The Pearlfishers - Open up your colouring book

The Pearlfishers- Open up your colouring book

Marina / Indigo
VÖ: 25.04.2014

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Mal schwarz, mal bunt

Ein Malbuch liegt offen, ohne Siegel, fein ausgearbeitet im Atelier oder um gleich mit dem Wachsmalstift in die Kunstzimmertür zu fallen: The Pearlfishers um Sänger und Multiinstrumentalist David Scott sind nach sieben Jahren mit einem gewohnt ausgefeilten und melodiösen Album auf die Bildfläche des schottischen Pops zurückgekehrt. Sie trotzen mit "Open up your colouring book" der gängigen Entertainmentkultur und spielen herrlich antiquierten und gleichzeitig frischen Pop über Liebe, Einsamkeit und Vergänglichkeit, wie das bei den alternden Herren mit dem grau melierten Haar nicht ganz unüblich ist. Der Sound erinnert dabei ein wenig an das 2013er Glanzstück "Crimson / red" von Prefab Sprout.

Twee und klassischer Westküstenpop, die schottische Insel "Skye and Californ-eye-ay", wie Scott es im Titelsong intoniert, sind die beiden klassischen Ausgangspunkte auf dem siebten Werk von The Pearlfishers. So leicht und unbeschwert gehen die 16 Stücke dementsprechend einfach so dahin, die Zeit vergeht und der Rotstift, der das ansonsten schwarz-weiße Cover ziert, kann im Etui gelassen werden. Scott und seine Mitstreiter lassen sich über eine Stunde lang weder beirren noch ihren Geist nehmen, wie es in "You'll never steal my spirit" explizit besprochen wird. Die Formel: eine Idee, eine Melodie und Gepfeife – und der Song ist skizziert. Das ist simpel und effektiv, sofern sich hinter den Songs ein begnadeter Songschreiber wie David Scott verbirgt.

Für die instrumentale Untermalung sorgt dann eine ganze Heerschar an Musikern, so dass hier erst gar keine Mangelerscheinungen auftreten, und der Kampf für das Gute, Wahre und Erhabene geführt werden kann. Ob das Glockenspiel in "A peacock and a king" und in "A Christmas tree in a hurricane", das gleichzeitig an das Weihnachtsalbum "A sunflower at Christmas" anknüpft, das dominante Klavier in "The way my father talked about Vincent" oder gar ein gesamtes Miniorchester mit Geigen und Trompete erzeugen eine ungeheure Intensität, die genauso und nicht anders beabsichtigt ist. Scott hat immerhin nach seiner letzten Veröffentlichung jahrelang Seminare über kommerzielle Musik an der Universität West of Scotland gegeben. Da dürfte die Außenwirkung bekannt sein.

Auffällig sind jedoch die zahlreichen Referenzen an bestimmte Monate und Jahreszeiten: September, Winter oder die Weihnachtszeit bestimmen oftmals die Szenerie und die Nuancen der Klangfarbe. Die Bedeutung des Titels und der Buntstifte muss ja irgendwie erklärt werden. Schwarzmalen existiert auf "Open up your colouring book" wenn überhaupt nur im ganz realen, profanen Sinn, denn trotz des ganzen Romantizismus lassen sich The Pearlfishers den Optimismus nicht nehmen. Doch die Farbe bleibt sowieso gleichgültig, wenn das Ausmalen so überzeugend gelingt.

(Carsten Rehbein)

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Highlights

  • The way my father talked about Vincent
  • You'll never steal my spirit
  • Open up your colouring book

Tracklist

  1. Diamanda
  2. To the northland
  3. Chasing all the good days down
  4. The way my father talked about Vincent
  5. The last days of September
  6. You'll never steal my spirit
  7. Gone in the winter
  8. Attacked by mountain cats
  9. Open up your colouring book
  10. A peacock and a king
  11. Silly bird
  12. I don't want to know about it
  13. When love was a river
  14. You can't escape the way you feel
  15. Her heart moves like the sea moves
  16. A Christmas tree in a hurricane

Gesamtspielzeit: 65:42 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Jimmy
2014-05-12 11:47:27 Uhr
Gefälliger Poprock für die Ü50-Fraktion.

dogs on tape

Postings: 173

Registriert seit 14.06.2013

2014-05-12 11:39:08 Uhr
Wieder sehr schön geworden.

kingsuede

Postings: 1094

Registriert seit 15.05.2013

2014-05-09 17:51:09 Uhr
Ich hatte schon fast vergessen, dass es diese tolle Band überhaupt noch gibt. Das neue Album ist eine Mischung aus leichtem Twee-Pop und melodischem Westküsten-Jingle-Jangle. Wer also auf Beach Boys, Scritti Politti und das letzte Album von Prefab Sprout steht, sollte hier unbedingt reinhören.
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