Geneva - Weather underground

Geneva- Weather underground

Nude
VÖ: 20.03.2000

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Wetterfrösche und Straßenpriester

Als seinerzeit 1997 Brit-Pop gerade noch im Trend war und es einen immer noch erklecklichen Geldkuchen aufzuteilen galt schrie eine Band namens Geneva auf einmal ganz besonders laut und tauchte aus dem Untergrund auf. "Further" hieß das Debütalbum, sollte laut Sänger Andrew Montgomery auf eigenen Beinen stehen, schloß sich aber stattdessen eher der erfolgreichen Inselgrütze an. Neben reichlich Mittelmaß hatte es mit "Tranquillizer" und "Into the blue" sogar zwei kleine späte Klassiker des Genres in petto. "Let us be happy while we're still young" tönte Montgomery damals noch in "Tranquillizer".

Doch schon mit dem zweiten Album scheinen sich Geneva nun zu alt zum Fröhlichsein zu fühlen - und gerade alt genug, um Trübsal zu blasen. Zum Auftakt des Albums gelingt das noch recht gefällig. Verglichen mit "Dollars in the heaven" kamen mir von der Insel wirklich schon schlechtere Songs zu Ohren, und "If you have to go" und "Killing stars" sprechen sogar vehement den heimlichen Kitschfreund in mir an. Mit "Museum mile" und "Amnesia valley" beginnt jedoch ein acht Songs dauernder und permanenter Tiefschlaf. Wie kaum eine andere Band verstehen es die Schnarchnasen von Geneva inzwischen, einen unwiderstehlich ins Tal der faden Träume zu versetzen.

Das Instrumental "Morricone" klingt nach Indien und Orient, dabei aber statt nach Selbstfindung eher als ob sich jemand nach wie vor auf der Suche befindet. Und sollte es Geneva tatsächlich gelingen, fündig zu werden, können sie gleich weitersuchen. Nach Songideen nämlich, die wenigstens zünden wie das Flämmchen auf dem Cover und nicht wie ein durchnäßtes Streichholz. Was das angeht herrscht nämlich Mangelware.

Geneva möchten dabei gerne die Manic Street Preachers, Travis oder stimmlich auch mal Jeff Buckley sein, entbehren dabei aber dabei genau das, was ihre ungleich berühmteren Kollegen ausmacht: Talent und Charisma. Daß man sich für dieses Album mit Howie B (U2, Björk) und Tommy D (Catatonia, McAlmont), auf dessen Konto noch die besseren Songs gehen, gleich zwei Semi-Starprodutenten auf die Wetterstation holte und mit "Weather underground" einen programmatischen Titel wählte, kann da nicht viel retten. Denn egal wie schlecht das Wetter im Unter- oder Obergrund auch immer sein mag, zur Gemütsberuhigung an tristen Regentagen gibt es definitiv bessere Alternativen.

(Armin Linder)

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Highlights

  • If you have to go
  • Killing stars

Tracklist

  1. Dollars in the heavens
  2. If you have to go
  3. Killing stars
  4. Museum mile
  5. Amnesia valley
  6. Morricone
  7. Guidance system
  8. Cassie
  9. Rockets over california
  10. A place in the sun
  11. Have you seen the horizon lately?

Gesamtspielzeit: 53:39 min.

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  • Geneva (3 Beiträge / Letzter am 06.04.2006 - 14:35 Uhr)