Nick Mulvey - First mind

Nick Mulvey- First mind

Caroline / Universal
VÖ: 09.05.2014

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Hype(r)ballad

Gutaussehender Typ (Marke Surferboy) schreibt sensible Songs und trägt sie auf seiner Gitarre vor. Mit dieser Formel haben es in den letzten Jahren unzählige Songwriter zum Hype geschafft. So viele, dass der Bedarf mehr als gedeckt ist. Nimmt man die bloßen Fakten, fällt auch Nick Mulvey in diese Kategorie. Und doch ist der 28-jährige Engländer ein Sonderfall. Denn vor seinem Entschluss, sich den ruhigen, akustischen Tönen zu widmen, war er Mitglied der Jazz-Formation Portico Quartet. Die Band war 2008 sogar für den Mercury Prize nominiert – neben Größen wie Radiohead und Adele.

Sein Ausstieg 2011 kam entsprechend überraschend. Kritiker und Anhänger wähnten die Band kurz vor dem großen internationalen Durchbruch. Die Beweggründe für den Ausstieg und den harten Kurswechsel in Sachen Sound liegen in Mulveys Kunst- und Musikstudium, das ihn im Alter von 19 Jahren nach Havanna führte. Die Bekanntschaft mit Musikern aus aller Welt, das intensive gemeinsame Jammen und die tiefen Einblicke in die Kompositionstechniken der afrikanischen und orientalischen Musik haben seinen Horizont und seine Sehnsucht derart geweitet, dass sie sich von musikalischen Genrebegrenzungen nicht mehr einfangen lässt.

Bei Portico Quartet avancierte Mulvey zu Englands bestem Spieler auf dem Hang – einem Percussioninstrument aus der Schweiz. Auf seinem ersten Longplayer "First mind" nun bearbeitet er mit derselben Orientierung am Rhythmus die Gitarrensaiten. Er schlägt nicht nur Akkorde, sondern kreiert luftige Figuren in Latin- oder Pop-Gewand, die durch den Raum schwirren. Das Tempo ist gemäßigt, es dominiert das Balladeske. Gleichzeitig klingt alles leicht und unbeschwert. Erst beim genauen Hinhören lassen sich die vielen Besonderheiten entdecken. Hier ein Picking, dort ein Reverse. Dazu singt Mulvey mit leicht angekratzter Stimme und spürbarem Lebenshunger über die großen und kleinen Gefühle. Besonders catchy sind "Cucurucu" und "Meet me there". Sperriger, aber interessanter sind "Venus" und "Juramidam". Der Intensität seines Vorbildes Nick Drake kommt er am ehesten auf "Ailsa Craig" nahe, das zudem durch seinen vertrackten Groove aufhorchen lässt.

Ob "First mind" wirklich die Nominierung für die "BBC Sound of 2014"-Liste rechtfertigt, ist zum Glück anderer Leute Entscheidungsneigung überlassen. Es ist in jedem Fall ein Songwriter-Album geworden, das diesem so überstrapazierten Genre ein paar neue Nuancen hinzuzufügen vermag. Mulvey kann kitzeln – auch jene mit angestrebter Hype-Immunität.

(Sebastian Meißner)

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Highlights

  • Cucurucu
  • Ailsa Craig
  • Meet me there

Tracklist

  1. First mind
  2. Fever to the form
  3. April
  4. Juramidam
  5. Cucurucu
  6. Ailsa Craig
  7. Meet me there
  8. Nitrous
  9. Venus
  10. I don´t want to go home
  11. The trellis
  12. The world to me

Gesamtspielzeit: 49:53 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Josh Homme
2017-09-27 08:29:29 Uhr
oha harter tobak!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Sick

Postings: 86

Registriert seit 14.06.2013

2014-05-24 01:53:31 Uhr
Die mittelprächtige Rezension wird dem wunderbare Debüt nicht gerecht. Und "Juramidam" bei den Highlights zu vergessen ist sträflich. 8/10.

Armin

Postings: 14507

Registriert seit 08.01.2012

2014-04-29 12:28:13 Uhr
Frisch rezensiert! Meinungen?
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