Wovenhand - Refractory obdurate

Wovenhand- Refractory obdurate

Glitterhouse / Indigo
VÖ: 25.04.2014

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Heiliger Wahnsinn

Man kommt den Texten von David Eugene Edwards ja kaum hinterher: Weltekel und Gottesfurcht, Anarchie und stumpfer Hass kommen da zusammen, als ob der selige Thomas Bernhard nicht schon alles zum Thema gesagt hätte. Bei Edwards rückt die Religiosität nun weiter in den Vordergrund, nimmt sogar die Musik seiner aktuellen Stammband Wovenhand ein. Schwere Akkorde, schwere Beats, demütiges Leben. Mit "Refractory obdurate" geht die Band auf einen gewissenhaften Kreuzzug, der auch mit einer Selbstkasteiung verwechselt werden könnte.

Die Songs hängen dabei knietief im Punkrock, im Grunge, im heiligen Ernst. Das ist so dermaßen rückwärtsgewandter Gitarren-Rock, das selbst der letzte Papst wie ein progressiver Reformer erscheint. Vorwerfen will man das der Band nicht, denn sie modelliert aus dieser ursprünglichen Gitarren-Bass-Schlagzeug-Schellengranz-Energie ein feuriges Brecher-Album, das jedem Atheisten in die Glieder fährt. In diesen knapp 40 Minuten wird kaum inne gehalten, wird kaum geruht. Es gibt immer auf die Zwölf.

Man kann das vielleicht mit dem frühen Nick Cave vergleichen, ganz besonders das dreckige "Salome". Da schickt Edwards ein düsteres Stoßgebet in den Himmel und singt: "Dance away / Bowing with all His might" und boxt sich durch den strammen Beat von Schlagzeuger Ordy Garrison, so wie einst Jim Morrison im Ödipal-Wahnsinn von "The end". Das rührt tief und ist ohne Weihrauch kaum auszuhalten. Und sowieso: Jim Morrison scheint hier einmal mehr der große Bruder im Geiste zu sein. Dessen Verzweiflung dringt durch jeden Melodiefetzen.

Versöhnlich wird "Refractory obdurate" natürlich zu keiner Zeit, in keinem Takt. Man ist Wovenhand schutzlos ausgeliefert und wird hineingezogen, in diesen biblischen Wahnsinn, in diesen dramatischen Demuts-Brocken. "Field of Hedon", "King David", "Hiss", "Salome" heißen hier die Songs und man muss noch keine einzige Textzeile gelesen haben, um den Braten zu riechen. Hier steckt mehr Gott drin, als in einem gewöhnlichen Gottesdienst. Und das ist dann doch irgendwie gruselig.

(Christian Preußer)

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Highlights

  • Good shepherd
  • Hiss
  • El-bow

Tracklist

  1. Corsicana clip
  2. Masonic youth
  3. The refractory
  4. Good shepherd
  5. Salome
  6. King David
  7. Field of Hedon
  8. Obdurate obscura
  9. Hiss
  10. El-bow

Gesamtspielzeit: 42:38 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Stroke of genius
2015-02-04 20:36:26 Uhr
God bless you, Eugene, god bless you!
consider this bird
2014-11-25 23:11:47 Uhr
diese version von masonic youth hört sich irgendwie anders an, als diejenige vom album, oder kommt mir das nur so vor?

carpi

Postings: 537

Registriert seit 26.06.2013

2014-08-25 18:32:46 Uhr
Da gehts ja heftig zur Sache, was aber zu Lasten der ruhigeren Tracks, die ich auf "Mosaic" mochte, geht. Schwanke bei Wovenhand (die zwei Alben vor "Refractory obdurate" kenne ich nicht) zumeist zwischen 7 und 8, hier ist es aber doch eine 7 - "Mosaic" und "Consider the birds" gefallen mir besser.

Castorp

Postings: 2792

Registriert seit 14.06.2013

2014-05-12 20:20:18 Uhr
Bisher aber tatsächlich das Album des Jahres.

Yep!

Einziges Manko: die Platte kommt mir mit 45 Minuten manchmal etwas zu kurz vor. ;)
Nun
2014-05-12 19:47:01 Uhr
Was wirklich Schlechtes hat Edwards eigentlich noch nie veröffentlicht, ob nun unter 16 Horsepower, Sixteen Horsepower, Woven Hand oder Wovenhand.

Das letzte Album "Laughing Stalk" fande ich zwar noch ein wenig besser, aber hier ist ne 8/10 auch locker drin.

An die 10/10 von 16 Horsepowers "Secret South" und Woven Hand's "Mosaic" kommts aber nicht ran.
Bisher aber tatsächlich das Album des Jahres.
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