The Antlers - Familiars

The Antlers- Familiars

Transgressive / [PIAS] Cooperative / Rough Trade
VÖ: 13.06.2014

Unsere Bewertung: 9/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Blaspartout

Wenn ein Adjektiv nie zu The Antlers passen sollte und wollte, dann eintönig. Die Band, die als Soloprojekt von Peter Silberman startete, als Trio mit "Hospice" sodenn alle emotionalen Dämme brach, sich facettenreich durch "Burst apart" zweifelte und hinterfragte, begegnet auf "Familiars" dem früheren Ich zum fiktionalen Disput und zum Bruch mit vergangenem Verhalten. Nun, beim ersten Durchgang ihrer fünften Platte, nährt sich der Verdacht, die Band aus Brooklyn habe sich verzettelt, zu viel auf Bläser-Sätze gebaut, sich zu sehr der Stimmung und weniger den Songs hingegeben. Ist das gar eintönig? Faktor Zeit sagt Nein. Wer Stunde um Stunde investiert, sich einlässt, niederlässt, bekommt ein warmes Biest geschenkt, das sich nahtlos einreiht in die beinahe erschreckend hochqualitative Band-Diskographie.

Die primäre Momentaufnahme des Bläser-Überdrusses verschwimmt alsbald, gerät aus dem Fokus und weicht der relativierenden Erkenntnis, dass dies The Antlers' Soul-und-Jazzplatte geworden ist. Alte Rhythm-And-Blues-Licks bei "Intruders", die Orgel in "Hotel" und vor allen Dingen der Stakkato-60s-Brass-Part des großartigen Schlusstracks "Refuge" erzählen davon. Zudem fügte der Blechblas-Verantwortliche und Multiinstrumentalist, Darby Cicci, Trompete zu zurückliegenden Platten und EPs bei. Auf "Familiars" trägt diese gar volkstümliches Gewand, ist vielmehr aber noch Teil einer jazzigeren Ausrichtung, mit der das Trio einst schon "Tiptoe" in gedimmtes Licht setzte. Der erweiterte Wagemut reüssiert daraus, dass Michael Lerners Schlagzeugrhythmik samt (Kontra-)Bassspiel in Jazzfragmenten ihren Fluchtpunkt sehen. So macht auch Silbermans anfänglicher Nina-Simone-Ausflug in "Doppelganger" Sinn. Hier klingt "Familiars" so, wie das Cover von Tom Waits' "The heart of saturday night" ausschaut. Die letzten zwei, in Ketten gelegten Minuten gehören in ihrem peinvoll schleppenden Voranschreiten zu den atmosphärischen Glanzpunkten dieses Albums.

Generell: Was die Band minutenlang zurückhält, ist ihre Wartezeit wert. Die verwaschene, dezent shoegazige Gitarre als Zierde des mit schlierenartigen, analogen Synthies ausgestatteten "Director" etwa. Oder dasselbe Instrument in seiner souligen, beinahe surfrockenden Attitüde als Gastgeschenk von "Revisited". Und manchmal reicht das Instrument in seiner Ursprungsform. Will heißen: Nach dem der Wind durch die Gassen des elegischen "Palace" geweht ist, vorbei an den elektrischen Glühwürmchen, am weich federnden Besen, da setzt der Schlagzeug-Beat mitten im Herz einen neuen Fixpunkt. Der nächste Ruck erfolgt beim Zutun der E-Gitarre - eigentlich ein Jonny-Buckland-Einsatz -, hier aber Teil eines Schlafliedes, das keines ist: "It won't be easy to believe / The day we wake inside a secret place that everyone can see."

Silberman zieht es unterdessen auf "Familiars" wieder in emotionale Eruptionen, die bei aller Konfrontation mit Vergangenem und aller Distanzierung von einer Sanftheit und allumfassend von einer positiven Haltung gekennzeichnet sind. "We have to make our history less commanding", erklärt "Surrender" die Doktrin. Den Standpunkt hat sich Silberman erarbeitet. Schließlich gab er zuvor im "Hotel" die Realität an der Rezeption ab: "When I check out, it won't matter how my name's spelled / Cause when you pass through, you only keep what you can't sell." Ausgelassenes Ausblenden. Sicher oder erst recht das Monster, das ins schizophrene Mark von "Doppelganger" kriecht. Weniger bedrückend als beglückend ist die Nähe des Pianos im unfassbaren "Revisited", wenn es jede von Silbermans Zeilen efeuartig umrankt. So wie es die Bläser tun, so wie es der Hörer macht, wenn der Rahmen stimmt. Dieser trägt Schleife.

(Stephan Müller)

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Highlights

  • Palace
  • Revisited
  • Refuge

Tracklist

  1. Palace
  2. Doppelganger
  3. Hotel
  4. Intruders
  5. Director
  6. Revisited
  7. Parade
  8. Surrender
  9. Refuge

Gesamtspielzeit: 53:33 min.

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saihttam

Postings: 902

Registriert seit 15.06.2013

2017-09-15 12:13:28 Uhr
Da bin ich aber auch froh. Die letzten beiden Alben und die Undersea-EP gehören für mich zu der emotional bewegendsten Musik, die ich kenne.

Ituri

Postings: 84

Registriert seit 13.06.2013

2017-09-11 14:32:15 Uhr
*puh* wieder alles gut...

Jennifer

Postings: 1384

Registriert seit 14.05.2013

2017-09-10 22:58:16 Uhr - Newsbeitrag
https://pitchfork.com/news/the-antlers-deny-breakup-rumors/

Kevin

Postings: 565

Registriert seit 14.05.2013

2017-09-10 22:23:06 Uhr
Sehr schade.

"Burst apart" war mein Album des Jahres 2011.
menno
2017-09-10 19:58:29 Uhr
buhu
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