Beaty Heart - Mixed blessings

Beaty Heart- Mixed blessings

Caroline / Universal
VÖ: 30.05.2014

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

In einem Zuckerguss

Schon während der ersten Sekunden von "Mixed blessings", dem Debütalbum des Londoner Trios Beaty Heart, geht es auf eine kleine Zeitreise. Wir schreiben das Jahr 2008: Die Band Vampire Weekend aus New York veröffentlicht ihr selbstbetiteltes Erstlingswerk "Vampire Weekend" und Songs wie "Oxford comma", "Cape Cod Kwassa Kwassa" oder auch "Mansard roof" werden in der Indie-Disco des Vertrauens rauf- und runtergespielt. Die Mischung aus Afrobeat und Pop sorgt für verzückte Gesichter und überhöhte Herzfrequenzen, wie sie auch Animal Collective im darauffolgenden Jahr hervorrufen werden. Deren Album "Merriweather Post Pavilion" markiert den vorläufigen Höhepunkt des Gespanns und schaut Ende 2009 von der Spitzenplatzierung diverser Bestenlisten auf die Konkurrenz hinab. Fünf Jahre später ist die Ähnlichkeit von Beaty Heart zu den beiden anderen Bands kaum von der Hand zu weisen – von einer bloßen Kopie zu sprechen, wäre aber viel zu einfach. Und auch nicht ganz richtig.

Vorurteile könnte man dabei so einige haben: Zum einen präsentiert sich das Trio wie engbehoste Hipster aus dem Lehrbuch und zum anderen wären sie nicht die ersten, die dem Hype um ein unveröffentlichtes Album letztlich doch nicht gerecht würden. Seit Herbst 2013 schon wurde von jenem "Mixed blessings" berichtet, kleine Happen wie das rhythmische "Lekka freakout" mitsamt seiner Mischung aus Marimbaklängen und schrägen Gitarren weckten die Neugierde. Der deliziöse Opener "Banana bread", also genau der Song, der den Zuhörer zu Anfang auf Zeitreise schickt, kommt angenehm kindlich-verspielt daher und lässt den grauen Londoner Großstadt-Dschungel in gerade mal zweieinhalb Minuten ungleichmäßig grüner erscheinen. Währenddessen begräbt "Seafood" das besungene Meeresgetier unter einer fetten Zuckerglasur, die möglicherweise schlecht für die Zähne ist, aber bestens auf das eigene Gemüt wirkt.

Jener süße rote Faden durchzieht derweil auch die folgenden Stücke. So auch den Psychedelic-Pop von "Kanute's comin' round", das ein wenig an "Set 'em wild, set 'em free" von Akron/Family erinnert und eigentlich drei Songs in einem verpackt. Oder das vergleichsweise geradezu verträumt-melancholische "Muti", in welchem sich Beaty Heart in Zurückhaltung üben und trotzdem weiter am Falsett versuchen. Ein zumindest ähnliches Muster verfolgt das stellenweise düstere "Kinder", bevor das komplett durchgeloopte "Happiness" kurz vor der Zielgeraden noch mal für ordentlich Euphorie sorgt und sich seine Einweisung in die Gummizelle mit Pauken und Trompeten redlich verdient hat. Mit dem vollkommen in Raum und Zeit verlorenen "Lucky set" endet "Mixed blessings" schließlich, und damit auch die Zeitreise im von Gummibärchen angetriebenen Zucker-Express. Man darf gespannt sein, wohin es das nächste Mal gehen wird.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Banana bread
  • Kanute's comin' round
  • Lekka freakout
  • Happiness

Tracklist

  1. Banana bread
  2. Kanute's comin' round
  3. Seafood
  4. Opal shred
  5. Kinder
  6. Get the gurls
  7. Yadwigha's theme
  8. Muti
  9. Lekka freakout
  10. Opal loop
  11. Greetings to Eblis
  12. Happiness
  13. Lucky set

Gesamtspielzeit: 44:29 min.

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