Andreas Bourani - Hey

Andreas Bourani- Hey

Vertigo / Universal
VÖ: 09.05.2014

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Der Hymnenmacher

Andreas Bourani macht Frühjahrsputz. Dass dabei längst vergessene Socken und Völker von Wollmäusen wie aus dem Nichts auftauchen, ist ein verbreitetes Phänomen. Weil es beim Songwriter zu Hause aber nicht nur sauber, sondern rein ist, entrümpelt er lieber sein Inneres. "Ich bin wieder am Leben, Zeit neue Wege zu gehen", bekennt er kurz nach dem Opener und fegt den Weg für einen Neuanfang frei.

Der Augsburger ist längst nicht mehr nur der lockenprächtige Möchtegern-Philosoph, für den ihn alle halten. Oder zumindest diejenigen, die panisch alle Knöpfe drücken, wenn das Lokalradio das mittlerweile um drei Jahre gealterte "Nur in meinem Kopf" wieder rauskramt. Das Ding mit den Haaren hat sich wie von selbst gelöst. Und auch musikalisch hat sich bei Bourani einiges getan. Die Geschichten, die er in seinen Liedern erzählt, stammen größtenteils aus der eigenen Feder. Euphorie und Melancholie treffen problemlos aufeinander und die Linien werden mit seiner rauen Stimme verwischt. Die aktuelle Chartspitze "Auf uns" ist schon jetzt zur geheimen Hymne der kommenden Fußball-Weltmeisterschaft auserkoren worden: auf dass jeder beim Public Viewing seine Fäuste in die Luft streckt und "Wer friert uns diesen Moment ein?" röhrt. Auch zukünftige Zeugnisvergaben, Hochzeiten und andere Familienfeiern könnte der Lobgesang schmücken - und damit "An Tagen wie diesen" endlich aus unseren Ohren spülen.

Eine vielversprechende kommerzielle Karriere dürfte Bourani spätestens jetzt gesichert sein, einen neuen Dudelhit schreiben geht doch immer und dass er eigentlich schon 2011 seinen Durchbruch hatte, ist sowieso längst vergessen. Schade ist nur, dass bei all dem jetzigen Trubel untergeht, was er wirklich kann. "Die Aussicht hier war besser aus von Weitem", wispert er in "Alles beim Alten" und behält wahrscheinlich Recht. Die Ballade ist zunächst so leise und unscheinbar, aber mit dem lauter werdenden Klavier brausen auch die Gefühle des Sängers auf. Die Hauptrolle auf "Hey" spielen aber oftmals die prägnanten Streicher die bei "Auf uns" und "Füreinander gemacht" herrlich nüchtern zum Einsatz kommen. Andreas Bourani legt keinen Wert auf Schnickschnack und spricht aus, was er zu sagen hat. Auf seinem zweiten Studioalbum präsentiert er sicherlich keine Meisterwerke, dafür Musik, die von Herzen kommt. Was am Ende von seiner Arbeit zählt, sind dann schwitzende Männer in Trikots, die seinen Song bei jeder Gelegenheit feiern. Aber vielleicht ist das besser als gar keine Aufmerksamkeit.

(Lena Zschirpe)

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Highlights

  • Wieder am Leben
  • Delirium

Tracklist

  1. Refugium
  2. Wieder am Leben
  3. Auf uns
  4. Alles beim Alten
  5. Hey
  6. Ultraleicht
  7. Nimm meine Hand
  8. Auf anderen Wegen
  9. Delirium
  10. Füreinander gemacht
  11. Ein Ende nach dem andern
  12. Was tut dir gut
  13. Sein

Gesamtspielzeit: 49:35 min.

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