Nils Petter Molvær - Switch

Nils Petter Molvær- Switch

Okeh / Sony
VÖ: 28.03.2014

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Reloaded

Der Titel verrät es bereits: Auch auf seinem neuen Album ändert Nils Petter Molvær wieder das Programm. Wie eigentlich auf jeder seiner Platten hat der Norweger mit der Trompete auch diesmal den Stil, die Begleitmusiker und die Arbeitsweise gewechselt. Ungewohnt ist auf "Switch" vor allem die Steel Guitar, die von Geir Sundstøl gespielt wird, einem Neu-Mitglied in Molværs Begleitband. Der von Madrugada bekannte Schlagzeuger und Percussionist Erland Dahlen ist wieder mit dabei und übernimmt diesmal eine auffällig tragende Rolle im neuen Klangkosmos, und komplettiert wird die Band von Morten Quenild und Jon Marius Aareskjold, die Tasteninstrumente und Elektronik beisteuern.

Das Quintett betritt die Bühne im eröffnenden Titelstück noch zurückhaltend, geradezu schüchtern. Über einen bis aufs Skelett abgenagten Klangteppich vereinen sich Molværs zarte Hookline und die poetischen Figuren der Steel Guitar. Vertonte Schwermut, die schon bald weggepustet wird: "The kit" ist ein kaltes, perkussives Monster, das sich selbst durch Molværs entspannte Schmeichelei nicht zähmen lässt. "Strange pillows" hat einen orientalischen Einschlag und lässt vor allem durch Sitar und Steeldrum aufhorchen. Molvær tritt hier nur rudimentär in Erscheinung, wirft vom Bühnenrand aus lediglich einzelne Noten ins Gesamtbild. Ganz anders dann wieder „Bathroom“, das wie eine Science-Fiction-Voodoo-Version von "In the air tonight" daherkommt und auf dem Molvær Lava spuckt wie ein brodelnder Vulkan. Schlag auf Schlag geht es. Von hier nach dort. Nur niemals zurück. Immer nur nach vorne. Mit der Neugierde als Kompass.

Sicher hat Molvær mit "Switch" den Jazz nicht neu erfunden – diesen Job hatte er schon mit seinem Debüt "Khmer" abgehakt. Wie er aber bis heute seinen eigenen Kosmos beständig weiterentwickelt, ihm neue Farben beimischt und so den Stillstand partout negiert, ist bewundernswert. Das gilt auch für sein Spiel, das bei allem Lob über den brillanten Sound seiner Platten oft sträflich vernachlässigt wird. Molvær hat einen eigenen, unverkennbaren Ton, und seine Gabe, zielsicher träumersiche Melodien aus der Luft zu angeln, ist einzigartig. Wie man hört, plant er bereits das nächste Album. Sicher wieder mit zahlreichen Neuerungen. Beständig ist bei Molvær eben nur die Unbeständigkeit – und die hohe Qualität seiner Musik.

(Sebastian Meißner)

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Highlights

  • Switch
  • Strange pillows
  • Bathroom

Tracklist

  1. Switch
  2. The kit
  3. Intrusion I
  4. Quiet corners
  5. Strange pillows
  6. Intrusion VII
  7. Bathroom
  8. Intrusion VI
  9. Somewhere shady
  10. Intrusion III

Gesamtspielzeit: 52:48 min.

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