Scarlet Chives - This is protection

Scarlet Chives- This is protection

Siluh / Cargo
VÖ: 21.03.2014

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Der Schutzmantel im Dunkeln

Hand in Hand stehen sie da. Sie, mit einem Blumenstrauß in der Hand, eingekleidet in edlem Weiß; er, akkurat und schlicht im Anzug; gemeinsam vor der Holzhütte, im Grünen. Sinnbildlich für Verbundenheit und das Versprechen auf gegenseitigen Schutz. Klingt schön? Ist es auch. Wären da nicht diese Gesichter, diese Fratzen, die irritieren, gar beängstigen. Jeder hat mit seinen Dämonen zu kämpfen, gemeinsam aber geht dies leichter. Scarlet Chives sezieren auf ihrem neuen Album "This is protection" das Schöne, entkleiden es und durchleuchten die dunkle Seite des menschlichen Gemüts, mit seinen Ängsten und sinistren Fantasien.

Eine Woche lang haben sich die sechs Dänen in den Wäldern Schwedens eingeschlossen. In der Melancholie der Abgelegenheit entstanden die zehn Songs, sogenannter Dream-Pop, wie er bei Keep Shelly In Athens oder Beach House zu finden ist, nur bedrückender und irgendwie unbehaglich. Mit Noise angereicherte Synth-Flächen treffen auf treibende Drums, knurrende Bässe und verzerrte Gitarren. Die unscharfen und diffusen Instrumentals sind rau, ungemütlich, aber auch irgendwie wohlig und unaufdringlich zugleich. Die ganze Aufmerksamkeit gehört aber der charismatischen Stimme Maria Holm-Mortensens. Beim Opener "Hunting" schwebt sie mit ihrem eindringlichen, sirenenhaften Timbre über den atmosphärischen Klängen der anderen Bandmitglieder. Vergleiche zu Björk, Fever Ray oder Kate Bush liegen zwar auf der Hand, ihre Stimme hat jedoch ihren eigenen Stil, ihre eigene Persönlichkeit.

Bei "Timber will fall", dessen Video als entschärfte Version von Lars von Triers "Antichrist" durchgehen könnte, und "Bigger than the fall" beeindruckt sie mal mit leicht vibrierender, mal mit gespenstisch gehauchter Stimme. Wie ein Mantel umhüllt ihr Organ mit dieser sonderbaren Betonung der Silben bei "Some days stay" vorsichtig die psychedelischen, Schutzbedürftigkeit suggerierenden Sounds und vermittelt ein Gefühl von Fürsorge und Geborgenheit. Thematisch geht es um Furcht, beklemmende Gefühle und düstere Wünsche des Einzelnen, bei gleichzeitiger Sehnsucht nach Sicherheit durch das soziale Miteinander.

Das bereits oben beschriebene Album-Cover umreißt gekonnt dieses Spiel von Licht und Schatten, von Melodie und Gesang. Form und Inhalt fließen ineinander. Die rund 48 Minuten sind nicht unbedingt leicht zugänglich, erfordern eher ein mehrmaliges Anhören, am besten alleine, für sich, um das Treiben der eigenen Dämonen zu ergründen und um Hilfe zu bitten.

(Alexander Klett)

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Highlights

  • Hunting
  • Timber will fall
  • Bigger than the fall
  • Some days stay

Tracklist

  1. Hunting
  2. The rooms are too small
  3. Timber will fall
  4. Bigger than the fall
  5. Sohn
  6. Others are the force
  7. Show the rest
  8. Some days stay
  9. Lift
  10. Eyes go dim

Gesamtspielzeit: 48:11 min.

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