Me First And The Gimme Gimmes - Are we not men? We are diva!

Me First And The Gimme Gimmes- Are we not men? We are diva!

Fat Wreck / Edel
VÖ: 16.05.2014

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Verwurstelt

Es gibt Dinge, die passen einfach. Der erste Kaffee am Morgen, Nudeln mit Tomatensauce, Kartoffelsalat und Würstchen, die Zigarette nach dem Essen, Biertrinken und Punkrock hören. Ja, und früher, ganz früher: neue Platten von Fat Wreck Chords oder Epitaph blind kaufen. Diese bedingungslose Treue zu den Lieblingsbands – das hatte schon was. Dank des Internets und gewandelter Hör- und Kaufgewohnheiten ist ein Blindkauf heute eher aus der Mode gekommen. Gut für den alternden Melody-Punker, denn der hätte bei Me First And The Gimme Gimmes anno 1999 wohl ohne groß zu überlegen zugegriffen. Ach, die schon wieder? Wirklich? So manch einer zuckt jetzt wohl gleichgültig mit den Achseln, oder lässt sich zu einem spontanen Kopfschütteln hinreißen.

Richtig! Die Punkrock-Allstars Fat Mike (NOFX), Joey Cape, Dave Raun (beide Lagwagon), Chris Shiflett (Foo Fighters) und Spike Slawson (Swingin‘ Utters) hatten in den letzten Monaten anscheinend immer mal wieder mächtig die Hucke voll. Und haben von ihrem Spaßprojekt die Schnauze anscheinend noch nicht voll genug, leider. Das Konzept dieses Mal: Welt-Hits unser aller Pop-Divas durch den Punkrock-Wurstwolf drehen. Was Me First And The Gimme Gimmes damals, vor der Jahrtausenwende, mit "Have a ball" oder "Blow in the wind" noch halbwegs unterhaltsam gelang, hat seit zehn Jahren einen deutlich längeren Wurst-Bart als Conchita und ist der umgehenden Selbstzerstörung längst überfällig. Okay, der nach sieben Bier ein wenig positiver gestimmte Hörer könnte nun anführen: Stört doch keinen, wenn die Punkrock-Opas den Punkrock-Kids ab und an ein bisschen Spaß bringen möchten. Stimmt.

Nur, gibt es da ein gravierendes Problem: Selbst, wenn man mit Punkrock aufgewachsen ist, fragt man sich, wer etwa bei der 0815-Folkpunk-Version von Celine Dions "My heart will go on" oder der gähnend langweiligen Akustik-Interpretation von Madonnas "Crazy for you" wirklich Freudensprünge machen kann. Bei "Beautiful" (Christina Aguilera), "I will survive" (Gloria Gaynor) oder "I will always love you" (Whitney Houston) legt der Profi-Cover-Wolf der Kalifornier zwar mächtig an Umdrehungen zu, doch gehen diese Stücke leider links rein in die Ohrmuschel, und sofort rechts wieder raus. Weil der Persiflage der Witz fehlt, die Interpretationen kaum Überraschungen bieten. Bei Chers "Believe" musste sogar der Autotune mit verbraten werden – da bleibt einem auch die beste Frühstückswurst glatt im Halse stecken. Überhaupt gab es seit geraumer Zeit wohl kaum ein Punkrock-Album, das so glatt und blass klingt wie "Are we not men? We are diva!". Ecken oder Kanten findet man hier höchstens auf Fat Mikes Kopf, und auch die sind eben aus Haarspray.

Da passt es in Bild und Ton, dass Slawson mittlerweile so brav und schön singt, wie sein divenhaftes Abendkleid auf dem Cover ausschaut (wohlbemerkt, denkt man sich seinen Körper weg). Auf ein bisschen mehr Staub oder stimmliche Schräglage wartet man da vergeblich. Immerhin, zwei bis drei Songs dieser insgesamt überflüssigen Platte kämen dann vielleicht doch in die Auswahl für das nächste Baggersee-Tape. Sowohl die Interpretation von Paula Abduls "Straight up", als auch Donna Summers "On the radio" entlocken ein Grinsen und gehen und damit klar. Ob das allerdings nicht eher an den tollen Vorlagen liegt? Nur so eine Überlegung. Allen Ernstes überlegen, warum sich diese fünf eigentlich guten Musiker und Künstler für ihr lustlos vorgetragenes Projekt immer noch hergeben, sollte man wohl besser nicht. Viel lieber möchte man den fünf Hanswurste halb verzweifelt zurufen: Bitte, bitte, trinkt, spielt live auf den Festivals dieser Welt, lasst euch gerne dabei abfeiern – irgendwo hat das ja durchaus Charme. Aber bitte nehmt keine Platten mehr auf. Denn es gibt Dinge, die einfach nicht mehr passen. So eben auch Punkrock-Coveralben und das Jahr 2014.

(Eric Meyer)

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Highlights

  • Straight up
  • On the radio

Tracklist

  1. I will survive
  2. Straight up
  3. Believe
  4. Beautiful
  5. My heart will go on
  6. I will always love you
  7. Top of the world
  8. Speechless
  9. Karma Chameleon
  10. Crazy for you
  11. On the radio
  12. The way we were

Gesamtspielzeit: 34:57 min.

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User Beitrag

eric

Postings: 2016

Registriert seit 14.06.2013

2014-06-12 16:17:05 Uhr
Da kennt der Newsflash mich aber nun wirklich gut. ;)
+++Newsflash+++
2014-06-12 14:44:25 Uhr
Eric Meyer ist eine Spaßbremse.
Dänkö
2014-06-11 22:13:28 Uhr
Punkrock-Coveralben will never die!

Armin

Postings: 14507

Registriert seit 08.01.2012

2014-06-11 21:21:06 Uhr
Frisch rezensiert! Meinungen?
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