Lee Fields - Emma Jean

Lee Fields- Emma Jean

Truth & Soul / Groove Attack
VÖ: 06.06.2014

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Eine höhere Form

In dem Jahr, in dem Lee Fields seine Karriere begann, feierten Hippies in Woodstock, Neil Armstrong spazierte über den Mond und der kleine Michael Jackson eroberte mit den Jackson 5 zum ersten Mal die Hitparaden. 1969 war das. Und Fields war fest entschlossen, es vom Kirchensänger in North Carolina in die Soul-Clubs dieser Welt zu schaffen. So wie seine Vorbilder Al Green und Otis Redding. Er veröffentlichte eine Reihe starker Singles, die von der großen Öffentlichkeit aber weitgehend unbeachtet blieben. Fields bastelte weiter an seinem großen Traum. Doch es sollte eine Geduldsprobe werden.

In dem Jahr, in dem Lee Fields der Durchbruch gelang, wurde Barack Obama Präsident der USA, eine globale Finanzkrise schürte Existenzängste und Michael Jackson starb im Alter von 50 Jahren. 2009 war das. Die Welt hatte sich gnadenlos weitergedreht. Nur Lee Fields war nicht recht vom Fleck gekommen. Doch dann kam "My World", die erste Platte mit den Expressions – jener Begleitband, deren Mitglieder bereits Amy Winehouse, Charles Bradley und Sharon Jones zu Weltruhm verholfen hatten. Mit den frischen Kräften an seiner Seite fand Fields endlich seinen eigenen Sound und sein Publikum. 40 Jahre Anlauf gipfelten in einem Weitsprung aus der Anonymität mitten hinein ins Rampenlicht der Soul-Cats rund um den Globus.

Heute gilt Fields als Klassiker des Southern Soul, als "real" und als lang verschollenes Bindeglied zwischen James Brown und Al Green, deren Stimmen seiner so ähnlich sind. Eine Stellung, die er mit "Emma Jean", seinem dritten Album bei Truth & Soul, mühelos gerecht wird. Die Platte klingt verführerisch und dreckig, wie ein Stelldichein mit einer Unbekannten im schummrigen Hinterhof. Gleich im Opener "Just can't win" erarbeitet Fields die zahlreichen Niederlagen seines Lebens. Man hört: Fast wäre dieses Talent Tragödie geworden.

Der ergreifende Gesang auf "Paralyzed" schnürt einem hinterrücks die Kehle zu. Das ist es, was Soul ausmacht: Das Teilen von Leid. Das Erträglichmachen von Schmerz durch Transformation in eine höhere Form. Am besten sind die Stärken dieses Genres in "Still gets me down" zusammengefasst. Der Sänger beklagt seinen Liebeskummer und Trennungsschmerz, die Band untermalt und verstärkt dieses Gefühl mit sensiblem Spiel und vollem Einsatz – und macht es sogar tanzbar. Teile des Albums wurden in Nashville aufgenommen, im Studio von Dan Auerbach (The Black Keys), der zudem gemeinsam mit den Aloe-Blacc-Produzenten Jeff Silverman und Leon Michels an den Reglern saß.

Ist das jetzt Retro- oder Neo- oder noch Classic-Soul? Wen juckt es? Lee Fields und den Expressions ist der dritte große Streich in Folge gelungen. "Emma Jean" hat das Zeug, ein Klassiker seines Genres zu werden. Der Mann hat gelernt, zu warten und ganz allein seinem Talent zu vertrauen. Und wenn alles gut läuft, wird er auch noch Platten machen, wenn der Mensch den Mars betritt.

(Sebastian Meißner)

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Highlights

  • Just can't win
  • Paralyzed
  • Still gets me down

Tracklist

  1. Just can't win
  2. Magnolia
  3. Paralyzed
  4. Standing by your side
  5. Eye to eye
  6. In the woods
  7. All I need
  8. Still gets me dwon
  9. Talk to somebody
  10. Stone angel
  11. Don't leave me this way

Gesamtspielzeit: 54:12 min.

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