The Getaway People - GPS - Turnpike diaries

The Getaway People- GPS - Turnpike diaries

Columbia / Sony
VÖ: 05.06.2000

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Hägar goes Chefkoch

Es begab sich zu einer Zeit, als sich fünf tapfere Wikinger mit den originellen Namen Boots (ein Stiefelträger?), Honda (ein Mopedfahrer?), Stone (ein Nierensteingeplagter?), Race (Schuld am Albumcover?) und Leroy (typischer Norweger-Name) aufmachten, um lustig durch die Lande zu ziehen und ihre Botschaft singend unters Volk zu bringen. Was? Wie? Vom Grade der Skurrilität soll das an die legendären Leningrad Cowboys erinnern? Ja, stimmt eigentlich, ganz richtig. Die spinnen, die Skandinavier! Der Anspruch der Getaway People ist es, auf archaischen Instrumenten (Moogs, Fender Rhodes, Stratocaster etc. pp.) eine groovende Mischung aus Soul, Deltablues, Funk, Hip Hop und Classic-Rock zu kreieren, die schwärzer ist als die Haut von Jim Knopf und dem Chefkoch aus South Park. Auf ihrem 1997 erschienenen Erstlingswerk klappte das noch ganz gefällig. Die größtenteils in Eigenregie produzierte Platte war spontan, machte Spaß und war für sommerliche Ausflugsfahrten mit dem Cabriolet ausgezeichnet geeignet.

Nun hat man sich mit Nick Sansano (Sonic Youth, Brian Setzer) und Dante Ross (Everlast) prominente Produzenten hinzugeholt, einige Gastmusiker (Unter anderem von der Dave Matthews Band, den Bad Brains und Roots) zum gemeinsamen Jam eingeladen und legt mit "GPS - Turnpike diaries" das zweite Album vor. Scheinbar alles richtig gemacht? Offenbar nicht. Was mit "Six packs" und "There she goes" munter beginnt, verliert sich auf die gesamte Spieldauer in gleichförmigen, wenig spektakulären Songs, von denen man sich nie mehr als drei Songs am Stück anhören kann. Zu viel gute Laune macht einfach mißtrauisch.

Zur Zeit bietet das Fernsehen Verbraucherinformationen für einen bekannten Mobilfunkprovider an, für die sie "What I got" von der Band Sublime aus der Mottenkiste geholt hat. Genau wie dieses Stück versuchen die Getaway People über weite Strecken zu grooven. Es bleibt wohlgemerkt beim Versuch. Wenn man schon Loops benutzt, warum muß es dann immer derselbe "duff-duff-dich" sein, und das in einer Geschwindigkeit, die sich fast ausschließlich zwischen 120 und 130 bpm bewegt? Gerade mal bei "Open your mind" sowie "Deceived by an angel", einer schönen Ballade, die an The Verve erinnert und mit beatlesken Trompeten und schönen Echo-Effekten überrascht, weicht man von diesem ungeschriebenen norwegischen Rhythmusgesetz ab.

Laut Info der Plattenfirma möchte man "eine inspirierte Mischung bieten, die in ihrer Lo-Fi-Ästhetik hier und da auch an Künstler wie Beck Hansen erinnert". Einige diesbezügliche Ansätze sind durch ungewöhnliche Instrumentierungen und Breaks auch wirklich da, tauchen aber leider viel zu selten auf - "Change" und "Good life" klingen lediglich nach Beck light. Die Getaway People haben viel zu sehr Wert auf einprägsame Mitsingrefrains und sauber produzierte Arrangements gelegt. Alles klingt wie "schon mal gehört", wenig überraschend und dadurch leider etwas belanglos. Das gleiche Problem spiegelt sich in den wenig sagenden Songtiteln "Come love me", "Good life", "Open your mind" und "She gave me love" wider. Tut mir leid, Jungs. Wenn Hägar der Schreckliche auf Dauer versucht, wie Isaac Hayes zu klingen, kann das ja nur in die Hose gehen. Vielleicht klappt es ja beim nächsten Mal wieder etwas besser. Bei Album Nummer drei nehmt ihr die Produktion am besten wieder selbst in die Hand.

(Matthias Allstadt)

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Highlights

  • Six pacs
  • There she goes
  • Deceived by an angel
  • Good life
  • Open your mind

Tracklist

  1. Six packs
  2. There she goes
  3. Come love me
  4. Sleepwalkin
  5. Deceived by an angel
  6. All about it
  7. Change
  8. Soi Cowboy
  9. Good life
  10. Open your mind
  11. She gave me love
  12. Don't fence me in

Gesamtspielzeit: 47:23 min.

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