Hercules And Love Affair - The feast of the broken heart

Hercules And Love Affair- The feast of the broken heart

Moshi Moshi / [PIAS] Cooperative / Rough Trade
VÖ: 23.05.2014

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Zappeln mit Köpfchen

Als Sympathisant elektronischer Musik muss man damals fast taub gewesen sein, wenn man sich von "Blind", diesem Wahnsinns-Track, nicht nachhaltig zum Zappeln animieren ließ. Als Andy Butler, seines Zeichens DJ aus New York, damals Anthony Hegartys wunderbar zartes Stimmchen über die Dancefloors der ganzen Welt jagte, wurde dieser Song zum Flaggschiff der nimmermüden Dancefloor-Flotte "Hercules And Love Affair". Die hippen Musikportale drehten durch, und die rhythmischen, Motown infizierten Club-Beats von Hercules And Love Affair waren in aller Ohren und Munde. Doch auch nach Hegartys Ausscheiden aus der Kollaboration zeigte Mastermind Butler weiterhin sein unverschämtes Gespür für eingängige Beats und Sound-Experimente und natürlich auch für die treffsichere Gesangs-Untermalung seiner Produktionen.

Für den neuen Longplayer "The feast of the broken heart" hat sich Butler gleich vier frische Stimmen und damit auch ein wenig Abwechslung ins Studio geholt. Die Betonung liegt hier allerdings auf den Wörtchen "ein" und "wenig", denn natürlich hat sich der Maestro gewohnt exzentrische Sängerinnen und Sänger ausgesucht, deren Stimmen zwar nicht in Hegartys berührende Sphären vordringen, aber dennoch speziell wie für Hercules And Love Affair geölt scheinen. Wie etwa das soulig-wohlige Organ des auf der Insel bereits ziemlich im Fokus stehenden John Grant, der die melancholische zweite Auskopplung "I try to talk to you" zum packendsten Track der Platte macht. Rouge Mary dagegen intoniert seine Gesang-Parts eher gospel-like, passend zu 1990er-Disco-Songs wie „Thing“, oder dem temporeduzierteren, R'n'B inflitrierten „The Key“. Kurios auch: Bei anderen Tracks ist der Belgier Gustaph eher für die hohen, weiblichen Tonlagen zuständig, während Krystle Warren als einzige Vokalistin dieser Platte die rauchige Kehle mimt.

Einen "harten und kompromisslosen Sound" wollte Butler für Album Nummer drei kreieren, wie er selbst verlauten ließ. Nun muss man diese Aussage aber natürlich nicht fürchten, sondern sie eher mit dem Zusatz "solange er sich mit dem Klang-Kosmos von Hercules And Love Affair verträgt" versehen. Okay, die Techno-Beats in den stärker zuckenden Stücken wie "5.43 to freedom" oder "Do you feel the same" bringen das poppig-weiche Hercules-Gewand etwas heftiger zum beben, als Butler dies etwa bei seinen "Blue songs" erlaubte. Insgesamt jedoch lebt "The feast of the broken heart" von den bekannten Trademarks: Electronica trifft auf Pop, R’n’B und Soul. Kompositorisch agiert Butler dabei erneut wie ein Profi und leidenschaftlicher DJ zugleich. Einerseits zäunt er seine Tracks bewusst ein, achtet auf Kompaktheit – verleiht ihnen dabei aber genau den Drive, der sie charakterisiert. Eine Jahrzehnt-Großtat wie etwa "Blind" gönnt uns "The feast of the broken heart" aber nicht. Und auf Albumlänge ist man der 1990er-Jahre-Disco-Sounds auch irgendwann ein bisschen überdrüssig. Butler hingegen wünscht man diesen Zustand lieber nicht. Wäre doch schade um Hercules And Love Affair. Und um das langanhaltende, wohlige Zappeln im Kopf.

(Eric Meyer)

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Highlights

  • I try to talk to you (feat. John Grant)
  • My offence (feat. Krystle Warren)
  • 5.43 to freedom (feat. Rouge Mary)

Tracklist

  1. Hercules theme 2014
  2. My offence (feat. Krystle Warren)
  3. I try to talk to you (feat. John Grant)
  4. That's not me (feat. Gustaph)
  5. Think (feat. Rouge Mary)
  6. 5.43 to freedom (feat. Rouge Mary)
  7. The Light (feat. Krystle Warren)
  8. Liberty (feat. John Grant)
  9. Do you feel the same? (feat. Gustaph)
  10. The Key (feat. Rouge Mary)

Gesamtspielzeit: 45:21 min.

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Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2014-03-06 20:31:00 Uhr
Am 23.05.2014 meldet sich das allseits beliebte Elektro-Kollektiv Hercules And Love Affair mit einem neuen Album zurück. „The Feast Of The Broken Heart“ ist das dritte Werk der fahrenden Disco um Mastermind Andy Butler. Schon bei dem Debütalbum führte Butler ein Reigen voller talentierten Musikern und DJ’s zusammen, die mit Singles wie „Blind“ die Szene nachhaltig prägten. Für „The Feast Of The Broken Heart“ gibt es abermals namhafte Gastmusiker, wie z.B. John Grant, Rouge Mary, Gustaph oder Krystle Warren. „I wanted nasty basslines, stormy, bleary-eyed sounds, fiery, rough, tough and ragged old school house productions that sounded almost techno. I didn’t want polite, I wanted aggressive”, so Andy Butler. „Do You Feel The Same“ ist der erster Vorbote aus dem neuen Album, der einen guten Eindruck vom kommenden Album gibt.

Hercules And Love Affair
12.05.14 Stuttgart, Wagenhallen
13.05.14 Köln, Club Bahnhof Ehrenfeld
14.05.14 Berlin, Gretchen
15.05.14 Leipzig, Conne Island
16.05.14 München, Strom
17.05.14 Offenbach, Hafen 2
12.07.14 Düsseldorf, Open Source Festival
15.-17.08. Hamburg – Dockville Festival
Booking: SSC

Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2014-02-28 13:07:00 Uhr
HERCULES & LOVE AFFAIR - Album-Tour im Mai

Die Discokugel dreht sich wieder! Andy Butlers Baby, das New Yorker Dance-Projekt Hercules & Love Affair, bringt den Glanz vergangener Disconächte zurück. Butlers Vorlieben für antike Mythen, Detroit Techno und Chicago House der 70er-Jahre, gepaart mit dem hohen Glam-Faktor der konstant wechselnden Besetzung, lassen Hercules & Love Affair seit der Gründung 2006 steil nach oben steigen. Antony Hegarty, Kim Ann Foxman, Nomi Ruiz oder Mark Pistel sind nur einige der KünstlerInnen, die Butlers Discorevolution ihre Stimme geliehen haben. Im Mai kommen Hercules & Love Affair mit ihrem sehnlichst erwarteten dritten Album zu uns. Eins steht fest: wo auch immer die Disco-Supergroup um Andy Butler die Bühne betritt, darf sich das Publikum auf eine Dancefloor-Party par excellence gefasst machen!

Die Dates:

09.05. CH - Neuchatel - La Case à Chocs
10.05. CH - Bern - Dachstock
12.05. Stuttgart - Wagenhallen
13.05. Köln - Club Bahnhof Ehrenfeld
14.05. Berlin - Gretchen
15.05. Leipzig - Conne Island
16.05. München - Strom
17.05. Offenbach - Hafen 2

Die Shows werden präsentiert von Musikexpress, taz, tape.tv & FluxFM.


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