Death - III

Death- III

Drag City / Rough Trade
VÖ: 25.04.2014

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Nicht die Metal-Band!

Dies ist die Geschichte einer Gruppe, deren Debütalbum mit 34 Jahren Verspätung erschien. Lange vor der Death-Metal-Band gleichen Namens gab es Death, die Protopunk-Band aus Detroit. Die drei Brüder Bobby, Dannis und David Hackney versuchten sich zwischen 1971 und 1976 an der Art Musik, für die The Stooges und MC5 berüchtigt waren, und spielten lauten Garagenrock, bevor irgendwer auf die Idee kam, das Ganze Punk zu nennen. In den Siebzigern erschien allerdings nur eine einzige Single – nicht einmal genug für eine Fußnote in der Musikgeschichte: Das Label versagte den dreien die Unterstützung, bevor die Aufnahmen zum Album abgeschlossen waren, weil sie keine musikalischen Kompromisse eingehen wollten. Nach zwei Gospelrock-Platten in den frühen Achtzigern war Schluss – bis Bobby Hackneys Söhne 2009 die alten Aufnahmen auf dem Dachboden fanden.

Das neuerliche Interesse an der Band ist sicherlich auch der sehenswerten Dokumentation "A band called Death" zu verdanken, die die Geschichte des Trios rekonstruiert und bis zum verspäteten Erscheinen ihres Debüts begleitet. Man sollte allerdings auch den Verantwortlichen bei Drag City dankbar sein. Denn das Label veröffentlichte nicht nur den großartigen Erstling "... for the world to see" in der am vollständigsten vorhandenen Version mit allen sieben damals aufgenommenen Songs, sondern komplettierte das Archiv der Band auch mit der Demosammlung "Spiritual, mental, physical" und der jetzt vorliegenden, schlicht "III" betitelten finalen Platte.

"III" umfasst Aufnahmen aus den Jahren 1975, 1976, 1980 und 1992. Dementsprechend skizzenhaft wirkt das Album in Teilen. Nichtsdestotrotz spielt hier eine Band Rockmusik, lange bevor Schubladendenken ihre Kreativität einschränken konnte. Der Wille zum Krach gehört genauso dazu wie die Liebe zum Rhythm and Blues der Sechziger und Siebziger. The Who, The Beatles, Gospel und Reggae hinterlassen allesamt ihre Spuren in Songs, die ein bisschen zu früh für Punkrock und ein bisschen zu unbequem für den Mainstream waren.

"North street" mischt ein simples Bluesriff mit gehetztem Schlagzeug und einem Refrain, der plötzlich in eine soulige Melodie abrutscht. Der etwas zurückgelehntere Rhythm and Blues von "Open road" wird von langen Breaks in Stücke geschnitten. In "Restlessness" macht sich eine auf- und absteigende, halboffene Akkordfolge zwischen einem stoisch stampfenden Beat breit – fast schon eine Blaupause für den Punkrock der Neunziger. Etwas milder geht es in dem Reggae-infizierten "Yes he's coming" und dem süßlich-poppigen "We're gonna make it" zu, der letzten Aufnahme der Band in Originalbesetzung.

Gitarrist David erlag im Jahr 2000 einem Krebsleiden. Death touren seit der Veröffentlichung ihrer Musik und der Doku mit einem neuen Gitarristen durch die Welt, sogar ein paar neue Songs haben sie aufgenommen. Der späte Erfolg sei ihnen gegönnt, auch wenn fast 40 Jahre später der Band das Ungezügelte und ungebremst Kreative fehlt, das die Aufnahmen aus den Siebzigern auszeichnet. Die aber sind jetzt glücklicherweise komplett.

(Maik Maerten)

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Highlights

  • North street
  • We are only people
  • Restlessness

Tracklist

  1. Introduction by David
  2. North street
  3. Open road
  4. We are only people
  5. Restlessness
  6. Free
  7. Yes he's coming
  8. First snowfall in Detroit
  9. We're gonna make it

Gesamtspielzeit: 37:29 min.

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