Chet Faker - Built on glass

Chet Faker- Built on glass

Future Classic / [PIAS] Cooperative / Rough Trade
VÖ: 11.04.2014

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Ab an den Bart

Füße hoch, Whisky in die Klaue, Nüsschen durch den Hipsterbart geschmissen – "Release your problems" diktiert das Rhodes-Piano, dessen erste verhaltene Töne eine ebenso entspannte wie klischeehafte Baratmosphäre zaubern. Irgendein Problem? Jetzt nicht mehr. Damit ist "Built on glass" eröffnet und um das mit den Klischees gleich abzuhaken: Nicholas James Murphy ist stolzer Träger eines solchen Hipster-Wuschelbartes und macht musikalisch irgendwas mit Future-Soul und Electronica. Das war's dann aber auch mit den Stereotypen.

Denn dann kommt ein Album, das Staub allenfalls vom Wegwischen kennt. Die allseits bekannten Tröpfchen aus dem Spirituosenregal zeitgenössischer Popmusik mischt Murphy so raffiniert neu zusammen, dass es eine Freude ist. Da ist seine Stimme: entspannt, verträumt, zurückhaltend – soweit nichts Neues am Electro-Songwriter-Stammtisch. Aber nie wird sie unsicher, nie zerbrechlich, anders als bei vielen Kollegen. Der Australier trifft die Töne nur sporadisch, scheut große Gesten, will sich nicht aufdrängen. Er ist der Kumpeltyp, dessen Beziehung gerade leider den Bach runtergeht, aber ey – wir quatschen drüber.

Das Rhodes kommt immer wieder, relaxt zwischen Gitarren-Picking, Orgel und Drumcomputer und ist der Inbegriff von Wärme auf "Built on glass". Das Saxophon, ehemals bekannt als nervigstes EDM-Soloinstrument aller Zeiten, ist hier purer Sex, umweht Murphy und seine Digital-Entourage wie ein Seidenschleier. Nichts drängt sich unangenehm in den Vordergrund, nichts ist zu vertrackt oder zu plakativ. Eine unwiderstehliche Schlafzimmer-Intensität flüstert dem Hörer ins Ohr, er möge sich gefälligst fallen lassen. Selbst schuld, wer sich das zweimal sagen lässt.

In der Hinsicht hätte sich Murphy den Trenner "/" nach der Hälfte der Songs eigentlich sparen können: "That was the other side of the record. Now relax still more and drift a little deeper as you listen", heißt es da über das knisternde Vinyl gesprochen. Der Sinn dieser Unterbrechung erschließt sich aber gleich im Anschluss: Auch wer sich "Built on glass" digital zu Gemüte führt, bekommt so das Gefühl einer Teilung in A- und B-Seite, und die ist genau so gewollt. Denn die zweite Hälfte wird schlagartig experimenteller, die Tracks länger und weniger in Songstrukturen gedacht.

Da lässt sich "Blush" schon mal eineinhalb Minuten Zeit, ein monotones Drumpattern durch die Boxen zu pumpen, da entpuppt sich "1998" als House-Groove erster Güte. Den organischeren Teil der zweiten Hälfte eröffnet "Cigarettes & loneliness" mit Gitarre, Uuh-Chor und umwerfender Hook, bevor das Saxophon im jazzigen "Lessons in patience" seinen großen Auftritt hat. "Dead body" schlägt dann den lasziv-poppigen Bogen zum Beginn der Platte, wo "Release your problems", "Talk is cheap" und besonders "Gold" schon darauf warten, per Repeat-Knopf wieder in die Rotation befördert zu werden.

Überhaupt, wer sich als Verbeugung vor Jazz-Legende Chet Baker so einen verboten coolen Künstlernamen gibt, kann ja von vornherein eigentlich nicht mehr viel falsch machen. Umso besser, dass sich Chet Faker nach seinem Internet-Cover-Hit "No diggity" und der Kooperation mit Landsmann Flume für "Left alone" nicht auf Lorbeeren und selbstgeschaffenem Schema F ausgeruht hat. Gönnen wir ihm eine lange Nacht der Entspannung mit gutem Drink und Rundum-Verwöhnprogramm. Dann kurz am Bart gekratzt und zurück auf die andere Seite der Bar. Wir Durstigen stehen schon Schlange.

(Konrad Spremberg)

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Highlights

  • Talk is cheap
  • Melt (feat. Kilo Kish)
  • Gold
  • Cigarettes & loneliness

Tracklist

  1. Release your problems
  2. Talk is cheap
  3. No advice (Airport version)
  4. Melt (feat. Kilo Kish)
  5. Gold
  6. To me
  7. /
  8. Blush
  9. 1998
  10. Cigarettes & loneliness
  11. Lesson in patience
  12. Dead body

Gesamtspielzeit: 51:41 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Cosmig Egg

Postings: 766

Registriert seit 13.06.2013

2014-11-29 15:43:35 Uhr
what?? ist doch eindeutig ein Winteralbum. Eins meiner Top Ten Alben 2014

Leatherface

Postings: 1628

Registriert seit 13.06.2013

2014-07-22 17:08:44 Uhr
Jetzt bei diesen Temperatur kommt die Platte doch noch unerwartet stark, wo sie bisher nur gut empfunden wurde.
Schalotte
2014-05-08 09:26:22 Uhr
Das akustische Äquivalent einer Schmierwurst.

Wer's mag.

Rumhorster

Postings: 323

Registriert seit 04.03.2014

2014-05-07 22:47:48 Uhr
War klar das PT das wieder abfeiert. Der "Gesang" ist eine einzige Entgleisung und die Musik austauschbarer kontemporärer Pop für nebenbei. Nichtssagend, tut aber auch niemandem weh. Einfach stinklangweilig.

Die gleiche Leier wie bei diesem SOHN Müll.
Wie öde
2014-05-07 17:05:02 Uhr
Hipster-Mist, in 2 Monaten vergessen.
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