The Faint - Doom abuse

The Faint- Doom abuse

SQE / Cargo
VÖ: 23.05.2014

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Grün und blau

Es gibt Dinge, die man sich heute gar nicht mehr vorstellen kann. Plattentests.de ohne Pilzrahmsuppe oder Conor Oberst als Mitglied von The Faint zum Beispiel. Mitte der Neunziger gehörte der große Gefühlsmensch des Indie-Americana nämlich kurzzeitig zum Line-Up der Elektrorocker aus Omaha, und Ex-Kollege Oliver Ding richtet bei der Vorstellung vermutlich heute noch den Blick Richtung Toilettentür, während er zu The Faints gleißendem Starkstrom-Meisterwerk "Danse macabre" tanzt. Dieses legte die Latte für die Band um Frontmann Todd Fink (vormals Baechle) immerhin so hoch, dass "Fasciinatiion" zuletzt prima untendurch passte. The Faint schienen genervt von sich selbst, legten erst einmal eine Pause ein und verloren sogar Bassist Joel Petersen. Jedoch nicht vollends den Mut, wie das 2012er Lebenszeichen "Evil voices" zeigte.

Das war nämlich ein munter polterndes Stück angespitzte Schwarzlicht-Disco, bei dem der Bass angefressen rumorte und die Gitarre aufgekratzt im höheren Frequenzbereich wilderte. Dieser Sound zieht sich nun auch durch das erste Studioalbum seit fünfeinhalb Jahren. Auch das aus einer abscheulichen Sitzecke und bestrumpften Frauenbeinen wie immer hübsch-hässlich zusammencollagierte Cover deutet an, dass sich bei der inzwischen zum Quartett geschrumpften Band im Grunde kaum etwas geändert hat: Fink und Kollegen krachen mit "Doom abuse" ähnlich feinsinnig in die Wohnstube wie eine Armee hyperaktiver Industrieroboter auf mit Speed versetztem Motorenöl. Und dass es da schon mal etwas chaotisch zugehen kann, sieht man schon an Songtiteln wie "Loss of head".

Was The Faint allerdings nicht daran hindert, alle Kräfte zu bündeln und erstaunlich gut vom Start wegzukommen, obwohl man ihnen eigentlich nicht mehr allzu viel zugetraut hatte. Vor allem mit "Help in the head", für das Michael Dappen direkt zu Anfang erst einmal fachgerecht seine Klampfe zersägt, bevor Stakkato-Beats und elektronisch verstärkte Double-Bass über den Hörer hereinbrechen und Fink panisch näselnd vor dem Jüngsten Gericht in Deckung geht. Im anschließenden "Mental radio" läuft dann ausschließlich von fiesen Interferenzen gepeinigter Post-Punk zu penetrant kreiselndem Riffing – und spätestens wenn in den Nachrichten die eingangs erwähnten "Evil voices" erklingen, heißt es endgültig: Hau drauf und renn, so schnell Du kannst. Und bloß nicht nach links und rechts gucken.

Dass "Doom abuse" aber genau das zwischendurch einmal gut getan hätte, wird im Verlauf dieses Albums immer klarer. Sicher kann man sich vom explosiven Elektro-Punk von "Salt my doom" und "Scapegoat" vortrefflich grün und blau hauen lassen oder sich zu "Animal needs" gegenseitig Tiernamen geben – auf Dauer drücken The Faint das maschinelle Gaspedal aber so grimmig entschlossen durch, dass Spannungsbögen oder gar Subtilität ein frommer Wunsch bleiben. Erst gegen Ende beruhigt sich die wild fiepsende und hämmernde Veranstaltung wieder mühsam und macht mit der hintergründig verdaddelten Casio-Miniatur "Damage control" ein Friedensangebot, das man nach dem ganzen Getöse nicht ablehnen kann. Was Conor Oberst dazu sagen würde? Nicht so wichtig – hier versteht man ohnehin sein eigenes Wort nicht.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Help in the head
  • Mental radio
  • Evil voices
  • Damage control

Tracklist

  1. Help in the head
  2. Mental radio
  3. Evil voices
  4. Salt my doom
  5. Animal needs
  6. Loss of head
  7. Dress code
  8. Scapegoat
  9. Your stranger
  10. Lesson from the darkness
  11. Unseen hand
  12. Damage control

Gesamtspielzeit: 39:10 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
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Thinkman
2014-05-15 22:03:06 Uhr
Saugeile Scheibe! Würde fast sagen, ihre beste bisher. :-)

BrockLanders

Postings: 93

Registriert seit 29.08.2013

2014-04-16 14:22:16 Uhr
Ist doch schon längst draußen siehe Spotify.
Chrisb
2014-04-15 22:44:23 Uhr
Was die gibts noch? Gespannt.
Steff
2014-04-15 22:18:14 Uhr
Krasse Platte ...schnell, laut, tödlich ...erinnern mich in dieser Form an shitdisco ... etwas anders, aber irgendwie kool.
Olle
2014-03-08 16:17:39 Uhr
Das ist wirklich überfällig
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