Trust - Joyland

Trust- Joyland

Arts & Crafts / Rough Trade
VÖ: 09.05.2014

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Spaß inne Backen

Hereinspaziert, im Darkroom ist noch Platz! Wo sich Peter Pan und Michael Jackson einst im Geiste Neverland teilten, Elvis in Graceland lebte und starb, öffnet Robert Alfons der Hörerschaft die Tore zu seinem "Joyland". Der alte Schelm: Möchte er etwa nach "TRST" samt seinem verwaschenen, düsteren, sexualisierten Kontext die "Gloryhole"s in einen ganzen Spaßpark überführen? Mit der Dame des Vorgänger-Covers an der Kasse? Nein! Denn Alfons holt "Joyland" raus aus dem tiefen Untergrund, raus aus Ecken, wo das einzige Licht von flackernden Neonröhren kommt und keiner so recht eine Ahnung hat, was eigentlich Sauerstoff ist.

Keine Sorge, ein Mann wie Alfons, der behauptet, einige der schönsten Momente seines Lebens in Clubs verbracht zu haben, verlässt so schnell nicht seine Wohlfühloase. Er baut nur vier Buntglasfenster in einen Raum, in dem salziger, glitzernder Schweiß von der Decke tropft. "It's in the dark, so wait for it", beschwichtigt der junge Mann aus Winnipeg sodenn in "Greyon", nachdem "Slightly floating" ohnehin mehr als gleitendes Intro fungiert hat. Für "Joyland" sind Cold- und Darkwave auf dem Rückzug, dafür begeben sich Trance, Dance, Acid-House, etwas Italo-Disco und Rave zu synthiefiziertem Electro-Pop mit Gothic-Gesicht. In Smileys ausgedrückt: :-( gegen :-) nach einer Stunde Spielzeit: 4:3.

Das hat auch damit zu tun, dass der Kanadier dem vormals nebulösen Gesang den Grauschleier aus der Nase zieht. Die Vocals werden zunehmend verständlicher, präsenter, selbst wenn Alfons seine Stimme in höchste Höhen schraubt. Oder gar beide Pole kombiniert, etwa im, kontextuell gesehen, beinahe balladesken "Are we arc?", das mit einem tollen Break aufwartet. "Rescue, Mister" sticht, blitzt, und während der Bass so pollert, müssten eigentlich jede Sekunde Lemuren um die Ecke gebogen kommen, um zumindest einmal "I like to move it" anzustimmen. Machen sie nicht. Vermutlich sind sie der zweigeteilten Aal-Jagd "Lost souls/Eeelings" verfallen: Wie hier Bass und Off-Beat zwei Mal reinfahren, ist ebenso famos wie der verträumte Ausklang.

Trust ist mittlerweile Alfons' alleiniges Projekt, weil Maya Postepski inzwischen Vollzeit mit Austra abhängt. Geschadet hat es ihm nicht. Er ist nun noch fokussierter auf Melodien und verarbeitet Songs, die teilweise auch noch aus der Zeit vor "TRST" stammen. So wird der Keyboard-Piano-Start in "Capitol" von einem bräsigen Bass überrumpelt, schließlich möchte der beste Sicht auf die Fahnen schwenkenden Synthies haben. Ist das ein "Song-Überhang"? Wurst. Solange "Icabod" die Mundwinkel in den Keller hängt und so schöne Kontraste herauskommen wie zwischen dem BPM-Spitzenreiter respektive Ravers-Nature-Gedenk-Track "Peer pressure" und dem melancholischen "Barely", das Glöckchen mit einer Schaumstoffwalze überfährt, ist "Joyland" jeden Eintritt wert. Oh, für heute schon Schluss? Na gut, dafür muss Alfons aber weiter jede Nacht im Bälleparadies bleiben.

(Stephan Müller)

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Highlights

  • Capitol
  • Icabod
  • Lost souls/Eelings
  • Barely

Tracklist

  1. Slightly floating
  2. Geryon
  3. Capitol
  4. Joyland
  5. Are we arc?
  6. Icabod
  7. Loner
  8. Rescue, Mister
  9. Lost souls/Eelings
  10. Peer pressure
  11. Barely

Gesamtspielzeit: 55:06 min.

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User Beitrag

Stephan

Postings: 815

Registriert seit 11.06.2013

2017-01-28 10:40:04 Uhr
Er arbeitet dran. Und ich denke, dass das auch in diesem Jahr was wird.


https://www.facebook.com/dressedforspace/videos/1312969868714774/

musie

Postings: 2350

Registriert seit 14.06.2013

2017-01-24 14:05:25 Uhr
starkes Album, nach wie vor. Hoffentlich kommt bald was Neues von ihm...

Stephan

Postings: 815

Registriert seit 11.06.2013

2015-02-25 15:22:12 Uhr
Neuer Song "Slug".

http://www.dazeddigital.com/music/article/23816/1/stream-trsts-darkly-euphoric-new-single-slug

Mir gefällt's.

musie

Postings: 2350

Registriert seit 14.06.2013

2015-01-14 14:05:42 Uhr
ein knaller, dieses Album! aber man muss in der richtigen Stimmung sein, das ist hier besonders wichtig...

Ochsensepp

Postings: 511

Registriert seit 27.08.2013

2014-11-08 01:53:41 Uhr
Vielleicht das meistunterschätzte Album des Jahres? Grundausrichtung: Elektronische Industrialmusik der 80er, von EBM nicht weit entfernt, aber ebensowenig von populärer Dancemusik der späten 80er und frühen 90er. Sehr technisch, sehr kühl, sehr emotional. Wen das alles nicht abschreckt, der sollte unbedingt mal reinhören:

https://www.youtube.com/watch?v=6e75lNBnmsk
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