Neil Young - A letter home

Neil Young- A letter home

Reprise / Warner
VÖ: 23.05.2014

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Ferngespräch

Bald werden sie vollständig verschwunden sein. Überall auf der Welt werden seit geraumer Zeit sämtliche Telefonzellen abmontiert und entsorgt. Die nahezu lückenlose Versorgung der globalen Gesellschaft mit Mobiltelefonen hat ihnen die Existenzgrundlage geraubt. Dabei haben sie über viele Jahrzehnte Menschen quer über den Globus in Kontakt gehalten, haben Brücken gebaut. In ihnen wurden Sehnsüchte gestillt, Beziehungen aufgefrischt, Lieben und Leben gerettet. Und das alles für eine Handvoll Hartgeld.

Der Nostalgiker und Werteverfechter Neil Young hat der Telefonzelle nun eine letzte Ehre erwiesen – und an eine weitere ihrer Bestimmungen erinnert. Sein Album "A letter home" hat er in einer zum Vintage-Studio umgebauten Telefonzelle aufgenommen, die ihre Hersteller einst Record Booth nannten und in denen man in den Nachkriegsjahren mittels eines Voice-O-Graphen Audiobotschaften direkt auf Vinyl pressen lassen konnte. Jack White hat eine dieser antiken Sound-Kisten aufgestöbert und wieder in Schuss gebracht. Young hörte davon und war gleich Feuer und Flamme. Nur mit Westerngitarre und Blues-Harp ausgestattet führt er darin ein Ferngespräch. Empfänger seines elf Songs dauernden Anrufs ist seine verstorbene Mutter, die er im Intro und in der Mitte des Albums "A letter home" sogar mit einer intimen Nachricht persönlich anspricht.

Bei den Songs handelt es sich ausnahmslos um Cover-Versionen amerikanischer Songwriter wie Bob Dylan, Bruce Springsteen, Willie Nelson oder Gordon Lightfoot. Allesamt Stücke, die Young früher mit seiner Mutter hörte und/oder spielte und mit deren Aufnahme er ihr nun noch einmal nahe sein möchte. Wer Kraftvolles im Stil des letzten Crazy-Horse-Albums "Americana" oder Virtuoses wie Youngs Version von "A day in the life" der Beatles von der vorletzten Tour erwartet, kann von "A letter home" getrost die Finger lassen. Hier regiert König Low-Fi. Als Hörer befindet man sich nämlich nicht in der Telefonzelle neben Young, sondern empfängt dessen Nachricht auf dem Anrufbeantworter auf der Gegenseite. Youngs Stimme klingt blechern, die Leitung knackt und rauscht, die Verbindung ist stark beeinträchtigt. Immer wieder leiert und rauscht es.

Der erste Reflex ist Unverständnis. So rustikal und ungeschliffen geht es hier zur Sache. Doch dranbleiben lohnt sich. Denn die Platte bezieht ihre Stärken aus anderen Quellen. Der ramponierte Sound und die ungeschliffenen Arrangements kreieren eine bemerkenswerte Wehmut. Zu den Glanzpunkten zählen das wundervolle "Needle of death", "Changes", "If you could read my mind" und "Reason to believe". Diese Darbietungen wirken im Zeitalter von an Timbaland- und Pharrell-Williams-Produktionen geschulten Hörgewohnheiten besonders authentisch und rührend. Bei einigen Songs öffnet Young die Tür seiner Telefonzelle, dann schaltet sich von draußen Jack White mit einem Piano ("Since i met you") oder mit Harmoniegesängen ("I wonder if I care as much") ein. Gemeinsam beschwören sie die Zeit, in der man mit Musik noch mehr ausdrücken konnte als mit Worten. "A letter home" ist ein waghalsiges und warmes Album mit One-Take-Aufnahmen. Ohne Overdubs, ohne Netz. Alles live, pur und authentisch wie ein, nun ja, Telefonat mit einem guten Freund. Wunderbar!

(Sebastian Meißner)

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Highlights

  • Needle of death
  • Reason to believe
  • I wonder if I care as much

Tracklist

  1. A letter home Intro
  2. Changes
  3. Girl from the north country
  4. Needle of death
  5. Early morning rain
  6. Crazy
  7. Reason to believe
  8. On the road again
  9. If you could read my mind
  10. Since i met you baby
  11. My hometown
  12. I wonder if I care as much

Gesamtspielzeit: 39:20 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
seeräuber-hannes
2014-11-07 01:41:57 Uhr
über die planke mit dem captain!
@captain kidd
2014-06-16 00:49:58 Uhr
hey, hey! jo mei, jo mei...

captain kidd

Postings: 1676

Registriert seit 13.06.2013

2014-06-16 00:31:39 Uhr
Einfach öde. Klingt wenig inspiriert. Einfach schrumm schrumm. Nein, Neil. Das war nichts.
phone booth
2014-06-15 14:08:57 Uhr
Ich hätte hier mehr Kontroverse über das Album erwartet, aber niemand scheint sich dafür zu interessieren.
captain shit
2014-06-11 19:13:08 Uhr
hat der knabe alle songs in einer telefonzelle aufgenommen oder warum klingt datt so scheiße?
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