Filter - The amalgamut

Filter- The amalgamut

Reprise / Warner
VÖ: 29.07.2002

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Wild boys

"Huch! Seit wann sind denn Duran Duran so heftig?" Fragen wie diese mag sich mancher stellen, dessen Ohren zum ersten Mal von Songs wie "Where do we go from here" erwischt werden. Trotz solcherlei Verwechslung dürfte sich Richard Patrick, Schreihals und Gelegenheitsgoldkehlchen von Filter, eigentlich ganz glücklich in der Pop-Schublade fühlen. Mit dem überschätzten AlternaPop von "Title of record" konnten er und seine Gefolgsleute schließlich vor drei Jahren schon die Beine dermaßen spreizen, daß sie sowohl im Elektrorock-Eimer und dem großen Mainstream-Bottich jeweils einen Fuß hatten. Ein gewisses Ziehen in der Leistengegend konnte zwar nicht versteckt werden, aber Ohrwürmer wie "One is the loneliest number" ließen über offensichtliche Schwächen gerne hinweghören.

Vor Selbstvertrauen strotzend ficht das Patrick natürlich damals wie heute nicht wirklich an. Filter meinen, ihre Stärken ganz genau zu kennen, und betonen diese mit aller Kraft. "The amalgamut", die Rückmeldung nach knapp dreijähriger Auszeit, ist so vor allem eines: mehr davon. Mehr Wucht, mehr Kraftmeierei, mehr Pop - kurzum mehr Filter. Das, wofür der Vierer bislang stand, wird gnadenlos ausgequetscht und wiederaufgearbeitet.

So ist der Sirup, aus dem "The only way (is the wrong way)" angerührt wurde, der gleiche, der auch einst "Take a picture" den süßlichen Beigeschmack verpaßte. Dafür klingen die in Effektgewittern wie "Columind" beigemengten Gitarren hübsch steril und von allen Staubkörnern befreit. Und während sich der Zuhörer so langsam von der Wand kratzt, an die ihn Elektropunk-Stampfer wie "So I quit" gepustet haben, fällt ihm auf, daß das zwar alles verdammt gut, aber eben auch reichlich vertraut klingt.

Die Rebellion verläuft hier nämlich in völlig geordneten Bahnen. Ohrwürmer, Breaks und Lärmattacken gibt's nur streng nach Vorschrift. Und am Ende dürfen wir Patrick dann noch acht Minuten lang dabei zuhören, wie er musikalischen Belanglosigkeiten in der Nase bohrt. Das ist dann zwar so spannend wie die Europäische Verordnung über den zulässigen Krümmungsgrad der Banane, nur längst nicht so unterhaltsam. Immerhin bewahren sich Filter so das Feigenblatt der Weiterentwicklung. Dabei wäre das gar nicht nötig gewesen. Gezähmten Rock mit einer fetten Portion Ohrwurm-Potential kriegen Filter nämlich immer noch prima hin. Vielleicht hätten sie sich deswegen doch noch etwas mehr bei Duran Duran abgucken sollen. Die haben die wilden Jungs schließlich auch nur gespielt, ihre schönen Popnummern aber nicht ständig unter testosterongetränktem Gebratze begraben.

(Oliver Ding)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • You walk away
  • Where do we go from here
  • The missing
  • The only way (is the wrong way)

Tracklist

  1. You walk away
  2. American cliché
  3. Where do we go from here
  4. Columind
  5. The missing
  6. The only way (is the wrong way)
  7. My long walk to jail
  8. So I quit
  9. God damn me
  10. It can never be the same
  11. World today
  12. The 4th

Gesamtspielzeit: 57:41 min.

Album/Rezension im Forum kommentieren (auch ohne Anmeldung möglich)

Einmal am Tag per Mail benachrichtigt werden über neue Beiträge in diesem Thread
Dein Name:
Deine Nachricht:
Forums-Thread ausklappen
(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
The MACHINA of God
2012-06-05 13:43:23 Uhr
"Title of record" höre ich auch immer mal gern wieder. "Welcome to the fold", "Skinny", "Cancer" und vieles dazwischen. Einfach eine richtig gute Rockplatte.
Konsum
2012-06-04 09:42:17 Uhr
Short Bus konnte mich als Album auch nie überzeugen. Hat halt mit "Hey man" einen Übersong, außerdem das noch sprichwörtlich obercoole "So cool", das war's dann aber auch.

Dann kommt "Title of record", ein unfassbares Album, 10/10, auf das Filter anscheinend alles packen, was sie nur haben, denn danach ist die Luft irgendwie raus. Sicher "The Amalgamut" kann man anhören, das ist alles nicht schlecht, aber diese tiefe Verzweiflung ist einer oberflächlichen Rockattitüde gewichen, man hat das Gefühl Filter wollen das darstellen, was sie mal wirklich waren, aber es gelingt nicht.

Die Alben danach habe ich nicht mehr angehört.
dr_zoolo
2012-06-04 09:28:45 Uhr
seh’s auch so, wie manche hier: short bus und title of record sind verdammt gut, danach kam (leider) nur noch trash. gestern hab ich dann mal aus reiner neugier bei youtube in zwei songs vom aktuellen album reingehört und hab das kalte kotzen bekommen. au mann, was ein pathetischer kitschscheiss.
kolo
2012-06-03 19:40:21 Uhr
patrick hat als sänger einen gewissen charme, vor allem seine shouts haben was.

skinny von title of record ist ein song der immer wieder in meiner rotation auftaucht.
colderThanyou
2012-06-03 18:08:18 Uhr
Ich mag grundlegend alles von Filter. Industrial metal vom Feinsten. No love zum beispiel ist so ein geiler song, alleine wenn man das video dazu guckt und Richard nur so spuckt vor Seelenschmerz. Hamma crass die Guys.
Zum kompletten Thread

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum du diesen Post melden möchtest.

Bestellen bei Amazon

Threads im Plattentests.de-Forum