Flaming Row - Mirage - A portrayal of figures

Flaming Row- Mirage - A portrayal of figures

Progressive Promotion
VÖ: 28.03.2014

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Jazz, Folk & Fiderallala

Es musste ja so weit kommen: Weil die Menschheit durch ihr chronisch subversives Treiben in Kürze universelle Kollateralschäden verursachen wird, beschließt der Magistrat, eine Art intergalaktischer Gerichtshof für (verwirkte) Existenzrechte, die Erdlinge zu beseitigen. Sonnenstürme sollen der Plage ein für alle Mal den Garaus machen. Da sich Menschen aber nicht so gerne auslöschen lassen, formiert sich Widerstand unter den Überlebenden, der sich nicht nur gegen die Angreifer richtet…

Alles hier erinnert an Ayreon: Die mit diesem Album beginnende Science-Fiction-Story, die sich als weniger klischeehaft entpuppt, als es zunächst den Anschein hat; die Musik, die gekonnt zwischen epischem und elegischem Progressive Rock fluktuiert; die zugrunde liegende Motivation, ein konzeptorientiertes Projekt ins Leben zu rufen, an dem sich diverse Künstler in wechselnder Besetzung beteiligen; und natürlich Ayreon-Erfinder Arjen Anthony Lucassen persönlich, der es sich nicht nehmen ließ, ein Gitarrensolo beizusteuern.

Die zentrale Figur hinter Flaming Row ist jedoch der junge Deutsche Martin Schnella, der mit "Mirage - A portrayal of figures" das zweite Album nach dem in Genrekreisen gefeierten Debüt "Elinoire" aus dem Jahr 2011 vorlegt. Zu dem unter anderem aus Toxic-Smilie-Keyboarder Marek Arnold bestehenden Stammteam gesellen sich diesmal auch 30 Gastmusiker, darunter international bekannte Genregrößen wie Enchant - Sänger Ted Leonard und Pain Of Salvation-Gründungsmitglied Kristoffer Gildenlöw. Darüber hinaus tummeln sich Mitglieder von Haken, Spock's Beard und Shadow Gallery auf Schnellas Science-Fiction-Scheibe.

Schon personell wird für schaulustige Genrefans also viel geboten und wer es als Neuling schafft, ein solches Ensemble zusammenzutrommeln, muss wohl auch Einiges auf dem Kasten haben. In der Tat dient die Masse an Mitmachern nicht der Selbstdarstellung, sondern sorgt neben der kompositionellen Vielfalt dafür, dass "Mirage - A portrayal of figures" ein äußerst lebendig wirkendes Erlebnis ist. Während das letzte Ayreon-Album "The theory of everything " aufgrund seiner im Vergleich zu früheren Werken weniger markanten Struktur die über die Jahre liebgewonnenen Orientierungspunkte etwas vermissen ließ, haben Flaming Row Mitbringsel aus nahezu jeder Ecke des umfangreichen Klangkosmos im Gepäck. Ohne falsche Bescheidenheit entleeren Schnella und Kollegen gleich mehrere Füllhörner aus allerlei opulentem Brimborium, kuscheliger Wohlfühlpassagen und dramaturgisch mustergültig kombinierter Kompositionen.

So gehen Jazz, Folk und Fiderallala wie selbstverständlich ineinander über, wenn im mopsfidelen "Journey to the afterlife", ohnehin das größte Highlight des Albums, aus der Vogelhochzeit zitiert wird. Es spricht für die hier versammelte Kompetenz, dass ein solches Element nicht lächerlich oder abgehoben wirkt, sondern sich vielmehr hervorragend ins Gesamtbild einfügt. In Anbetracht der Story sind ernstere Tonlagen zwar vorherrschend und der rahmende Zweiteiler "A portrayal of figures" erinnert stellenweise wohl nicht ganz zufällig an die bedrohlicheren Klänge zum Untergangsszenario, das Arjen Lucassen auf "01011001" ausbreitete. Doch sind es letztlich Lockerungsübungen wie das beschwingt daherkommende "Aim L45" und die für Prog-Rock dieser Machart erwähnenswert unkitschig geratene Ballade "Pictures", die von der dennoch zu langen Wartezeit auf die schon für 2015 geplante Fortsetzung der insgesamt dreiteiligen Space Opera einige höchst vergnügliche Stunden abziehen.

(André Schuder)

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Highlights

  • Mirage - A portrayal of figures - part I
  • Journey to the afterlife
  • Pictures

Tracklist

  1. Mirage - A portrayal of figures - part I
  2. Aim L45
  3. Burning sky
  4. Journey to the afterlife
  5. Alcatraz
  6. Memento mori
  7. Pictures
  8. In appearance - A portrayal of figures - part II

Gesamtspielzeit: 79:52 min.

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