert seit 23.07.2014

2014-07-24 21:06:40 Uhr
Habe sie vorher eigentlich eher ignoriert, da ich ordentlichen Metalcoremist erwartet habe, aber das Album höre ich mittlerweile echt gerne.

eric

Postings: 2016

Registriert seit 14.06.2013

2014-07-24 12:19:00 Uhr
War auch überrascht, zumindest vorher nicht unbedingt großer Fan der Band. ;)
Affengitarre
2014-07-23 20:44:29 Uhr
Ich muss schon sagen, bin eigentlich echt positiv überrascht. Bin irgendwie auf die Single gestoßen und fand die echt gut, also hab ich mal in das Album reingehört. Echt gutes Ding.

Armin

Postings: 14505

Registriert seit 08.01.2012

2014-07-07 18:38:35 Uhr
Frisch rezensiert! Meinungen?
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