Broken Twin - May

Broken Twin- May

Anti / Indigo
VÖ: 25.04.2014

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Auf ein Wort

Kurz, schnell, nebenbei. Die Informationskultur schrumpft auf ihren Kern zusammen, bestenfalls, während die Abers, Weils, Denns, Unds und Oders immer seltener Beachtung finden. Für alle SMS-in-160-Zeichen-Fanatiker, Twitter-Konsumierer und Schlagzeilen-Rezipienten daher die kurze Zusammenfassung gleich zu Beginn: "Broken Twin, Singer-Songwriterin, Piano, sehr sehr gutes Album, #May." Somit wäre dem Zeitgeist auch Genüge getan und man kann sich der detaillierteren Beschreibung zuwenden. Im Prinzip jedenfalls, denn im Grunde ist mit den Eckdaten tatsächlich auch schon viel über das Debütalbum der Dänin Majke Voss Romme gesagt.

Doch alle Möglichkeiten der Verknappung und Reduktion sind der Stimmung von "May" abträglich und werden ihr auch nicht gerecht. Es ist ein spartanisches Werk mit Lo-Fi-Charakter, das beim beiläufigen Konsumieren wohl durch die Gefälligkeitsraster der meisten Ohren fiele, weil die Emo-Polizei einen durch und durch gefühlsschwangeren Vortrag attestiert. Dabei kratzen kleine Ausschmückungen die tränenglatte Oberfläche angenehm auf. Die Gitarre als steter Begleiter in "Glimpse of a time" und "River raining" dürfte Broken Twin wohl den Daughter-Vergleich gebracht haben, die dezent geschlagene Pauke samt wabernder Kulisse in "Roam" dafür verantwortlich sein, dass in manchen Texten zu Broken Twin auch das Wort Post-Rock fällt.

Zu den Vergleichen mag man stehen, wie man möchte, aber es zeigt eben doch, dass mit "Singer-Songwriterin" und "Piano" zwar die Hauptbestandteile dieser Platte umschrieben sind, das aber noch nicht die eingesetzten, singulären Streicher einschließt. Oder die geringfügig injizierte Bläserdosis in "Out of air", die immer wieder auftauchende, sparsam dosierte Elektronik, oder die Stimmdopplung von "If pilots go to Heaven", das wegen seiner Exklusivität beinahe einer kanonischen Explosion gleichkommt, und dem dicht arrangierten Trauerkloß "In dreams" Konkurrenz macht.

In Broken Twins Gesang wohnt ein Zittern, ein leichtes Vibrieren in ihrer Stimme. Wenn Dackelaugen singen könnten, würde das wohl so ähnlich klingen. Dabei hat die Dänin den Wonnemonat als Namenspaten für ihr Debütalbum auserkoren, weil dieser neben Schlichtheit auch eine Zeit des hoffnungsvollen Umbruchs symbolisiert. "There will be no darkness / I will fill your space with light", singt Romme sodenn zum Abschluss der Platte. Wobei: "It looks like hope, for today at least I tried." Die Melancholie lässt sich nicht so schnell abschütteln. Nicht kurz, nicht nebenbei. Nicht mal in 42 Minuten.

(Stephan Müller)

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Highlights

  • The aching
  • Out of air
  • In dreams
  • If pilots go to Heaven

Tracklist

  1. The aching
  2. Glimpse of a time
  3. Roam
  4. Sun has gone
  5. River raining
  6. Soon after this
  7. Out of air
  8. In dreams
  9. If pilots go to Heaven
  10. No darkness

Gesamtspielzeit: 42:20 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Neigh
2014-05-15 21:31:15 Uhr
Im Vorprogramm von James Vincent McMorrow gesehen/gehört: Live noch schöner als auf CD, aber dennoch wirklich klasse. Hoffe, die finden hier demnächst noch etwas mehr Beachtung
langweiler weinerliches musik
2014-05-15 13:30:06 Uhr
zurecht nicht beachtetes werk hier auf pt!

Mixtape

Postings: 1925

Registriert seit 15.05.2013

2014-04-12 06:46:21 Uhr
Broken Twin kommt aus Dänemark und veröffentlicht am 25.04. ihr Debütalbum "May". Die Single erinnert mich in ihrer Schönheit sehr an Beth Gibbons & Rustin' Man.

http://www.tape.tv/broken-twin/videos/glimpse-of-a-time
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