The Reindeer Section - Son of evil reindeer

The Reindeer Section- Son of evil reindeer

Bright Star / PIAS / Connected
VÖ: 08.07.2002

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Der Elch-Test

Was ist eigentlich eine Supergroup? Stellen wir uns einfach mal ganz dumm und hören zu, wie es klingt, wenn Glasgows lokale Elite gemeinsame Saiten aufzieht. Schon der Vorgänger "Y'all get scared now, you hear" präsentierte uns spannungsgeladene Gegenüberstellungen. Nach einem Sebadoh-Gig scheuchte Snow Patrol-Frontmann Gary Lightbody damals beiwohnenden Klangerzeuger ins Studio: Belle und ihren Sebastian, Mogwai, Arab Strap und viele mehr. Schon taten sich Fragen auf: Wie würde es klingen, wenn 15 angehäufte Musiker inspirierten Lärm und kauziges Indietum gegen kleine Gitarrenpop-Preziosen antreten lassen? Überraschenderweise setzten sich herbstliche Träume und friedfertige Melodien durch.

Nun dokumentiert "Son of evil reindeer" die Wiederkehr des Huftiers. Lightbody, bei dessen Gesang man die tiefe Wahrheit hinter "Nomen est omen" verspürt, schraubt die Gästeliste noch weiter auf. Nicht weniger als 27 Leute bevölkern diesmal Proberaum und Studio. Auch der Teenage Fanclub, Alfie, The Vaselines und die legendären Ruts entsenden Botschafter. Dem rauhen Charme des Debüts setzt man ausgefeilten Sanftmut und weichgezeichnete Melancholie entgegen. Fast hat man den Eindruck, je mehr Leute mitspielten, desto weniger drängten sie sich in den Vordergrund.

Unscheinbare Weisen werden von Trompeten und Gitarren beflüstert, und Lightbody seufzt stille Tränen: "If you like I'd take your number from my phone / And lock the doors and turn the lights off in my home." Labilen Menschen sei von Songs wie eben jenem "Where I fall" dringend abgeraten, es sei denn, sie wollten mal wieder hemmungslos weinen. Geigen singen, Chöre jubilieren und der Schlagwerker streichelt sein Werkzeug nur.

Selten knirschen die Saiten wie im euphorischen "You are my joy". Noch seltener knarzt notorische Schottigkeit, welche man nur in Aidan Moffats "Whodunnit?", umsäuselt von Ooohs und Aaahs, erahnt. Zwar ist "Son of evil reindeer" in seltenen Momenten durchaus ein wenig harmlos, doch dank des erhabenen Fast-Kitschs von "Grand parade" und der Zerbrechlichkeit von "Your sweet voice" verfliegt jeder Zweifel daran, daß der Zweitling der Reindeer Section den Elch-Test besteht. Nicht in jeder Supergroup nämlich kämpfen die vielen Egos gegeneinander an. Bei dieser sind die Songs die Stars.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Grand parade
  • Where I fall
  • You are my joy

Tracklist

  1. Grand parade
  2. Budapest
  3. Strikes me down
  4. Your sweet voice
  5. I'll be here when you wake
  6. Where I fall
  7. Cartwheels
  8. Last song on blue tape
  9. Cold water
  10. You are my joy
  11. Who told you
  12. Whodunnit?

Gesamtspielzeit: 40:48 min.

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