Lily Allen - Sheezus

Lily Allen- Sheezus

Warner
VÖ: 02.05.2014

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

He-Mans Neue

Das Musik-Business und Lily Allen werden so schnell keine Freunde fürs Leben. Es ist eine ewige Hassliebe. Am liebsten würde die 29-Jährige einfach nur Musik aufnehmen, sie veröffentlichen und damit auf Tour gehen. Ohne Promo, ohne Gedankenspiele, welcher Song als Single taugt, und ohne sich Kritikern ausgesetzt zu sehen, die sich in der digitalen Welt vermehren wie die Karnickel, zu häufig nach Analogien innerhalb der Schablonen "Weiblich" und "Pop" suchen und Allen auf Aussagen ansprechen, die sie vielleicht nie getätigt hat. Es ist eben "hard out here for a bitch."

Im Video zur angesprochenen Single, die durchaus als Brückenschlag zum wunderbaren "It's not me, it's you" funktioniert, prangert sie in ihrer bewährten Art den Sexismus im Pop an: charmant, clever und witzig. Denn in einem Lily-Allen-Song steckt oft mehr Humor als in so mancher Karriere eines Künstlers. Feminismus geht auch ohne Rechen zwischen den Zähnen. Das brachte der Londonerin schon immer eine Ausnahmestellung im Popzirkus ein. Wer dann ernsthaft bei der Titelwahl "Sheezus" an eine Inthronisierung glaubte, an einen Ellbogencheck für Kanye Wests "Yeezus", gar an Blasphemie, hat Allens gar nicht mal so diffizilen Humor noch nie verstanden und glaubt bei Klatschmohn auch an applaudierende Pflanzen.

Die Britin trägt im Opener die HipHop-Halskette beispielsweise mit derartiger Nüchternheit, dass Lorde, Katy Perry und Lady Gaga bis zum Schluss unsicher bleiben dürfen, ob sie denn nun gerade beleidigt wurden oder nicht: "Give me that crown bitch, I wanna be Sheezus." Spätestens aber bei der dreifachen Erwähnung ihrer Periode, die sie allmonatlich mit der Hälfte der Welt teilt, sollte jeglicher Zweifel ausgeräumt sein. Schließlich braucht auch eine Goddess mal ein Tampon. Übrigens ein Song, den Allen gerne als Single gesehen hätte, den sie nicht als "docile pop rubbish" verteidigen muss, der, so sagt sie, aber wegen der Menstruationsverweise kein Airplay bekommen hätte und daher von der Plattenfirma nicht als Single erkoren wurde.

Müll also? Tja, auch wenn Allen auf den Fan-Vorwurf zu den Vorabveröffentlichungen mit Zustimmung reagiert und den Schwarzen Peter von sich schiebt, so hat sie nun mal alle Songs mitverfasst und die Tracks der erneut mit Produzent Greg Kurstin entstandenen Platte mitzuverantworten. Müll ist das sicher nicht, aber musikalisch hinkt "Sheezus" Allens Texten hinterher, in denen sie von Ehemann und -leben spricht und mit gebotener Unverblümtheit Arschkarten an Blogger, Kritiker etc. verteilt. Wir hören Nahrung für Autotune-Nörgler in "L8 cmmr", die, verglichen mit "Not fair", massiv schwächere Einarbeitung von Country in "As long as I got you" und hinter dem neodubsteppigen "URL badman", dem smoothen 90s-R'n'B "Insincerely yours" und der zugegeben ordentlichen Popnummer "Air ballon" Tracks, die Allen nicht mehr von Katy Perry oder Sugababes unterscheiden.

Schon nach wenigen Durchläufen ist bedauerlicherweise klar, dass "Sheezus" nicht ansatzweise die Halbwertszeit von "Alright, still..." und "It's not me, it's you" erreicht. So bleibt das Klammern an einzelnen Tracks. Zuvorderst: "Take my place". Die 29-Jährige sperrt hier jedweden Humor aus und durchleidet nochmals ihre beiden Fehlgeburten. "Our time" hingegen zitiert Def-Jam-Platten in synthetischen Gymnastikhosen, "Silver spoon" mopst im Refrain arg viel von Lady Gagas "Love game", bleibt aber ein galantes Kopfschütteln über die Upper Class. Und trotz aller Beschwerlichkeiten und verbotener Zweifel, die der Kopf bei der Kindererziehung zusammenspinnt, konstatiert Allen später zu dezent tropikalem Afropop: "This is the life for me." Ist da noch Platz für Musik? Für uns? Hoffentlich ja.

(Stephan Müller)

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Highlights

  • Our time
  • Take my place
  • Hard out here

Tracklist

  1. Sheezus
  2. L8 cmmr
  3. Air ballon
  4. Our time
  5. Insincerely yours
  6. Take my place
  7. As long as I got you
  8. Close your eyes
  9. URL badman
  10. Silver spoon
  11. Life for me
  12. Hard out here
  13. Interlude
  14. Somewhere only we know (Bonus)

Gesamtspielzeit: 49:40 min.

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User Beitrag

MopedTobias

Postings: 9470

Registriert seit 10.09.2013

2016-10-27 17:02:55 Uhr
Als ich den Thread oben sah, dachte ich, es geht um was anderes, da ich bestimmte User jetzt aber nicht triggern möchte, sag ich nicht was :p
Alex
2016-10-27 16:25:51 Uhr
Bad Religion super (Jugendhelden, obwohl die Studioalben ab Dissent Of Man iwie komisch wurden), Lily Allen sympathisch, aber nicht wirklich hübsch, Thread hier mehr Seiten als der von Metallica. Was war noch mal die Frage?
Lily Khan
2016-10-27 13:22:18 Uhr
Ist euch eigentlich schon mal aufgefallen, dass Lily Allen und Natasha Khan große optische Ähnlichkeit haben?
Nur mal so ...
lilybye:-)
2015-04-07 02:11:26 Uhr
sooo gut:

https://www.youtube.com/watch?v=ZTWIn7An678

MopedTobias

Postings: 9470

Registriert seit 10.09.2013

2014-07-02 19:30:54 Uhr
@VelvetCell: Hols nach ;) auf den ersten beiden Alben finden sich unglaublich viele tolle Pop-Perlen mit fantastischen Texten: Smile, LDN, Everything's Just Wonderful (mein persönlicher Favorit), Friday Night, Littlest Things, Alfie, Everyone's at it, 22, Back to The Start, Him...
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