Guided By Voices - Cool planet

Guided By Voices- Cool planet

Fire / Cargo
VÖ: 16.05.2014

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Zwist & Sprout

Es hat schon seine Gründe, warum sich die meisten Künstler immer ein paar Jahre Zeit lassen, bis sie wieder neues Material veröffentlichen. Klar freut es ein paar Hardcore-Fans, wenn sie gefühlt alle vier Wochen ein neues Album ihrer Lieblinge in den Händen halten dürfen, doch für die meisten entsteht irgendwann eine Art Overkill, die Vorfreude hält sich in Grenzen, hat man doch kaum das letzte Werk zu Ende gehört. Im Fall von Guided By Voices ist es nicht anders: Deren "Cool planet" ist das insgesamt 21. Album von Pollard, Sprout & Co., das sechste Album seit der 2012er Reunion, das zweite in diesem Jahr – und das erste seit einiger Zeit, das nicht mehr vollkommen überzeugen kann. Man versucht, sich selbst zum Lieben zu überreden, fängt einen inneren Kampf gegen das eigene Empfinden an – aber ob es hier wirklich einen Gewinner geben kann?

Denn es mag auch schlicht daran liegen, dass man als Hörer irgendwann eben etwas übersättigt ist. Gerade einmal ein Vierteljahr ist seit der Veröffentlichung von "Motivational jumpsuit" vergangen, das mit 20 Songs auch nicht gerade ein leicht verdaulicher Brocken war, auf "Cool planet" sind es immerhin auch noch 18 an der Zahl. Die sind auch gar nicht übel, und ebensowenig haben Guided By Voices keine grundlegenden Veränderungen am eigenen Sound oder der Herangehensweise gemacht – das druckvolle "The bone church" oder auch "Hat of flames" mitsamt seiner Schnodderigkeit hätten zudem bestens auf jedes andere Werk des Quintetts gepasst und für Gefallen gesorgt. Und die beiden psychedelischen Glam-Rocker "All American boy" und das leider viel zu kurze "Psychotic crush" – beide angeführt von einem überragenden Tobin Sprout – dürften mit zu den besten Songs gehören, die Guided By Voices seit ihrer Wiedervereinigung eingespielt haben.

Dass beim sechsten Album in zwei Jahren und 18 Stücken aber eben nicht nur neue Lieblingslieder entdeckt werden, dürfte selbstverständlich sein. So kommt der Mini-Ausbruch im bis dahin recht monoton vor sich hin brodelnden "These dooms" zu spät und inkonsequent, während "Cream of lung" schlicht zu wenige Überraschungen parat hat, um wirklich im Ohr zu bleiben. Dazwischen gibt es einige Lückenfüller wie "You get every game" oder auch "The no doubters", die eine Reinkarnation irgendeines x-beliebigen Guided-By-Voices-Songs zu sein scheinen, wohingegen es weit in der zweiten Hälfte des Albums mit "Narrated by Paul" ein kleines, aber ungemein feines Highlight gibt: In der fragil anmutenden Pianoballade macht Sprout einmal mehr sein Gespür für gelungene Melodien deutlich, wovon auch die zweite Beatles-Anspielung "Ticket to hide" profitiert. Spätestens dann wird klar, dass "Cool planet" als reines Tobin-Sprout-Album womöglich deutlich besser funktioniert hätte – und schon beginnt der nächste innere Kampf.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Psychotic crush
  • All American boy
  • Narrated by Paul
  • Ticket to hide

Tracklist

  1. Authoritarian zoo
  2. Fast crawl
  3. Psychotic crush
  4. Costume makes the man
  5. Hat of flames
  6. These dooms
  7. Table at fool's tooth
  8. All American boy
  9. You get every game
  10. Pan swimmer
  11. The bone church
  12. Bad love is easy to do
  13. The no doubters
  14. Narrated by Paul
  15. Cream of lung
  16. Males of wormwood Mars
  17. Ticket to hide
  18. Cool planet

Gesamtspielzeit: 36:33 min.

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