Alle Farben - Synesthesia

Alle Farben- Synesthesia

Kallias / Sony
VÖ: 23.05.2014

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Die Wohlfühloase

Vor Frans Zimmer stehen in schwarz gekleidete Menschen. Wahrscheinlich fühlt er sich in diesem Moment nicht gerade wohl; zu sehr widerspricht sein Künstlername, seine Idee von Musik, dem langhaarigen Volk, das sich vor seiner kleinen Bühne versammelt. Elektronische Musik? Auf einem Metal-Festival? Irgendwie eine bedrohliche Situation, in die sich der Berliner manövriert hat. Schwarz absorbiert nun mal alle Farben. Zimmer aber dreht den Spieß einfach um, fängt an, das Schwarze zu absorbieren, bis ein reines Weiß erstrahlt, das er nun mit seinen Lieblingsfarben zu füllen beginnt. Das Volk dankt und lässt die Matten schwingen.

Alle Farben war jahrelang ein wahres Soundcloud-Phänomen. Dort nämlich fanden sich in steter Regelmäßigkeit neue Live-Sets, Podcasts und Remixe; die Fangemeinde wuchs rasant. Die Entwicklung führte unter anderem zu oben genannter Show und mündete in einem Auftritt auf dem Tempelhofer Feld, vor 30.000 Menschen. Zu hören gab es unter anderem Tschaikowsky sowie Schlager der 20er Jahre, geschickt eingewoben in Minimal- und House-Arrangements. Mit "Synesthesia" traut sich Zimmer nun an seine erste eigene Produktion, weg vom derben Clubsound, hin zum mit Pop infizierten Easy-Listening. Eine wahre Wohlfühloase, die der ehemalige Gelegenheitskonditor da erschafft und so dem bevorstehenden Sommer einen vielversprechenden Soundtrack bietet.

Mit melodischer Schwermut erklingen bei "Leaves" Piano-Akkorde, die zusammen mit dem gefühlsgetragenen Gesang und einem angenehm sanften 4-to-the-floor-Beat jeden Stressgebeutelten zur inneren Ruhe finden lassen. Kopf aus und in der Leichtigkeit des Seins schwimmen; so lautet das waltende Prinzip auf "Synesthesia". Wie bei "She moves", wo dank Off-Beat-Gitarre und der quäkenden Stimme Graham Candys der Tanztrieb nach Befriedigung schreit, die Beine das Träumen übernehmen und jeglicher Alltagsballast seine Daseinsberechtigung verliert. Die Parallelen zu Wankelmuts Remix von Asaf Avidans "One day" sind unüberhörbar; beide saugen das Gelb der Sonne auf und lassen die Heiterkeit gedeihen. Der Titeltrack lässt glockenähnliche Sounds mit den Lautmalereien einer Trompete verschmelzen; "Sometimes" besingt das Licht und die Wärme, und bei "D. Punk" kratzt das Digitale das Erregende der Farben hervor.

"Synesthesia" lebt von seiner Einfachheit und dem besonderen Gespür für Emotionen und eingängige Melodien. Komplexe Beatstrukturen sind unerwünscht; zu sehr würden sie der Schwerkraft ähneln. Stattdessen sind es diese Harmonien und Kontraste, die sich in den Klangfarben von Zimmer verbergen und ihre frohlockende Wirkung entfalten. Farbe ist Licht, benötigt Substanz. Alle Farben liefert sie.

(Alexander Klett)

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Highlights

  • Leaves
  • She moves feat. Graham Candy
  • Synesthesia
  • Blue
  • Metaphysik der Röhren

Tracklist

  1. Intro
  2. Leaves
  3. Down
  4. She moves feat. Graham Candy
  5. Synesthesia
  6. Blue
  7. Sometimes feat. Graham Candy
  8. Because of you feat. Lydmor
  9. On and on feat. Lydmor
  10. Lonely land feat. Sway Clarke II
  11. Face to facebook
  12. D. Punk
  13. Metaphysik der Roehren

Gesamtspielzeit: 47:31 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
früherwarallesbesser
2014-05-30 15:53:52 Uhr
kann mir doch keiner erzählen, dass dieses erste eigene album von herrn zimmer noch irgendwas von der spritzigkeit und abwechslung seiner früheren mixe usw. hat? nur mittel zum zweck gewesen um das ganze jetzt im abgestumpften format für die breite masse möglichst flächendeckend zu verhökern (vö-verschiebung fürs punkten in den singlecharts ist doch auch nicht die feine art)?
Mädels, da bin ich von euch aber eine etwas kritischere herangehensweise gewohnt!

S.v.K.

Postings: 135

Registriert seit 13.06.2013

2014-05-27 20:16:45 Uhr
interessanter vergleich.
ich find das album gut, gehöre aber auch zu den leuten, die sich erst seit wenigen jahren mit techno/house beschäftigen und das zugegebenermaßen wirklich nicht tiefgehend.
insofern kann ich mir jetzt zumindest irgendwie erklären, warum manche leute jack johnson gut finden.

koekoe

Postings: 679

Registriert seit 13.06.2013

2014-05-27 20:10:35 Uhr
Ich habe extra versucht es vorsichtig zu formulieren, ich meine das wirklich nicht negativ, aber grundsätzlich ist es eben so: Das ist einfach Musik für Leute, die sich nicht ernsthaft mit elektronischer Musik beschäftigen, aber das ist doch auch ok, oder nicht?

Man kann auch 'Jack Johnson' nicht wirklich gut finden, wenn man vorher viel Indie-Folk etc. gehört hat.

musie

Postings: 2356

Registriert seit 14.06.2013

2014-05-27 14:22:04 Uhr
was ist denn nun das schon wieder für eine blöde aussage? natürlich kann man anspruchsvolleres gut finden, zb daniel avery oder john roberts mehr fällt mir grad nicht ein, und alle Farben trotzdem mögen.

koekoe

Postings: 679

Registriert seit 13.06.2013

2014-05-27 13:37:31 Uhr
Ach das hat nichts mit Grufties zu tun. Ohne das jetzt grundsätzlich abwerten zu wollen: Ich denke wer sich in den letzten 5 Jahren ein bisschen mehr mit Techno und House beschäftigt hat, wird Probleme haben, das gut zu finden. Der Rest kann also durchaus damit Spass haben :)
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