The Black Keys - Turn blue

The Black Keys- Turn blue

Nonesuch / Warner
VÖ: 09.05.2014

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Das neue Schwarz

Dan Auerbach und Patrick Carney sind eben auch nur Menschen wie Du und ich. Menschen wie wir und sie und alle. Ganz normale Leute, die sich auf Twitter mit Justin Bieber samt Anhängerschaft streiten, Songs für Lana Del Rey produzieren und im Scheidungskrieg von Jack White eine kleine, aber amüsante Rolle spielen. Na gut, vielleicht ist das doch alles nicht so normal. Aber weil man das Duo aus Akron immer als Typen von nebenan wahrgenommen hat, die scheinbar erst gestern ihrer Garage entwachsen sind und "Brothers" sei Dank plötzlich auch mit den ganz Großen über den roten Teppich latschen dürfen, erwartet man womöglich auch mehr von ihnen. Man will nicht enttäuscht werden, das nächste Album muss der reinste Knaller werden, irgendwie anders, aber doch so wie früher. Und dann geht der Ärger los.

Denn Stagnation kann man den beiden Köpfen von The Black Keys nun wahrlich nicht vorwerfen. Von krachender Schrammeligkeit über rotzigen Indie Rock zum schwelgerischen Blues war es bei Auerbach und Carney nie weit, und doch sorgte ein gewisser Danger Mouse als Produzent für ordentlich Veränderung. Die Musik war plötzlich zugänglicher geworden, massentauglicher, und die Songs wurden etwas glatter. Das muss man nicht mögen, klar. So erschraken nicht wenige eingefleischte Fans als "Fever", die Vorab-Single von "Turn blue", veröffentlicht wurde. The Black Keys auf dem Dancefloor? Mit Synthies, Keyboard und einem durchaus tanzbaren Beat? Nie im Leben, hätte man noch vor einigen Jahren gedacht. Aber würde man "Fever" auch so negativ bewerten, wenn man die Vergangenheit nicht kannte? Oder würde man sich über den neuen, irgendwie anderen Hit freuen? So oder so: The Black Keys sind nicht "Fever", und "Turn blue" ist es auch nicht. Es ist und bleibt ein Song, eine Facette. Und davon gibt es auf dem mittlerweile achten Album so einige.

Das Highlight schlechthin gibt es zudem denkbar früh: Der fast siebenminütige Opener "Weight of love" ist der mit Abstand längste Song, den The Black Keys jemals veröffentlicht haben. Der rollt zwar nur langsam an, haut dann aber voll um. Mit einer Mischung aus Led Zeppelin und Pink Floyd treffen hier auch noch Falsett und Gospel aufeinander. Auerbach lässt die Gitarre aufheulen, ehe sie im letzten Drittel die Hauptrolle übernimmt und er auf einem Gaul in den sepiagetönten Sonnenuntergang reitet. Und das soll erst der Beginn sein? Aber ja. In eine ähnliche Kerbe schlägt "In our prime", verbindet zumindest zum Ende hin das Alte mit dem Neuen, während Auerbach seine eigene gescheiterte Ehe besingt, so wie er es noch einige andere Male auf "Turn blue" machen wird. Das passt nicht nur zum bluesigen Sound, das prägt ihn, das macht ihn aus – und so muss es sein.

Aber da wäre eben auch immer noch Brian Burton, besser bekannt als Danger Mouse, und der hat Bock aufs Tanzen. Erinnerte "Fever" noch stellenweise an MGMT – oder eben an The Black Keys, die MGMT covern –, hätte das groovige "10 lovers" ohne Probleme auf "After the disco" von Broken Bells gepasst, an deren neuem Sound Danger Mouse ja ebenfalls nicht unbeteiligt war. Auch bei "In time" reflektiert die große Discokugel ihr glitzerndes Licht auf den Boden, auf eben den man zusammensinken mag, sobald man vom Abschiedsschmerz in "Waiting on words" übermannt wird: "Goodbye / I heard you were leaving" – da stört es nicht mal, dass sich Auerbach ein weiteres Mal am Falsettgesang versucht.

Scheinbar mehrere Stücke zu einem Ganzen verschmolzen gibt es mit dem fuzzigen "It's up to you now", wegen dessen großartigem Schlagzeugspiel man meinen möchte, dass Carney im Studio geklont wurde, während der psychedelische Unterton stellenweise an Portugal. The Man zu "Church mouth"-Zeiten denken lässt. Kurz darauf gibt es sie dann, die letzte Facette von "Turn blue", mit dem waschechten und simplen Abschlussrocker in Form von "Gotta get away". Selten klangen die beiden Mittdreißiger Auerbach und Carney derart juvenil, ausgelassen und euphorisch wie hier; weit weg vom traurigen Blues der vorherigen Songs, noch ein paar Meter weiter entfernt von der früheren Garage, aber immer noch ganz nah bei ihren Fans. Und da gehören sie hin.

(Jennifer Depner)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • Weight of love
  • Bullet in the brain
  • It's up to you now
  • In our prime

Tracklist

  1. Weight of love
  2. In time
  3. Turn blue
  4. Fever
  5. Year in review
  6. Bullet in the brain
  7. It's up to you now
  8. Waiting on words
  9. 10 lovers
  10. In our prime
  11. Gotta get away

Gesamtspielzeit: 45:12 min.

Album/Rezension im Forum kommentieren (auch ohne Anmeldung möglich)

Einmal am Tag per Mail benachrichtigt werden über neue Beiträge in diesem Thread
Dein Name:
Deine Nachricht:
Forums-Thread ausklappen
(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

tjsifi

Postings: 222

Registriert seit 22.09.2015

2018-09-17 09:43:39 Uhr
Tja ich oute mich dann hier auch mal als Turn Blue Anhänger. Höre ich in regelmässigen Abständen immer wieder gerne.
Würde mich auch sehr freuen wenn es wieder mal neuen Output geben würde. Die Solo Sachen waren zwar nicht schlecht ersetzen aber kein "echtes" Black Keys Album.
Come on
2018-09-17 09:16:46 Uhr
Musst du immer gegen den Strom schwimmen?
Banausenalarm!
2018-09-17 08:10:01 Uhr
Für mich eine ihrer besten Scheiben. Langweilig ist da nüscht.
Come on
2018-09-17 07:49:54 Uhr
Lassn sich für ihre Verhältnisse ganz schön viel Zeit für ihr nächstes Album.
Aber wer kann's ihnen verübeln, nach zwei catchy Krachern kam halt Turn Blue. Das Album ist und bleibt einfach die Schlafmütze ihrer Diskographie.
Da lässt man sich für den Nachfolger lieber etwas mehr Zeit.
Malzbier
2014-06-26 21:13:25 Uhr
Hat ein paar großartige Songs. Der Titeltrack ist unglaublich chillig und Weight of Love ist einer ihrer besten Tracks überhaupt bisher.
Dann gibt es die Songs, die ansich gut sind, aber irgendwie zum Teil wie überarbeitete Versionen von alten Nummern klingen; "In Time" klingt wie Tighten Up Part 2, "Year in Review" wie Dead And Gone Part 2 (Und ich fand schon bei El Camino, dass Dead And Gone schon wie große Parallelen zu Tighten Up hat). Klar, viele Black Keys Songs haben Parallelen, schließlich laufen sie oft nach üblichen Blues Schematas ab, aber hier ist schon ein zuu eindeutigter Abklatsch meiner Meinung nach.
Waiting On Words kann man dann aber völlig vergessen und Gotta Get Away klingt wie ne B-Seite, "In Our Prime" wäre doch der perfekte Closer gewesen.

6,5/10
Zum kompletten Thread

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum du diesen Post melden möchtest.

Threads im Plattentests.de-Forum