Robert Francis & The Night Tide - Heaven

Robert Francis & The Night Tide- Heaven

Membran / Sony
VÖ: 11.04.2014

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Das Blaue

Im Booklet zu "Heaven", Robert Francis' viertem Album, gibt es eine interessante Rubrik: "Lovers/friends and family". Die Auflistung ist umfangreich und das dürfte nicht an den Verwandten und Freunden liegen. Diese Vermutung legen zumindest die 13 neuen Songs des Kaliforniers nahe. Mit anderen Worten: Würde man die Liebe und ihre verschlungenen Wege ausklammern, bliebe noch nicht einmal ausreichend Musik übrig, um das Aufwärmen einer Fünf-Minuten-Terrine zu untermalen. "The heart's gotta wander / Just to know where it's from", singt Francis vielsagend im Opener "Something tells it not to", der streng genommen bloß ein Intro ist – das nach 78 Sekunden direkt in "Baby was the devil" übergeht. Der Weg von einer zarten Pianoballade zu pulsierendem Indie-Folkrock mit Saxophon, Vollmond und Siebziger-Jahre-Nostalgie ist kürzer, als man denkt.

Auch der Übergang zur sich anschließenden ersten Single, "Love is a chemical", geschieht nahezu unbemerkt. Die Dramaturgie auf "Heaven" ist also äußerst symbiotisch angelegt. Einen Hit von "Junebug"-Format gibt es zwar auch dieses Mal nicht, dafür aber neue Begleitmusiker, die es als The Night Tide sogar auf das Albumcover geschafft haben. Man hört, Francis habe nach seinem letzten Album, "Strangers in the first place", eine zünftige Sinnkrise gehabt, seine Tour abgebrochen, habe mit Substanzen, die an dieser Stelle lieber anonym bleiben wollen, experimentiert, sei, natürlich eines Mädchens wegen, nach Michigan gezogen und habe die Musik einfach in L.A. gelassen. Er kam dann aber doch wieder zurück, alleine schon, weil Familienfreund Ry Cooder, der vor fast 20 Jahren dem kleinen Robert die erste Gitarre verehrt hatte, ihn in seine Band holte. Und natürlich, weil es dann doch neue Songs zu schreiben gab.

Wobei von "neu" nur bedingt die Rede sein kann. Francis huldigt vorwiegend einer Ära, die 1987, im Jahr seiner Geburt, schon fast volljährig war. Den rotweinseligen Zeitlupenblues des Titeltracks hätte auch ein Leonard Cohen dekantieren können, oder zumindest dessen Sohn Adam, ebenso das Storyteller-Kleinod "I've been meaning to call", das nicht mehr als eine beherzt gezupfte Akustikgitarre als Begleitung braucht. "Blue" umschmeichelt in den schönsten Nuancen die Melancholie, inklusive versierter Pedal-Steel-Fußnoten, während "Ukiah" sich mit einer guten Portion Hall auf der Stimme vor den Sechziger Jahren verneigt. Dass das hervorragende "Pain" an Bruce Springsteens "I'm on fire" erinnert, spricht gleichzeitig für und gegen Francis: Wer so viel Talent hat und sogar sein eigener Produzent ist, der hat es sieben Jahre nach seinem Debüt doch eigentlich gar nicht mehr nötig, nach Schablonen zu schielen. Erst recht nicht, wenn ihn der Himmel schickt.

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • Baby was the devil
  • Pain
  • I've been meaning to call

Tracklist

  1. Something tells it not to
  2. Baby was the devil
  3. Love is a chemical
  4. Heaven
  5. Ukiah
  6. Wasted on you
  7. See you around
  8. Blue
  9. Pain
  10. Take you to the water
  11. Give you my love
  12. I've been meaning to call
  13. Hotter than our souls

Gesamtspielzeit: 41:29 min.

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Armin

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2014-04-15 22:37:55 Uhr
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