Sleaford Mods - Divide and exit

Sleaford Mods- Divide and exit

Harbinger Sound / Cargo
VÖ: 23.05.2014

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Duft der Zeit

Kevin Großkreutz kann dem deutschen Fußball mit Döner-Affäre und Urinier-Attacke wieder zu Ansehen verhelfen. Ganz ungewollt selbstverständlich, und nur in England, wo Street Credibility und Geruch der Gosse durchaus wichtiger sind als akkurates Elfmeterschießen und perfektes Torwartspiel. Den passenden Soundtrack dazu steuern die Engländer selbstverständlich selbst bei. Urbritisch und gleichsam klischeeerfüllend wie -brechend feuert das Nottinghamer Duo Sleaford Mods mit ihrem zweiten Album "Divide and exit" eine Salve an Schüssen ab, bei der klassische Oldschool-Punks genauso die Faust in die Luft recken können wie akademische Großstadtproletarier im gentrifizierten Szeneviertel. Sleaford Mods treffen den Duft der Zeit oder wie es in "Tied up in Nottz" heißt: "The smell of piss is so strong / It smells like decent bacon."

Das Konzept von Jason Williamson und Andrew Fearn ist dabei nicht nur auf den ersten Schuss recht simpel. Der erste sorgt für die teils rabiate, teils satirische Lyrik, der zweite für die Beats, Synthesizer und die spärlich eingesetzte Elektronik. Es bedarf dann nur mehr Beobachtung, Phantasie und selbstredend einen Feind oder besser Feinde. Und die finden sich in der heutigen sinnentleerten Zeit an jeder Ecke: London, Hipster und "Tweet tweet tweet", also die moderne Technik und das fehlende Bewusstsein der Massen: "This is the human race / UKIP and your disgrace / Chopped heads on London streets / All you zombies tweet tweet tweet." Da wird einem auch schnell bewusst, dass auf "Divide and exit" das F-Wort wichtiger ist als eine Melodie. Ein gebrülltes "The Corgi", ein einschlagendes "From rags to Richards" und ein Anflug von einem Refrain in "A little ditty" sind da schon fast das höchste der Gefühle. Das 40-minütige Gebräu aus HipHop und Punk ist zu jeder Zeit zutiefst unterhaltsam.

Für das Amüsement zeichnet auch der wahnwitzige Midlands-Akzent verantwortlich. In England als eher unscheinbar bis abwertend wahrgenommen, ist er für alle nicht Anglophonen ein kerniges Markenzeichen wie Fish & Chips. Er wird schnell verdaut, hält aber lange nach - wie die alle um die drei Minuten herumschwirrenden Songs. Das ist traditionell und hypermodern zugleich, vor allem wenn in der Ode auf die einstige britische Kinderfernsehsendung namens "Tiswas" elektronische Spielereien und Extrabass hochgefahren werden. Tiswas ist übrigens ein Akronym und steht für "Today is Saturday watch and smile". Sleaford Mods gehören aber nicht ins Fernsehen, sondern auf die Straße und in den schwitzigen Club. Jetzt tief ein- und ausatmen und die "frische" Luft genießen.

(Carsten Rehbein)

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Highlights

  • You're brave
  • The Corgi
  • From rags to Richards
  • Tweet tweet tweet

Tracklist

  1. Air conditioning
  2. Tied up in Nottz
  3. A little ditty
  4. You're brave
  5. Strike force
  6. The corgi
  7. From rags to Richards
  8. Liveable shit
  9. Under the plastic and NCT
  10. Tiswas
  11. Keep out of it
  12. Smithy
  13. Middle men
  14. Tweet tweet tweet

Gesamtspielzeit: 40:17 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Nottz
2014-08-21 23:45:20 Uhr
With a Z, you c.unt
Serdan
2014-06-27 23:13:39 Uhr
Es gibt rein gar nichts was man bei denen blöd finden könnte..
PT-Listenspießer
2014-06-14 12:31:23 Uhr
Samstag nacht und Sonntag morgen auf Crack

Damit kann ich mich identifizieren.
wilson
2014-06-14 12:23:27 Uhr
hab die sleaford mods + die! die! die! in MS gesehen. beide bands wussten zu begeistern!
Rick
2014-06-14 12:15:19 Uhr
Wo warst du? Ne, also einen Hype sehe ich da auch noch nicht...in Schaffhausen waren es wohl so um die 200 die das Konzert besucht hatten...grob überschlagen...wenn überhaupt einen medialen Hype in den Feuilletons...die Kritiker finden das ja alle ziemlich geil...und es noch kein Hype solange es noch nicht in der Visions auf der Titelseite war...die haben sie noch komplett ignoriert...
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