Steel Panther - All you can eat

Steel Panther- All you can eat

Open E / KLS / Rough Trade
VÖ: 28.03.2014

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Die Latte hängt tief

Das ist ja mal wieder ein wunderbares Beispiel für virales Marketing oder wahlweise den Streisand-Effekt. Es war ja nun nicht so, dass Steel Panther 2011 mit "Balls out" irgendwie erfolglos gestartet wären, ganz im Gegenteil. Und jeder, der weiter als von der Wand zur Tapete denken kann, wusste, dass diese Form des Hair Metal, diese Huldigung an die ozonkillende Zeit von Haarspray und Spandex, dermaßen grotesk überzeichnet ist, dass es schlicht nicht ernst gemeint sein konnte. Allerdings sahen das ein paar offensichtlich jeglichen Humorverständnisses befreite Beamte der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) anders. Und setzten die Platte wegen der vermeintlich sexistischen Lyrik auf den Index, was sich als nicht unbeträchtlicher Werbeeffekt entpuppen sollte.

Die Herren aus Santa Monica im übrigen konnten sich über die Indizierung gar köstlich amüsieren und erklärten umgehend, dass sie auch in Zukunft alles daran setzen werden, ihre Alben zuerst in den Charts und anschließend auf der berüchtigten Liste A der BPjM zu platzieren. Und bei Songtiteln wie "Bukkake tears" oder "Gangbang at the old folks home" dürften sich den Hütern für Anstand und Moral direkt die Nackenhaare kräuseln. Erst recht, weil ersterer mit der bereits jetzt legendären Songzeile "There was so much love on your face I couldn't see the tears" glänzen kann, während letzterer in bunten Farben ausmalt, wie es denn so wäre, wenn ein junger, knackiger Typ in ein Altenheim mit durchaus liebebedürftigen Bewohnerinnen stolpert.

Die Frage, ob das nun tatsächlich blanker Sexismus oder infantil bis selbstironisch ist, dürfte damit also geklärt sein. Auch musikalisch lassen Steel Panther keine Fragen offen. Denn natürlich bleiben die großen Vorbilder die Bands aus einer Zeit, zu der das Ozonloch noch heil und die Liebe noch frei war, aus einer Zeit, als Mötley Crüe noch kein Haufen verrottender Junkies war. Und während der Vorgänger bisweilen etwas unentschlossen zwischen Hard Rock und Glam mäanderte, wird heuer schlicht eine große Orgie abgefeiert, egal ob nun "Ten strikes you're out" das Gaspedal durchdrückt, "The burden of being wonderful" einen nicht nur dezenten Gruß Richtung Sheffield an die Kollegen von Def Leppard schickt oder die Vorabsingle "Party like tomorrow is the end of the world" zur Lokalrunde bittet.

Eines wird allerdings auch "All you can eat" nicht gelingen – nämlich eine derartige Langzeitwirkung zu entfalten, dass die Platte auch außerhalb zügelloser Partys oder unterhalb vertretbarer Promillegrenzen auf Dauer funktioniert. Aber Hand aufs Herz – wenn dies der Fall wäre, sähen Frontmann Michael Starr und Kollegen ihre Mission wahrscheinlich als gescheitert an. Schaltet man jedoch das Hirn aus und verlagert das Denkzentrum in die mittlere Körperetage, dann macht "All you can eat" einfach nur verdammt viel Spaß. Zumindest, wenn man a) den grenzwertigen Humor der Amerikaner teilt und b) die Platte nicht als Sittensheriff der BPjM von Amts wegen im Detail genießen darf.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Party like tomorrow is the end of the world
  • Ten strikes you're out
  • She's on the rag

Tracklist

  1. Pussywhipped
  2. Party like tomorrow is the end of the world
  3. Gloryhole
  4. Bukkake tears
  5. Gangbang at the old folks home
  6. Ten strikes you're out
  7. The burden of being wonderful
  8. Fucking my heart in the ass
  9. B.V.S.
  10. You're beautiful when you don't talk
  11. If I was the king
  12. She's on the rag

Gesamtspielzeit: 48:26 min.

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