Guided By Voices - Motivational jumpsuit

Guided By Voices- Motivational jumpsuit

Fire / Cargo
VÖ: 28.02.2014

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Die schon wieder

Es gibt Alben, da weiß man vor lauter Euphorie manchmal gar nicht, wie man die Rezension beginnen soll. Die Hände zittern, auf der Stirn zeichnen sich kleine Schweißperlen ab, das Herz rast. Band XYZ veröffentlicht ihr erstes Album seit zehn Jahren! Oder sogar schon seit 1993! Oder das erste mit dem Original-Lineup von 1982! Und darüber muss man als Schreiber nun angemessen zu berichten wissen, die eigene Fan-Freude etwas eindämmen, den letzten Rest Objektivität hervorkramen. Bei Guided By Voices verhält es sich bisweilen genau andersrum: Die haben 2012 nach einer längeren Pause ihr 16. Album "Let's go eat the factory" veröffentlicht und seit dem sage und schreibe vier weitere Werke drangehängt, das neue, "Motivational jumpsuit", mitgezählt – das für Mai angekündigte "Cool planet" noch nicht. Was macht man mit so einer Band, die ständig neues Material bereithält?

Klar hält sich da die Aufregung etwas in Grenzen. Die Band um Mastermind Robert Pollard hat längst nichts mehr zu beweisen, als Hörer weiß man schon lange, was man von dem Quintett aus Ohio erwarten kann. Und doch kriegen sie es wieder hin, dass irgendwann der Fuß unruhig mitwippt und der Kopf im Rhythmus nach vorne und hinten kippt. Das ist auf dem mittlerweile 20. Werk, "Motivational jumpsuit", natürlich nicht anders. Dafür sorgt schon der nicht nur vom Titel an das letzte Album "English little league" erinnernde Opener "Littlest league possible" mitsamt der durchaus stimmigen Erklärung "Gonna have a lot of fun / Gonna hit a home run", und allerlei anderen Baseball-Referenzen. In eine ähnliche Kerbe schlagen auch das schnodderige "I am Columbus", der lärmende Rocker "Planet score" oder auch "Zero elasticity", dessen großartiges Gitarrenspiel wohl gesondert erwähnt werden sollte.

Überraschungen, so ehrlich sollte man aber auch sein, fehlen auf "Motivational jumpsuit". Macht auch nichts, dafür erlebt man einen nimmer erschöpften Pollard, der auch im 56. Lebensjahr noch weiß, wie man die halb so alte Masse packt und bei Laune hält. Wenn Tobin Sprout dann mit seinem typisch nasalen Gesang das ohnehin schon bezaubernde und wohlig-warme "Shine (Tomahawk breath)" bereichert, ist das eh schon etwas mehr als die halbe Miete. Die Nebenkosten werden schließlich mit dem Tickende-Zeitbomben-Rock von "Writer's bloc (Psycho all the time)" und dem bluesig-schwermütigen "A bird with no name" gedeckt. Guided By Voices müssen eben nicht mit ein paar Luftballons um die Ecke kommen und alle paar Minuten einen weiteren, x-beliebigen Kartentrick aus dem Ärmel schütteln, und wahre Kenner haben mittlerweile sowieso schon provisorisch immer Kuchen im Haus, weil man Pollard & Co. eben jederzeit erwarten kann. Und muss. Und ja irgendwie auch möchte.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Littlest league possible
  • Writer's bloc (Psycho all the time)
  • Zero elasticity
  • Shine (Tomahawk breath)
  • Bulletin borders

Tracklist

  1. Littlest league possible
  2. Until next time
  3. Writer's bloc (Psycho all the time)
  4. Child activist
  5. Planet score
  6. Jupiter spin
  7. Save the company
  8. Go without packing
  9. Record level love
  10. I am Columbus
  11. Difficult outburst and breakthrough
  12. Calling up Washington
  13. Zero elasticity
  14. A bird with no name
  15. Shine (Tomahawk breath)
  16. Vote for me dummy
  17. Some things are big (and some things are small)
  18. Bulletin borders
  19. Evangeline dandelion
  20. Alex and the Omegas

Gesamtspielzeit: 45:45 min.

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