Linkin Park - The hunting party

Linkin Park- The hunting party

Warner
VÖ: 13.06.2014

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Hitzeschrei

Seit vielen Jahren bieten Linkin Park ein dankbares Ziel für Schmähungen aller Art, nicht nur im Forum von Plattentests.de. Zu erfolgreich, zu angepasst, zu eingängig - das restliche Leben ließe sich problemlos mit solchen Tiraden füllen. Doch sie bleiben dabei insgeheim einvernehmlicher, als sich das mancher Purist eingestehen möchte. Sie triezen murrende Lärmokraten wie auch suizidale Vorstadtyuppiekinder und erst recht das selbsternannte Hipstablishment. Eigentlich findet fast jeder etwas an ihnen, das ihn kolossal auf die Palme bringt. Es muss also doch etwas dran sein an der nunmehr fast 20 Jahre lang rotierenden Kommerzmaschine. Was meint denn ihr jüngstes Album zu den genannten Vorwürfen?

"The hunting party" beinhaltet vor allem lautere Gitarrenspuren, weniger synthetischen Firlefanz und deutlich mehr Unmut als von den letzten Platten gewohnt. Chester Bennington brüllt sich im schnörkelbefreiten Rockbrett "Keys to the kingdom" gleich dermaßen seine Tunnel aus den Ohrläppchen, dass manch Unbedarfter lieber solange hinter die Boxen flüchtet und der eigene Nachwuchs sich erst am Songende ein keckes "Roaar!" getraut. Kollege Shinoda kommt da mit seinen üblichen Anmerkungen kaum hinterher, holt seinen Part aber im folgenden "All for nothing" prompt nach: Die traditionelle Nummer Sicher für die nervösen Herren von der Plattenfirma, welche zugleich ein schales Gefühl des Altbekannten hinterlässt und in der Helmets Page Hamilton zwar mit dem kurzen Refrain glänzt, sich sonst jedoch mit wenigen flüchtigen Akkorden auf seinem Instrument begnügen muss.

Es scheint ohnehin so, dass Linkin Park ihre Redlichkeit unter Beweis stellen wollen und kleine Kredite bei angeschlossenen Saiten-Instituten aufgenommen haben, um für die nötige Glaubwürdigkeit beim Fußvolk zu sorgen. Im Falle Daron Malakians von System Of A Down bzw. Scars On Broadway gelingt das sogar. "Rebellion" schrubbt den Irrwitz der US-armenischen Polit-Metaller mit knappen Riffs direkt unter den süßen Retortenguss der Kalifornier, ohne dass es zur Bildung einer kritischen Masse kommt. Kaum radikal zwar, aber immer noch sehr kraftvoll und unterhaltsam. Tom Morello von Rage Against The Machine bzw. Audioslave hingegen obliegt die eher bescheidene Aufgabe, ein stimmungsvolles Zwischenstück namens "Drawbar" mit seinen Effekten zu untermalen. Genau das regelt er hier auf seine ganz eigene, unprätentiöse Art – leider indes auch nicht mehr.

Verbindungsglied zwischen diesen unterschiedlichen Musikern ist die Produzenten-Ikone Rick Rubin, welche heuer jedoch überraschenderweise außen vor bleiben muss. Die Band hat "The hunting party" nämlich selbst produziert und all das Protzige ausgemistet, was der erfolgreichen Gegenwartsmusik ihrer Meinung nach die Kredibilität raubt. Ob sie hernach mit der hektischen Stampfwalze "Guilty all the same" neue Ohren hinzugewinnen werden, sei einmal dahingestellt. Auch der Zwei-Minuten-Punker "War" wird alte Feinde keinesfalls milder stimmen. "Until it's gone" als stolzer Frauenliebhaber sowieso nicht, da er sich melodramatischer Motive bedient und immer noch verdammt pompös klingt. Aber auch richtig geil, wenn man's denn mag.

Trotz aller Einschränkungen bleiben Linkin Park in ihrem Metier tonangebend. Sie haben sich auf das besonnen, was sie einst stark gemacht hat: Kontrollierte Wutausbrüche mit unwiderstehlichen Refrains im deftigen Stadionrock-Outfit. Auch wenn es manches Mal an der Varianz mangelt und daher nicht ganz für die 7/10 gereicht hat, ist "The hunting party" wenigstens ein richtig gutes Album geworden, für das alle dankbaren Fans ab sofort hitzefrei bekommen. Es darf zufrieden gemeinsam geschwitzt werden. Raus, die Sau!

(Andreas Knöß)

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Highlights

  • Guilty all the same
  • Until it's gone
  • Rebellion

Tracklist

  1. Keys to the kingdom
  2. All for nothing
  3. Guilty all the same
  4. The summoning
  5. War
  6. Wastelands
  7. Until it's gone
  8. Rebellion
  9. Mark the graves
  10. Drawbar
  11. Final masquerade
  12. A line in the sand

Gesamtspielzeit: 45:12 min.

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Affengitarre

Postings: 3436

Registriert seit 23.07.2014

2016-05-30 19:03:40 Uhr
Platte ist echt in Ordnung, hat definitiv seine Momente.
Linkin Park
2016-05-29 17:13:04 Uhr
CRAAAAAAAAAAAAAAWLIN' IIIIIIIIIIIIIIIIIIN MYYYYYYYYYYYYYYYYY SKIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIN !!!

Doughboy

Postings: 112

Registriert seit 13.06.2013

2016-05-29 17:02:57 Uhr
"Für mich ihre beste Platte seit "Hybrid Theory" und wenn ich den Nostalgie-Faktor mal außen vor lasse, ist es vielleicht sogar ihre beste Platte überhaupt."

Ich muss meine Aussage hier ein wenig revidieren. Halte es immer noch für eine tolle Platte, aber HT bliebt (noch) auf Platz 1. Würde es vor Meteora aber hinter Minutes to Midnight einordnen.

Doughboy

Postings: 112

Registriert seit 13.06.2013

2014-06-25 21:43:34 Uhr
Ja das stimmt. Schließlich sind die ja immer noch bei Warner unter Vetrag ;). Massentauglich waren sie ja schon immer, aber ich finde nicht, das dies ein Problem darstellen muss. Es kommt auf die Einstellung an, sprich sie können trotzdem eine Platte machen, was ihnen - in 1. Linie - gefällt.

Hier mal ein netter Artikel zu dem Thema, wenn auch auf Englisch: http://mikeshinodaclan.com/2014/06/scans-linkin-park-rock-sound-magazine-album-worst-business-decision-weve-ever-made/

nörtz

Postings: 4844

Registriert seit 13.06.2013

2014-06-25 20:31:55 Uhr
lp mögen in ihrem eigenen kontext abwechslungsreicher geworden sein, nur habe ich nicht das gefühl, dass sie, egal was sie auch machen, die massentauglichkeit aus den augen verlieren.

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