Davidge - Slo light

Davidge- Slo light

7Hz / Al!ve
VÖ: 21.03.2014

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Bitte kein Helles

Neil Davidge könnte eigentlich die Füße hochlegen. Bis Massive Attack wieder aktiv werden, dauert es jedenfalls noch ein Weilchen – neues Material haben Robert del Naja und sein bevorzugter Studio-Mitstreiter zwar schon erwogen, aber noch nicht geschrieben. Dass Davidge beim schwarzlichtumwehten TripHop der Briten kaum mehr wegzudenken ist, bewies schon seine maßgebliche Beteiligung an "Mezzanine", "100th window" und "Heligoland" – Platten, die nicht zuletzt dank der Co-Produktion des Mannes aus Bristol zu Klassikern mit Familienanschluss bei Alternative und Indie wurden. Und da es schon länger nichts zu attackieren gab, verlegte sich Davidge zuletzt auf andere Dinge. Etwa auf den Soundtrack zum Egoshooter "Halo 4" und nun auf sein erstes Soloalbum.

Doch auch wenn zur Abwechslung einmal Davidges Name auf dem Cover steht, ist der Begriff "solo" relativ zu verstehen: Während del Naja die Songs bei Massive Attack wenigstens gelegentlich selbst einbrummelt, besorgt sich Davidge lieber für jedes Stück ein Vocal-Feature – ein begnadeter Sänger wird aus ihm vermutlich nicht mehr werden. Ist aber auch gar nicht nötig. Er hat schließlich schon so alle Hände voll zu tun. Mit Mischpult, Synthies, Drummachines und meisterhaften Streicherarrangements, die der Dunkelheit meist näher stehen als dem Licht. Und allen, die immer noch nicht mitbekommen haben, wer hier verantwortlich zeichnet, sollten schon im Titelsong bassiges "Angel"-Geklacker und böses "Girl I love you"-Bläsergrollen bekannt vorkommen. Massiv – genauso wie die imposante Gästeliste dieses mitunter brillanten Albums.

Auf dieser steht mit Sandie Shaw sogar eine altehrwürdige englische Siegerin des Eurovision Song Contest – nachdem die von Davidge im Vorfeld scherzhaft geforderten John Lennon und Nina Simone eben unpässlich waren. Doch auch Shaw verleiht "Riot pictures" divenhafte Eleganz, obwohl der Text Straßenschlachten in Bristol verhandelt. Ein funkelnder Dance-Track, gegen den das krautige Slap-Uptempo der Single "Gallant foxes" gelinde abfallen muss – da kann die Waliserin Cate Le Bon so jenseitig säuseln, wie sie will. "How was your day", fragt die Singer-Songwriterin Karima Francis direkt danach – und eigentlich weiß man es schon: Tagsüber läuft Kraftwerks "Trans Europa Express" in Dauerscheife, abends steht Davidge murrend in der schummrigen Disco-Ecke. Und auch in der Folge wird es auf "Slo light" kaum heller.

Der Ambient-Ruhepol "Sleepwalking" und die Folk-Fragilität "Hummingbird" erweisen sich nämlich als trügerisch angesichts rotierenden Club-Gebrodels wie "Zero one zero", das sich auffällig an der Basslinie des Bhangra-Acid-Klassikers "Swarm" von Badmarsh & Shri orientiert. Im mit zunehmender Spieldauer gewaltig in Fahrt kommenden Electro-Stampfer "They won't know" könnte man die gleich dreifach vertretene Living-Days-Frontfrau Stephonik Youth gar mit Robert Smith verwechseln – nur folgerichtig eingedenk der auch bei Massive Attack immer wieder durchscheinenden Post-Punk-Affinität. Und um diesen Vergleich nicht allzu sehr zu strapazieren, spuckt der frühere Strangelove-Sänger Patrick Duff abschließend mit kalkweißem Stakkato-Rap ein geiferndes Stück Spoken Word auf den Boden. Gut, dass das im Dunkeln niemand sieht.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Slo light (featuring Stephonik Youth)
  • How was your day (featuring Karima Francis)
  • They won't know (featuring Stephonik Youth)
  • Riot pictures (featuring Sandie Shaw)

Tracklist

  1. Slo light (featuring Stephonik Youth)
  2. Gallant foxes (featuring Cate Le Bon)
  3. How was your day (featuring Karima Francis)
  4. Home from home (featuring Low Roar)
  5. They won't know (featuring Stephonik Youth)
  6. That fever (featuring Claire Tchaikowski)
  7. Riot pictures (featuring Sandie Shaw)
  8. Zero one zero (featuring Stephonik Youth)
  9. Sleepwalking (featuring Emi Green)
  10. Anyone laughing (featuring Claire Tchaikowski)
  11. Hummingbird (featuring Patrick Duff)
  12. Sensor (featuring Jhelisa Anderson)
  13. Forty days in the wilderness (featuring Patrick Duff)

Gesamtspielzeit: 71:29 min.

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